O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Sven Lorenz

Das Erbe Mauricio Kagels

NOW-FESTIVAL
(Diverse Komponisten)

Besuch am
31. Oktober und 1. November 2018
(Einmalige Aufführungen)

 

Philhar­monie Essen

Im Musik­theater werden die Möglich­keiten der Video-Kunst mittler­weile reichlich genutzt. Auf dem Konzert­podium wirken Versuche, konzer­tante Musik mit Video-Techniken zu verknüpfen, noch reichlich tastend, wenn nicht gar orien­tie­rungslos. Diesen Eindruck bestätigt auch das Konzert des famosen Asko-Schönberg-Ensembles im Rahmen des Now!-Festivals in der Essener Philhar­monie, das unter dem Titel Black Box Music eine gleich­namige Kompo­sition des dänischen Kompo­nisten Simon Steen-Andersen ins Zentrum rückt. Dass die Black Box Music für Schlagzeug, 15 Instru­mente und Video mit den techni­schen Mitteln ironisch umgeht, ist zwar charmant in der nicht gerade vor Humor strot­zenden Avant­garde-Szene, unter­streicht jedoch nur die unklare Richtung des Genres.

Steen-Andersen, der letzt­jährige Preis­träger des Mauricio-Kagel-Musik­preises der Kunst­stiftung NRW, entfacht ein absurdes Puppen­theater-Szenario, in dem die Hände des norwe­gi­schen Perkus­sio­nisten Håkon Stene in überdi­men­sio­nalen Projek­tionen die Klänge des auf den Emporen aufge­stellten Ensembles live steuern, das den Anwei­sungen mit perfekter Präzision folgt. Die fast dikta­to­rische Macht des Dirigenten wird dabei einer­seits durch das Ambiente des Puppen­theaters ironi­siert, anderer­seits durch die Verwendung von Stimm­gabeln, Gummi­bändern und Plastik­be­chern, mit denen der „Dirigent“ für zusätz­liche Klang­ef­fekte sorgt. Ein virtuoses, pfiffiges Klang­spiel mit einer dicken Prise Unterhaltungswert.

In seinem Stück Blackjack für Ensemble mit Live-Video und Zuspiel legt es Michael Beil weniger auf eine ausge­gli­chene Balance oder gar durch­gängige Synchro­nität der optischen und klang­lichen Anteile an, sondern lässt die Musiker einzeln oder im Zweier-Pack auf die Bühne treten und einzelne Töne oder knappe Tonse­quenzen erklingen, die gesampelt werden und sich allmählich zu einem dichten Klang­ge­flecht vermi­schen, wobei der Hörer ganz bewusst im Unklaren gelassen wird, ob es sich um Live- oder gesam­pelte Klänge handelt. Die video­tech­nische Aufar­beitung der Aktion wirkt dabei erheblich raffi­nierter als die schlichten kompo­si­to­ri­schen Anteile.

Und Louis Andriessens Gesprek für zwei Schlag­zeuger ohne Instru­mente zum Auftakt des Abends, in dem die Musiker quasi Luftschlagzeug spielen und die Klänge mit dem Mund erzeugen, wirkt angesichts der Entste­hungszeit um 2012 schon ein wenig antiquiert. Mauricio Kagels Instru­men­tales Theater aus den 1970-er Jahren lässt grüßen, das das Now!-Festival in den kommenden Konzerten noch berück­sich­tigen wird.

Es ist schön, dass das Now!-Festival auch den musika­li­schen Nachwuchs nicht vergisst. Die Zusam­men­arbeit mit der Folkwang-Univer­sität gehört zur Tradition, aber auch noch jüngere Talente bekommen eine Plattform, um sich kreativ mit zeitge­nös­si­scher Musik ausein­an­der­setzen zu können. An Aller­hei­ligen können sich beide Gruppen präsen­tieren, die Folkwang-Studenten im Folkwang-Museum, 17 Schüle­rinnen und Schüler aus sechs Essener und Gelsen­kir­chener Schulen im RWE-Pavillon der Philharmonie.

Foto © Sven Lorenz

Sequenza nennte sich ein Konzert der Folkwang-Univer­sität mit Kammer­mu­siken, die mit theatra­li­schen Elementen angerei­chert sind. Dass dabei Werke aus den 1970-er Jahren dominieren, ist kein Zufall. Damals feierten Auffüh­rungs­formen wie das Instru­mentale Theater Kagels ihren Höhepunkt.

So tänzelt die Klari­net­tistin Hyun Kim als Harlekin mit einem kurzen Stück aus Karlheinz Stock­hausens Zyklus Licht ebenso virtuos über die Bühne wie sie die Klari­nette bedient. Georges Aperghis aphoris­tische Minia­turen Sept crimes de l’amour für eine Sängerin, Klari­nette und Schlagzug inter­pre­tieren Manon Blanc-Delsalle als Sängerin, Sebastian Wendt mit der Klari­nette und Ramon Gardella am Schlagzeug mit grotesker Schärfe und feiner Ironie. Und Chris­topher Harding lässt es sich nicht nehmen, einen modernen Klassiker wie Luciano Berios Sequenza V für Posaune solo mit Augen­zwinkern und spiel­tech­ni­scher Perfektion zu gestalten.

Aber auch eine Urauf­führung ist zu vermelden: Doris Hand, eine Zusam­men­arbeit von Vincent Michalke mit dem Geiger und Performer Isaac Espinoza Hidrobo. Eine etwas lang geratene, elektro­nisch angerei­cherte Bewegungs­studie, die Hidrobo mit beein­dru­ckender Inten­sität vorträgt.

Der Mentor des Instru­men­talen Theaters, der vor zehn Jahre verstorbene Mauricio Kagel, steht anschließend im Jugend­projekt Varieté im Zentrum. Varieté – Concert Spectacle für Artisten und Musiker aus den Jahren 197677 bietet mit seinen elf kurzen Szenen Schüle­rinnen und Schülern aus fünf Essener Schulen sowie der Gesamt­schule Gelsen­kirchen-Horst dankbare Aufgaben, um die zirzen­sisch vitale Musik Kagels mit Tanz- und Bewegungs­for­ma­tionen unter­schied­licher Art optisch umzusetzen. Dabei entwi­ckeln die Kinder unter Leitung von Violetta von der Heydt mit Schat­ten­rissen und Auftritten zwischen den flankie­renden Publi­kums­blöcken mit viel Fantasie ebenso poesie­volle wie tempe­ra­ment­volle Lösungen, die in dem von Christoph Maria Wagner gelei­teten E‑mex-Ensemble musika­lische Unter­stützung auf profes­sio­nellem Niveau fanden.

Langan­hal­tender Beifall für beide Konzerte.

Beteiligt waren folgende Schulen: aus Essen die Bertha-von-Suttner-Realschule, die Friedens­schule Essen, die Schule an der Waldlehne, die B.M.V.-Schule und das Leibniz-Gymnasium sowie die Gesamt­schule Gelsenkirchen-Horst.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: