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Foto © Christian Fritsch

Geheimnisvolles bei der Freimaurer-Loge

DER HORLA
(Patrice Oliva)

Besuch am
3. November 2018
(Urauf­führung)

Lortzinghaus Osnabrück

Horla schaut in den Spiegel, „aber mein Bild war nicht darin“. Horla schließt Fenster und Türen, aber plötzlich merkt er, „dass er um mich herum sich bewegte …“. Er ist nicht greifbar – ein Geist, ein Gespenst, ein Jensei­tiger, er will ihn sehen, fühlen, „ … und ich lauerte ihm mit allen meinen überreizten Sinnen auf …“, vergeblich.

Kein Wunder, dass eine solch geheim­nis­volle Figur, ein solche Wahrnehmung einen Dichter, einen Kompo­nisten reizt.  Patrice Oliva, gebür­tiger Franzose und seit mehreren Jahren in Osnabrück zu Hause, hat sich gern von der Vorlage, die er bei Guy de Maupassant in der Novelle Le Horla fand, zu einer Kammeroper inspi­rieren lassen. Ein kleines Team und ein Projektorchester unter Leitung von Daniel Inbal präsen­tieren diese Oper, ein Drei-Perso­nen­stück, den knapp 100 Gästen im Saal des Lortzing-Hauses der Freimaurer-Loge in Osnabrück.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Zu Beginn erklingt ein langste­hender Flötenton, dann treten weitere Bläser, das Klavier und Rhyth­mus­in­stru­mente hinzu und verbreiten eine lockere, leicht verträumte Stimmung. Vor einem Tisch mit Tintenfass und Gänse­feder sitzt in sanftem Lampen­licht ein Mann, blättert in Unter­lagen und macht Notizen. Texte erscheinen an der Wand, sie erinnern an Heines Flammen­schrift an der Wand. Mit kräftiger, raumfül­lender Bariton­stimme liest und kommen­tiert Rhys Jenkins als Sänger aus dem Tagebuch, als unter­hielte er sich mit dem Schreiber. Es sind die Grenz­be­reiche des mensch­lichen Bewusst­seins, die ihn so sehr beschäf­tigen, dass ein Arzt hinzu­ge­zogen wird. Genadijus Bergorulko verleiht dem Docteur stimmlich das nötige Gewicht, der bei Horla eine Autoscopie, eine Art schizo­phrene Bewusst­seins­ver­dopplung vermutet. Vieles wird noch rätsel­hafter, als eine dritte Person hinzu­tritt. Meist franzö­sisch sprechend, ist sie ebenfalls mit dem Tagebuch befasst. Jan Friedrich Eggers, eher zurück­ge­nommen mit heller gefärbtem Bariton mag die hinteren Reihen nicht immer erreichen. Nach einer Feuers­brunst, real oder fiktiv erlebt, fragt sich Horla: „Wenn er nun nicht tot war? … Da werde ich also mich töten müssen, mich!“

Rationale Beobach­tungen ergänzen Wahnsinns­fan­tasien, Wirklichkeit und Phantasmen verschwimmen. Franzö­sisch gespro­chene Passagen mischen sich mit deutscher Sprache, Gesang und Sprech­partien gehen inein­ander über, die Grenzen zwischen Beobachtung und Imagi­nation verschwimmen. Die Fragen „Wer bewohnt diese Welten? Welche Gestalten? Welche Wesen?“ bleiben unbeantwortet.

Viele Begeg­nungen und Bezie­hungen um diesen Horla bleiben rätselhaft und verwoben. Dazu hat Oliva eine Musik kompo­niert, die das zwölf­köpfige Kammer­or­chester eher mit leichter Hand serviert. Da ist durchaus zu hören, dass Oliva selbst vor allem auf der Flöte zu Hause ist, der er manches Leitmotiv überträgt.

Patrice Oliva und sein Team haben mit der Kammeroper Der Horla den Gästen im Lortzingsaal eine spannende, gleich­zeitig unter­haltsame Insze­nierung geboten, die dank eines rätselhaft-verwir­renden Librettos und einer dazu passenden, lebhaften Musik die Aufmerk­samkeit fesselt. Daniel Inbal und dem Kammer­or­chester gelingt es mit viel Musizierlust, den verwirrten Horla klanglich in den Saal zu locken.Das Publikum ist von diesem Kammer­stück begeistert und spendet minuten­langen, herzlichen Beifall.

Horst Dichanz

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