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Als 2016 bei den Bregenzer Festspielen die gänzlich unbekannte Oper Amleto des gänzlich unbekannten Komponisten Franco Faccio angesetzt wurde, war das Erstaunen über Werk, Musik und Inszenierung groß. Kritik und Publikum waren sich einig, ein vergessenes Meisterstück erlebt zu haben. Insofern ist es ein Clou des Theaters Chemnitz, sich diese Aufführung gesichert zu haben und die italienischsprachige Hamlet-Vertonung erstmals in Deutschland zu präsentieren. Wobei solche Rarität in Chemnitz keine Seltenheit ist – das Theater war schon früher bekannt für seinen Entdeckergeist und ist auch in der aktuellen Spielzeit ausgesprochen experimentierfreudig: Peter Lund wird hier sein neues Musical Drachenherz uraufführen, und am Ende der Saison gibt es die vergessene Operette Der Teufel auf Erden von Franz von Suppé.
Franco Faccio, 1840 geboren, gehört zu jenen italienischen Komponisten, die im Schatten der Übergröße Verdis standen. Für seine zweite und gleichzeitig letzte Oper Amleto nahm er sich keinen geringeren als Shakespeares Hamlet vor. Doch die Vertonung, für die Arrigo Boito das stringente Libretto einrichtete, erlebte nach der Uraufführung 1865 in Genua nur noch eine weitere Inszenierung an der Mailänder Scala. Die fiel durch, hauptsächlich wohl wegen des indisponierten Tenors, woraufhin Faccio das Komponieren aufgab. Stattdessen konzentrierte er sich aufs Dirigieren und leitete solch wichtige italienische Premieren wie Wagners Meistersinger von Nürnberg, Verdis Aida und auch die Uraufführung von dessen Otello.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Amleto ist eine Oper der großen Ensembles und Chöre, vor allem aber eine der dunklen Farben. Schwerblütige Ariosi statt strahlender Arien, bassgewaltige Geisterauftritte von Hamlets Vater und ein pompöser Trauermarsch markieren die tragische Grundstimmung. Auch das flott beginnende Trinklied des Brudermörders Claudius schlägt in Düsternis um. Umso stärker hebt sich die Partie der Ophelia davon ab. Sie ist die Lichtgestalt des Werkes, und sie ist es auch in der Chemnitzer Aufführung. Guibee Yang singt sie bis in die aufblühenden Höhen hinauf rein und zart, kulminierend in der herzergreifend gestalteten Wahnsinnszene. Katerina Hebelkova als Königin ist von ganz anderem Kaliber und stattet die erst hochmütige, dann von Gewissensbissen gepeinigte Regentin mit Furor und flammendem Mezzosopran aus. Ihr schurkischer Ehemann in Gestalt von Pierre-Yves Pruvot steht ihr vokal nicht nach und trumpft mit erzenem Bassbariton auf. Nur Gustavo Peña, der einzige Gast im Ensemble, bleibt als Hamlet mit robustem Tenor eindimensional. Die Melancholie, die die Figur auch ausmacht, findet keine stimmliche Entsprechung.

Aus dem Orchestergraben erklingt Faccios Musikdrama mit Vehemenz. Gerrit Prießnitz dirigiert die Robert-Schumann-Philharmonie und den von Stefan Bilz famos präparierten Chor mit großer Geste und bisweilen dynamisch ungezügelter Leidenschaft.
Olivier Tambosis Inszenierung jongliert virtuos zwischen historischem Bilderbogen und packendem Familiendrama und lässt dabei immer wieder durchschimmern, dass es sich auch um Theater im Theater handelt. Im hochästhetischen Einheitsbühnenbild von Frank Philipp Schlößmann und unterstützt durch die prächtigen Renaissancekostüme von Gesine Völlm entfaltet sie eine unwiderstehliche Bilderkraft. Die Auftritte von Hamlets Vater, der in gleißendem Licht erscheint, stellen einen suggestiven Höhepunkt dar.
In Bregenz gab es nur drei Aufführungen, Chemnitz hingegen zeigt das Stück in dieser Spielzeit insgesamt acht Mal. Die gut besuchte Nachmittagsvorstellung, die zweite der Serie, endet mit anhaltendem Beifall und vielen Bravos für alle Mitwirkenden. Kein Opernfan sollte sich diesen Amleto entgehen lassen.
Karin Coper