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SZENEN AUS GOETHES FAUST
(Robert Schumann)
Besuch am
31. Oktober 2018
(Premiere am 28. Oktober 2018)
Die Komposition der Szenen aus Goethes Faust war für Robert Schumann ein langwieriger und immer wieder unterbrochener Prozess von fast zehn Jahren zwischen 1844 und 1853. Die Uraufführung, die schließlich fast noch einmal weitere zehn Jahre später 1862 in Köln stattfand, hat der Komponist nicht mehr erlebt.
Das Werk ist keine Oper, aber auch kein Oratorium. Es ist bis heute unklar, wie Schumann selbst dieses aufwändige Werk eingeordnet hat und aufgeführt sehen wollte. Es vereint in drei Abteilungen Szenen aus Goethes Faust. Dabei liegt der Schwerpunkt in den ersten beiden Abteilungen bei der Charakterisierung der Person Gretchens und Fausts. Hier werden jeweils drei nicht zusammenhängende Szenen des Werkes vorgestellt, die die Personen in den Mittelpunkt stellen. In der dritten Abteilung erlebt der Betrachter Fausts Verklärung, wie sie zirka 60 Jahre später auch Gustav Mahler in seiner Achten Symphonie noch einmal vertonen wird. Insgesamt handelt es sich um ein traumhaft-geheimnisvolles Seelendrama auf der Basis von Goethes Opus.
Achim Freyer, der an der Hamburgischen Staatsoper bereits in der letzten Spielzeit Wagners Parsifal verantwortet hat, legt sich bei seiner Neuproduktion für das Hamburger Haus hinsichtlich einer Gattungszuordnung ebenso wenig fest. Der Gesamtkunstwerker Freyer, der neben der Inszenierung auch Bühne, Kostüme und Lichtgestaltung geschaffen hat, nutzt überwiegend den Raum der Vorderbühne und des gedeckelten Orchestergrabens für das Spiel der Protagonisten und positioniert Chor, Orchester und den Dirigenten hinter einem Gazevorhang.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Die Spielfläche ist stark nach vorne abgewinkelt, so dass sich die in diesem Teil bewegenden Handlungsträger nur gezwungen langsam und unwirklich bewegen können. Ihnen beigestellt sind während des gesamten Abends durch den Raum schreitende „Spieler“, die mit unterschiedlichen Gegenständen gleichsam den Raum durchschweben. Teilweise tragen sie konkrete Objekte auf die Bühne, wie zum Beispiel ein Metronom oder das Modell einer Kirche. Teilweise handelt es sich um abstrakt-geometrische Formelemente, deren Bezug oder Sinn nicht erklärt werden. Zentral in der Mitte der verkleinerten Spielfläche ist eine Darstellung von Caspar Davis Friedrichs berühmten Gemälde Wanderer im Eismeer zu sehen. Der Kopf des Wanderers ist über lange Perioden durch den Sänger des Faust ersetzt, der manchmal nach hinten in der Perspektive des Wanderers zum Orchester und Chor, das heißt den übergeordneten Kosmos, öfter jedoch zum Publikum in die Alltagswelt blickt.
Dabei ist die Bühne überwiegend dunkel gehalten. Mitunter ist der Widerschein der Notenblätter unter dem Licht der Notenpulte die hellste Lichtquelle. Das Bild- und Bewegungsspektrum kann der erfahrene Betrachter unmittelbar Freyers bewährtem Bildkosmos zuordnen. Das hat man in der Form oder ähnlich schon mehrfach gesehen, wobei eine stark zunehmende Reduktion oder verstärkte Unterlassung konkreter Darstellungselemente den Altersstil des Künstlers prägen.

Es wird nicht klar, ob eine solche bildhafte Darstellung dieses Werkes wirklich einer konzertanten Aufführung überlegen ist oder diese szenische Umsetzung überhaupt erfordert. In jedem Fall benötigt der Zuhörer selbst einen feinen Sinn für die Musik Schumanns, die ihn jenseits aller äußeren Dramatik in der Seele ansprechen und entführen muss. Er muss selbst die hohe Bereitschaft entwickeln, sich in diese Seelenwelten hinein zu fühlen. Freyers dunkle Bildwelten unterstützen ihn nur wenig.
Das gewichtigste Argument für die Aufführung ist die grandiose Besetzung des Faust, Pater Seraphicus, Dr. Marianus durch Christian Gerhaher. Der Künstler hat bereits in verschiedenen Produktionen mit diversen Orchestern und Dirigenten die Partien verkörpert. Seine hoch-sensible, nervös-intellektuelle und dabei mitunter äußerst verletzlich wirkende Stimmbeherrschung ermöglicht einen fast grenzenlosen Darstellungs- und Facettenreichtum bei der Umsetzung der Gesangspartie. Dabei ist der Sänger in der Lage, mit ungewöhnlicher Textverständlichkeit zu deklamieren. Der Künstler zieht die Zuhörer magisch in Bann und ist insbesondere in der Lage, sensibelste Zwischentöne für Gefühle des Suchens, des Zweifels, der Angst und der Unsicherheit zu prägen.
Christina Gansch in den Rollen von Gretchen, Not, Seliger Knabe, Una Poenitentium und Sopran-Solo überzeugt durch ihren makellosen und geführten Sopran. Die Geradlinigkeit der Stimmführung und äußere Einfachheit des Spiels bilden einen angemessenen Gegenpol zu Fausts Auftritt.
Franz-Josef Selig ist für die Rollen des Mephisto, Pater Profundus, Böser Geist und Bass-Soli eingesprungen. Das weitere Ensemble wird mit Narea Son, Renate Spingler, Katja Pieweck und Alexander Roslavets als Mitglieder des Hauses und des Opernstudios bestens ergänzt und abgerundet.
Der Chor der Staatsoper Hamburg in der Einstudierung von Eberhard Friedrich singt zusammen mit den Alsterspatzen unter der Leitung von Jürgen Luhn. Die beiden Ensembles entwickeln nach anfänglichen, kleinen rhythmischen Ungenauigkeiten einen Klangkosmos, der in kluger Steigerung in der dritten Abteilung bei der Verklärung seinen berückenden und unwirklichen Höhepunkt erreicht.
Das Philharmonische Staatsorchester unter der Leitung seines Chefs Kent Nagano bringt ein romantisch phrasiertes Klangbild mit großer Hingabe und Engagement zum Klingen und wird der berückenden und teilweise traumverlorenen Musik Schumanns mit facettenreicher Gestaltung gerecht.
Starker Beifall für Solisten und Ensembles des bei der ersten Wiederholung nach der Premiere nicht voll besetzten Hauses.
Achim Dombrowski