O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

„Rhein in Flammen“

GÖTTERDÄMMERUNG
(Richard Wagner)

Besuch am
27. Oktober 2018
(Premiere)

 

Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg, Oper Düsseldorf

Der Ring ist geschmiedet, auch wenn er nicht ganz so rund gelungen ist, wie man es sich wünschen könnte. Immerhin muss man der Deutschen Oper am Rhein zugestehen, dass sie nach über 25 Jahren überhaupt wieder einmal den Kraftakt, mit dem Wagners Ring des Nibelungen alle Ressourcen eines Opern­hauses einfordert, gewagt hat. Und das fast gleich­zeitig in den Häusern von Düsseldorf und Duisburg mit zwei völlig unter­schied­lichen und nahezu ebenbürtig guten Besetzungen.

Die Dankbarkeit des Publikums nach der Premiere der Götter­däm­merung im voll besetzten Düssel­dorfer Opernhaus ist nicht zu überhören und schlägt sich in fast hyste­ri­schen Beifalls­stürmen nieder, in die sich freilich auch Buh-Salven für Regisseur Dietrich W. Hilsdorf wie aus dessen besten Zeiten einschleichen. Dabei gibt der Regisseur seit geraumer Zeit keinerlei Anlass mehr für entrüstete Proteste. Und auch in seiner Ring-Insze­nierung wagt er sich nicht weit aus dem Fenster gemäßigter Konfek­ti­onsware. Der Blick aus dem Fenster lässt sich wörtlich nehmen, wenn man, wie Hilsdorf, ein von globaler Kritik an Kapita­lismus und Natur­zer­störung getra­genes Werk wie den Ring aus der engen Perspektive bürger­licher Unter­neh­mer­fa­milien entwi­ckeln und letztlich zu einem Kammer­spiel reduzieren will. Da deuten mit einem Kampf­hub­schrauber in der Walküre und einem Lokomo­tiv­schuppen im Siegfried zwar ein paar Anzeichen auf Kriegs­sze­narien und die Gefahren der Indus­tria­li­sierung hin, die einen Blick außerhalb der edlen Wohnsalons erlauben. Ausge­rechnet in der Götter­däm­merung jedoch verengt Hilsdorf den Blick auf eine regional, wenn nicht gar provin­ziell begrenzte Rhein­land­schaft. Man spielt auf einem Rhein­schiff, im ersten Akt vor einer roman­tisch gefärbten Kulisse, im letzten Aufzug vor einer Industrie-Silhouette. Und im Mittelteil entpuppt sich der Chor als Karne­vals­verein mit Tanzma­riechen und entspre­chend kostü­miertem Hofstaat. Rheini­scher geht’s kaum, auch wenn die Narren die Unter­gangs­stimmung der Götter­däm­merung nicht anheben können. Warum sollten sie auch?

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Schließlich ist die Narretei nicht gerade das angemessene Ambiente, um zu Wagners Blick in eine ungewisse Zukunft aussa­ge­kräftig Stellung beziehen zu können, nachdem die Welt nach einem zerstö­re­ri­schen Krieg vom Fluch des Rings durch Feuer und Wasser erlöst worden ist. Bei Wagner schauen die Menschen dem Reini­gungs­ritual, das eine neue Zeit anbrechen lässt, gebannt zu, und im Orchester hat ein aufmun­terndes Erlösungs­motiv das letzte Wort. Bei Hilsdorf setzt Brünn­hilde Schiff und den Rhein in Flammen. Menschen sind weit und breit nicht zu sehen. Unpro­fi­lierter lässt sich eine Götter­däm­merung kaum beenden.

Wenn von Konzeption, ungeachtet aller Einwände, vor allem im Rheingold und der Götter­däm­merung, gesprochen werden kann, dann ist sie mehr dem Bühnen­bildner Dieter Richter zu verdanken als dem Regisseur. Richters Bilder deuten wenigstens ansatz­weise die weltpo­li­ti­schen Dimen­sionen des Werks an, während sich Hilsdorf mit seiner langen Bühnen­er­fahrung auf die Charak­te­ri­sierung und Führung der Figuren verlässt. Dabei gelingt ihm die Profi­lierung der Charaktere, vor allem der Haupt­fi­guren, besser als deren Führung. Was nicht garan­tiert, dass jede Figur sinnvoll gezeichnet ist. Die Rolle der Nornen beim Kaffee­klatsch bleibt ebenso unklar wie die des Kellners, der bei jeder passenden oder unpas­senden Gelegenheit ziemlich sinnlos Gläser bringt und abräumt.

Foto © Hans Jörg Michel

Was die Perso­nen­führung betrifft, wird erstaunlich viel gesessen, während die Welt dem Ende entge­gen­driftet. Das führt im ohnehin langen ersten Akt der Götter­däm­merung zu noch spürba­reren Längen und viel Leerlauf. Und wenn Hilsdorf ins Detail geht, begnügt er sich mit gedie­gener, konven­tio­neller Hausmannskost. Die Chancen, die der Ring als frühe Warnung vor den Auswüchsen von Kapita­lismus und Umwelt­zer­störung jedem Regisseur bietet, lässt Hilsdorf weitgehend ungenutzt. Schade.

General­mu­sik­di­rektor Axel Kober erntet frene­tische standing ovations für ein Dirigat, das vor allem durch orches­trale Kraft geprägt ist. Kober lässt es mächtig krachen, bedient sich freilich strecken­weise erstaunlich zäher Tempi, die durch überdehnte General­pausen bis zum Still­stand geführt werden. Die Erzählung der Waltraute kommt so kaum von der Stelle. Da kann Katarzyna Kuncio noch so schön singen. Der Spannung dienen solche Extreme wenig.

Positive Akzente setzt insgesamt das Ensemble. Kein Wunder, wenn ein solch pracht­voller Bassist wie Hans-Peter König als Hagen zur Verfügung steht. An Hinter­grün­digkeit steht ihm Michael Kraus als Alberich kaum nach. Und selbst die von Wagner etwas blass gezeich­neten Gibichungen-Geschwister zeigen mit Bogdan Baciu als Gunther und Sylvia Hamvasi als Gutrune ein beein­dru­ckendes vokales Format. Dass die Rheinoper immer noch über ein statt­liches Ensemble verfügt, beweist sie nicht zuletzt mit den vorzüglich besetzten Damen-Trios der Nornen und der Rhein­töchter. Zu nennen sind als Nornen Susan Maclean, Sarah Ferede und Morenike Fadayomi sowie als Rhein­töchter Anke Krabbe, Kimberley Boettger-Soller und Ramona Zaharia.

Und Michael Weinius als Siegfried kann seine kondi­ti­ons­starke Leistung, die er im Siegfried schon zeigte, wieder­holen. Auch Linda Watson steht die gewaltige Partie der Brünn­hilde einschließlich des mächtigen Schluss-Gesangs mühelos durch, wobei ihre Stimme in den Höhen jedoch mittler­weile deutlich ausge­härtet klingt. Ohne Fehl und Tadel agiert auch der Chor, so dass das musika­lische Format der Produktion über manche szenische Schwäche hinweg­trösten kann.

Beim Premieren-Publikum kommt der neue Ring jeden­falls gut an.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: