O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
NOW-FESTIVAL
(Diverse Komponisten)
Besuch am
31. Oktober und 1. November 2018
(Einmalige Aufführungen)
Im Musiktheater werden die Möglichkeiten der Video-Kunst mittlerweile reichlich genutzt. Auf dem Konzertpodium wirken Versuche, konzertante Musik mit Video-Techniken zu verknüpfen, noch reichlich tastend, wenn nicht gar orientierungslos. Diesen Eindruck bestätigt auch das Konzert des famosen Asko-Schönberg-Ensembles im Rahmen des Now!-Festivals in der Essener Philharmonie, das unter dem Titel Black Box Music eine gleichnamige Komposition des dänischen Komponisten Simon Steen-Andersen ins Zentrum rückt. Dass die Black Box Music für Schlagzeug, 15 Instrumente und Video mit den technischen Mitteln ironisch umgeht, ist zwar charmant in der nicht gerade vor Humor strotzenden Avantgarde-Szene, unterstreicht jedoch nur die unklare Richtung des Genres.
Steen-Andersen, der letztjährige Preisträger des Mauricio-Kagel-Musikpreises der Kunststiftung NRW, entfacht ein absurdes Puppentheater-Szenario, in dem die Hände des norwegischen Perkussionisten Håkon Stene in überdimensionalen Projektionen die Klänge des auf den Emporen aufgestellten Ensembles live steuern, das den Anweisungen mit perfekter Präzision folgt. Die fast diktatorische Macht des Dirigenten wird dabei einerseits durch das Ambiente des Puppentheaters ironisiert, andererseits durch die Verwendung von Stimmgabeln, Gummibändern und Plastikbechern, mit denen der „Dirigent“ für zusätzliche Klangeffekte sorgt. Ein virtuoses, pfiffiges Klangspiel mit einer dicken Prise Unterhaltungswert.
In seinem Stück Blackjack für Ensemble mit Live-Video und Zuspiel legt es Michael Beil weniger auf eine ausgeglichene Balance oder gar durchgängige Synchronität der optischen und klanglichen Anteile an, sondern lässt die Musiker einzeln oder im Zweier-Pack auf die Bühne treten und einzelne Töne oder knappe Tonsequenzen erklingen, die gesampelt werden und sich allmählich zu einem dichten Klanggeflecht vermischen, wobei der Hörer ganz bewusst im Unklaren gelassen wird, ob es sich um Live- oder gesampelte Klänge handelt. Die videotechnische Aufarbeitung der Aktion wirkt dabei erheblich raffinierter als die schlichten kompositorischen Anteile.
Und Louis Andriessens Gesprek für zwei Schlagzeuger ohne Instrumente zum Auftakt des Abends, in dem die Musiker quasi Luftschlagzeug spielen und die Klänge mit dem Mund erzeugen, wirkt angesichts der Entstehungszeit um 2012 schon ein wenig antiquiert. Mauricio Kagels Instrumentales Theater aus den 1970-er Jahren lässt grüßen, das das Now!-Festival in den kommenden Konzerten noch berücksichtigen wird.
Es ist schön, dass das Now!-Festival auch den musikalischen Nachwuchs nicht vergisst. Die Zusammenarbeit mit der Folkwang-Universität gehört zur Tradition, aber auch noch jüngere Talente bekommen eine Plattform, um sich kreativ mit zeitgenössischer Musik auseinandersetzen zu können. An Allerheiligen können sich beide Gruppen präsentieren, die Folkwang-Studenten im Folkwang-Museum, 17 Schülerinnen und Schüler aus sechs Essener und Gelsenkirchener Schulen im RWE-Pavillon der Philharmonie.

Sequenza nennte sich ein Konzert der Folkwang-Universität mit Kammermusiken, die mit theatralischen Elementen angereichert sind. Dass dabei Werke aus den 1970-er Jahren dominieren, ist kein Zufall. Damals feierten Aufführungsformen wie das Instrumentale Theater Kagels ihren Höhepunkt.
So tänzelt die Klarinettistin Hyun Kim als Harlekin mit einem kurzen Stück aus Karlheinz Stockhausens Zyklus Licht ebenso virtuos über die Bühne wie sie die Klarinette bedient. Georges Aperghis aphoristische Miniaturen Sept crimes de l’amour für eine Sängerin, Klarinette und Schlagzug interpretieren Manon Blanc-Delsalle als Sängerin, Sebastian Wendt mit der Klarinette und Ramon Gardella am Schlagzeug mit grotesker Schärfe und feiner Ironie. Und Christopher Harding lässt es sich nicht nehmen, einen modernen Klassiker wie Luciano Berios Sequenza V für Posaune solo mit Augenzwinkern und spieltechnischer Perfektion zu gestalten.
Aber auch eine Uraufführung ist zu vermelden: Doris Hand, eine Zusammenarbeit von Vincent Michalke mit dem Geiger und Performer Isaac Espinoza Hidrobo. Eine etwas lang geratene, elektronisch angereicherte Bewegungsstudie, die Hidrobo mit beeindruckender Intensität vorträgt.
Der Mentor des Instrumentalen Theaters, der vor zehn Jahre verstorbene Mauricio Kagel, steht anschließend im Jugendprojekt Varieté im Zentrum. Varieté – Concert Spectacle für Artisten und Musiker aus den Jahren 1976⁄77 bietet mit seinen elf kurzen Szenen Schülerinnen und Schülern aus fünf Essener Schulen sowie der Gesamtschule Gelsenkirchen-Horst dankbare Aufgaben, um die zirzensisch vitale Musik Kagels mit Tanz- und Bewegungsformationen unterschiedlicher Art optisch umzusetzen. Dabei entwickeln die Kinder unter Leitung von Violetta von der Heydt mit Schattenrissen und Auftritten zwischen den flankierenden Publikumsblöcken mit viel Fantasie ebenso poesievolle wie temperamentvolle Lösungen, die in dem von Christoph Maria Wagner geleiteten E‑mex-Ensemble musikalische Unterstützung auf professionellem Niveau fanden.
Langanhaltender Beifall für beide Konzerte.
Beteiligt waren folgende Schulen: aus Essen die Bertha-von-Suttner-Realschule, die Friedensschule Essen, die Schule an der Waldlehne, die B.M.V.-Schule und das Leibniz-Gymnasium sowie die Gesamtschule Gelsenkirchen-Horst.
Pedro Obiera