O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Faust-Phantasmagorien

SZENEN AUS GOETHES FAUST
(Robert Schumann)

Besuch am
31. Oktober 2018
(Premiere am 28. Oktober 2018)

 

Staatsoper Hamburg

Die Kompo­sition der Szenen aus Goethes Faust war für Robert Schumann ein langwie­riger und immer wieder unter­bro­chener Prozess von fast zehn Jahren zwischen 1844 und 1853. Die Urauf­führung, die schließlich fast noch einmal weitere zehn Jahre später 1862 in Köln stattfand, hat der Komponist nicht mehr erlebt.

Das Werk ist keine Oper, aber auch kein Oratorium. Es ist bis heute unklar, wie Schumann selbst dieses aufwändige Werk einge­ordnet hat und aufge­führt sehen wollte. Es vereint in drei Abtei­lungen Szenen aus Goethes Faust. Dabei liegt der Schwer­punkt in den ersten beiden Abtei­lungen bei der Charak­te­ri­sierung der Person Gretchens und Fausts. Hier werden jeweils drei nicht zusam­men­hän­gende Szenen des Werkes vorge­stellt, die die Personen in den Mittel­punkt stellen. In der dritten Abteilung erlebt der Betrachter Fausts Verklärung, wie sie zirka 60 Jahre später auch Gustav Mahler in seiner Achten Symphonie noch einmal vertonen wird. Insgesamt handelt es sich um ein traumhaft-geheim­nis­volles Seelen­drama auf der Basis von Goethes Opus.

Achim Freyer, der an der Hambur­gi­schen Staatsoper bereits in der letzten Spielzeit Wagners Parsifal verant­wortet hat, legt sich bei seiner Neupro­duktion für das Hamburger Haus hinsichtlich einer Gattungs­zu­ordnung ebenso wenig fest. Der Gesamt­kunst­werker Freyer, der neben der Insze­nierung auch Bühne, Kostüme und Licht­ge­staltung geschaffen hat, nutzt überwiegend den Raum der Vorder­bühne und des gedeckelten Orches­ter­grabens für das Spiel der Protago­nisten und positio­niert Chor, Orchester und den Dirigenten hinter einem Gazevorhang.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Die Spiel­fläche ist stark nach vorne abgewinkelt, so dass sich die in diesem Teil bewegenden Handlungs­träger nur gezwungen langsam und unwirklich bewegen können. Ihnen beigestellt sind während des gesamten Abends durch den Raum schrei­tende „Spieler“, die mit unter­schied­lichen Gegen­ständen gleichsam den Raum durch­schweben. Teilweise tragen sie konkrete Objekte auf die Bühne, wie zum Beispiel ein Metronom oder das Modell einer Kirche. Teilweise handelt es sich um abstrakt-geome­trische Formele­mente, deren Bezug oder Sinn nicht erklärt werden. Zentral in der Mitte der verklei­nerten Spiel­fläche ist eine Darstellung von Caspar Davis Fried­richs berühmten Gemälde Wanderer im Eismeer zu sehen. Der Kopf des Wanderers ist über lange Perioden durch den Sänger des Faust ersetzt, der manchmal nach hinten in der Perspektive des Wanderers zum Orchester und Chor, das heißt den überge­ord­neten Kosmos, öfter jedoch zum Publikum in die Alltagswelt blickt.

Dabei ist die Bühne überwiegend dunkel gehalten. Mitunter ist der Wider­schein der Noten­blätter unter dem Licht der Noten­pulte die hellste Licht­quelle. Das Bild- und Bewegungs­spektrum kann der erfahrene Betrachter unmit­telbar Freyers bewährtem Bildkosmos zuordnen. Das hat man in der Form oder ähnlich schon mehrfach gesehen, wobei eine stark zuneh­mende Reduktion oder verstärkte Unter­lassung konkreter Darstel­lungs­ele­mente den Altersstil des Künstlers prägen.

Foto © Monika Rittershaus

Es wird nicht klar, ob eine solche bildhafte Darstellung dieses Werkes wirklich einer konzer­tanten Aufführung überlegen ist oder diese szenische Umsetzung überhaupt erfordert. In jedem Fall benötigt der Zuhörer selbst einen feinen Sinn für die Musik Schumanns, die ihn jenseits aller äußeren Dramatik in der Seele ansprechen und entführen muss. Er muss selbst die hohe Bereit­schaft entwi­ckeln, sich in diese Seelen­welten hinein zu fühlen. Freyers dunkle Bildwelten unter­stützen ihn nur wenig.

Das gewich­tigste Argument für die Aufführung ist die grandiose Besetzung des Faust, Pater Seraphicus, Dr. Marianus durch Christian Gerhaher. Der Künstler hat bereits in verschie­denen Produk­tionen mit diversen Orchestern und Dirigenten die Partien verkörpert. Seine hoch-sensible, nervös-intel­lek­tuelle und dabei mitunter äußerst verletzlich wirkende Stimm­be­herr­schung ermög­licht einen fast grenzen­losen Darstel­lungs- und Facet­ten­reichtum bei der Umsetzung der Gesangs­partie. Dabei ist der Sänger in der Lage, mit ungewöhn­licher Textver­ständ­lichkeit zu dekla­mieren. Der Künstler zieht die Zuhörer magisch in Bann und ist insbe­sondere in der Lage, sensi­belste Zwischentöne für Gefühle des Suchens, des Zweifels, der Angst und der Unsicherheit zu prägen.

Christina Gansch in den Rollen von Gretchen, Not, Seliger Knabe, Una Poeni­tentium und Sopran-Solo überzeugt durch ihren makel­losen und geführten Sopran. Die Gerad­li­nigkeit der Stimm­führung und äußere Einfachheit des Spiels bilden einen angemes­senen Gegenpol zu Fausts Auftritt.

Franz-Josef Selig ist für die Rollen des Mephisto, Pater Profundus, Böser Geist und Bass-Soli einge­sprungen. Das weitere Ensemble wird mit Narea Son, Renate Spingler, Katja Pieweck und Alexander Roslavets als Mitglieder des Hauses und des Opern­studios bestens ergänzt und abgerundet.

Der Chor der Staatsoper Hamburg in der Einstu­dierung von Eberhard Friedrich singt zusammen mit den Alster­spatzen unter der Leitung von Jürgen Luhn. Die beiden Ensembles entwi­ckeln nach anfäng­lichen, kleinen rhyth­mi­schen Ungenau­ig­keiten einen Klang­kosmos, der in kluger Steigerung in der dritten Abteilung bei der Verklärung seinen berückenden und unwirk­lichen Höhepunkt erreicht.

Das Philhar­mo­nische Staats­or­chester unter der Leitung seines Chefs Kent Nagano bringt ein roman­tisch phrasiertes Klangbild mit großer Hingabe und Engagement zum Klingen und wird der berückenden und teilweise traum­ver­lo­renen Musik Schumanns mit facet­ten­reicher Gestaltung gerecht.

Starker Beifall für Solisten und Ensembles des bei der ersten Wieder­holung nach der Premiere nicht voll besetzten Hauses.

Achim Dombrowski

Teilen Sie O-Ton mit anderen: