O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © O-Ton

Alle Welt ist eine Bühne

ALL THE WORLD’S A STAGE
(Fabian Hemmelmann)

Besuch am
18. November 2018
(Einmalige Aufführung)

 

Bonner Lieds­ommer, Histo­ri­scher Gemein­desaal der Evange­li­schen Erlöser­kirche Bonn-Bad Godesberg

Das war ein langer Sommer. Bis Mitte November reicht er, wenn es nach dem Bonner Lieds­ommer geht. Das Festival versüßte den Bonner Bürgern zum ersten Mal in diesem Jahr die heißen Tage mit Lieder­abenden unter­schied­lichster Couleur. Der Erfolg war für den Einstand respek­tabel. Aller­dings musste eine Veran­staltung abgesagt werden, weil eine Pianistin erkrankte. Als Folge­termin konnte eben erst der 18. November festgelegt werden. Mit der Konse­quenz, dass die Pianistin abermals erkrankte. Jetzt aller­dings wurde ein Ersatz gefunden, und so kann der letzte Abend des Bonner Lieds­ommers ordnungs­gemäß im November statt­finden. Dass das Wetter, zumindest, was die Sonnen­ein­strahlung angeht, mitspielt, versteht sich da fast von selbst.

Der Veran­stal­tungsort ist gut gewählt und beein­dru­ckend. Was sich da die Evange­lische Kirche für einen Luxus in Bad Godesberg leistet, erlebt man sicher nicht alle Tage. Das Evange­lische Gemein­dehaus in der Kronprin­zen­straße mit seinem histo­ri­schen Gemein­desaal geht schon weit über die Vorstel­lungen eines evange­li­schen Veran­stal­tungs­ortes hinaus, fügt sich aber gut in die Umgebung ein. Schön, dass die Kirche für den Erhalt solch kostbarer histo­ri­scher Gebäude sorgt. Der Saal ist eine Mischung aus vergan­genen Zeiten und moderner Technik. Eine Bühne am Kopfende eröffnet vielfältige Möglich­keiten für die Nutzung. An diesem Abend steht sie aller­dings bis auf einen Stuhl und einen Blumen­strauß leer. Davor ist ein Flügel aufgebaut. Und damit sind auch schon alle Zutaten für einen heraus­ra­genden Lieder­abend gegeben. Die denkbar einfache Licht­technik auf der Bühne greift hier nicht, also muss auf irgend­welche Licht­ef­fekte verzichtet werden. Grell ergießt sich das Saallicht über die Akteure. Ein Wermuts­tropfen. Aber es bleibt der einzige an diesem Abend.

Fabian Hemmelmann hat ein Liedpro­gramm zusam­men­ge­stellt, das es in sich hat. Die Idee ist so einfach wie gut. Unter dem Titel All the World’s a Stage – also Alle Welt ist eine Bühne, sprich: Das Leben ist das eigent­liche Theater – sammelte er Lieder, die zum in der Rückschau seltsamen Leben von William Shake­speare passen. Ein Sprecher sollte die Verbindung zu diesem Leben herstellen. „Ich habe die Form eines Fünfakters gewählt, in den einge­bettet die Songs von Figuren des Stückes gesungen wurden. In jedem Akt widmen wir uns einem Haupt­thema der Komödien und Tragödien: Angst und Zorn, Todesleid, Hexen- und Zauberspuk, komischer Übermut und Liebes­sehn­sucht“, erklärt der Kurator. Heraus­ge­kommen ist dabei eine wunderbare Mischung von Liedern, die Texten aus der Lebenswelt Shake­speares gegen­über­ge­stellt werden.

Martin Lindsay – Foto © O‑Ton

Ob das so gut funktio­niert hätte, wenn Hemmelmann nicht über das Personal dieses Abends hätte verfügen können, darf bezweifelt werden. Für die erkrankte Pianistin ist Jürgen Glauss einge­sprungen, der ob seiner Erfahrung eine tadellose Liedbe­gleitung ermög­licht. Man möchte ihn zweifelsohne auf dem Niveau eines Helmut Deutsch einordnen. Mit der gleichen Noncha­lance bleibt er im Hinter­grund, um den Sänger zu fördern. Ohne auch nur einen Moment auf die feinen Nuancen des Klavier­spiels zu verzichten. Nach diesem Abend hätte man sich überhaupt keinen anderen Liedbe­gleiter gewünscht.

Ohne Hadern hat er die Lieder von Hanns Eisler, Wolfgang Fortner, Igor Strawinsky, Roger Quilter, Korngold, Finzi, Reimann und vielen anderen im Griff und bietet damit seinem Partner eine ideale Grundlage. Martin Lindsay erweist sich dabei als Goldschatz. Der Sänger ist längst über jede Kritik erhaben. Anstatt sich an Noten­blättern festzu­klammern, intoniert er gefühlvoll, mitunter mit atembe­rau­benden Piani oder auch scharfen Ausbrüchen – beides beherrscht er scheinbar spiele­risch – nahezu immer freihändig die Lieder, die ihm ins Heft geschrieben wurden. Dabei hat er noch Zeit, sich frei zwischen Klavier und Bühne zu bewegen. Dass er mitunter etwas dekla­ma­to­risch daher­kommt, nimmt man ihm ohne zu murren, ja, mit Bewun­derung ab. Dass er vor fast leerem Haus spielt, merkt man ihm in keiner Sekunde an.

Ähnlich profes­sionell trägt Andreas Durban seine Texte vor, die die Verbindung zu William Shake­speare herstellen. Er entführt die Zuschauer in die Zeit Shake­speares mit Schil­de­rungen der Lebens­um­stände jener Zeit, führt in die Philo­sophie des Dichters, aber auch in den Genius des Poeten ein. Unter­lässt dabei auch die Derbheit des Autors nicht, bewegt sich frei und engagiert im Textvortrag und sorgt damit für Engagement des Publikums.

Mit dem Abend setzt der Bonner Lieds­ommer ein wahres Glanz­licht am Ende einer langen Spielzeit, die man gerne mitver­folgt hat. Die Zeichen stehen – unabhängig von der überra­genden Qualität dieses Abends – gut, dass auch die Finan­zierung eines Lieds­ommers im kommenden Jahr gesichert werden kann. Sabine Krasemann, Künst­le­rische Leiterin des Festivals, schaut in eine positive Zukunft – und fährt jetzt zum erstem Mal nach sieben Jahren in einen Urlaub. Und wie sich das gehört, wird sie sich während­dessen Gedanken darüber machen, wie man das hochan­ge­setzte Niveau dieses Jahres fortsetzen kann. Eine schwierige Aufgabe.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: