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Foto © Bernd

Wenn der Mob tobt …

PETER GRIMES
(Benjamin Britten)

Besuch am
28. November 2018
(Premiere am 25. November 2018)

 

Oper Köln, Staatenhaus Deutz

Dass es Benjamin Brittens Oper Peter Grimes als eine der ganz wenigen Opern des fortge­schrit­tenen 20. Jahrhun­derts zu Reper­toire-Ehren geschafft hat, ist kein Zufall. Die Geschichte um den innerlich zerris­senen Fischer Grimes in einer bigotten, selbst­ge­rechten Dorfge­mein­schaft setzte Britten so packend in tonale, gleichwohl niemals anachro­nis­tisch anmutende Töne um, dass gute Auffüh­rungen nach wie vor gewaltige Eindrücke hinter­lassen können.

Foto © Bernd
Uhlig

Dazu gehört mit Sicherheit die Kölner Neupro­duktion, die sowohl szenisch als auch musika­lisch zu den besten Beiträgen der letzten Jahre zu zählen ist. Regisseur Frederic Wake-Walker ist in dem Fischerdorf Aldebourgh aufge­wachsen, aus dem der Dichter George Crabbe stammt, auf den das Libretto zurückgeht, und in dem Benjamin Britten den größten Teil seines Lebens verbracht hat. Dennoch verzichtet der Regisseur, sich zu stark an diesem mit dem Werk so eng verbun­denen Dorfsze­nario zu orien­tieren. Bühnen- und Kostüm­bild­nerin Anna Jones lässt auf der oft leeren oder nur spärlich bestückten Bühne den Chören große Freiräume und begnügt sich mit den Umrissen einer schon arg verfal­lenen Metho­dis­ten­kirche. Die Bänke werden geschickt genutzt, um die Szene in eine Schänke oder in die Wohnstube des Titel­helden zu verwandeln. Am Ende, wenn sich der verzwei­felte Grimes im Meer versenkt, steigt er in eine blau ausge­leuchtete Kellerluke wie in eine bizarre Gruft hinab. Beäugt von den Dorfbe­wohnern, die mit ihren einheitlich weißen Masken jede indivi­duelle, sprich christ­liche Regung verloren zu haben scheinen und zu einem Mob der Gewalt zusam­men­ge­schmolzen sind. Ein mit knappen, aber präzisen Mitteln ausge­rich­tetes Szenario, dem die außer­ge­wöhnlich genaue Charak­te­ri­sierung der vielen Figuren entspricht. Grimes, der ehrgeizige Fischer, in dessen hartem Dienst zwei Jungen ums Leben kommen, zeichnet Wake-Walker als Täter und Opfer zugleich, wobei die von der Dorfge­mein­schaft ausge­hende Gewalt noch drasti­scher zum Ausdruck kommt als die des Außen­seiters. Selten geht von der vorbild­lichen Chorführung eine solch dynamische Energie aus wie in dieser Produktion. Zu Beginn präsen­tieren sich alle Dorfbe­wohner als geschlossene Kirchen­ge­meinde in einem kaum ausein­an­der­zu­hal­tenden Pulk, aus dem sich allmählich die einzelnen Figuren lösen. Eine Gemeinde, die sich gegen den Außen­seiter Grimes abzugrenzen scheint. In der Schänke legt der Regisseur die Profile der Figuren bloß, wobei die Bigot­terie in den Mittel­punkt gestellt wird, die im Verlauf des Stücks in brutale Gewalt gegen den ungeliebten Fischer umschlägt. Fackelzüge bedrohen Grimes mit einer Inten­sität, die unter die Haut geht.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Eine rundum packende Insze­nierung auf der Höhe der musika­li­schen Umsetzung durch den jungen Dirigenten Nicholas Collon, der die farbige, herb getönte Partitur in allen Schat­tie­rungen zum Klingen bringt und dabei die drama­ti­schen Höhepunkte ebenso sicher trifft wie die inneren Konflikte der Figuren. Dabei erweist er sich als so sänger­freundlich, dass niemand vom Orchester überrollt wird. Marco Jentzsch in der Titel­rolle vermag mit seinem kernge­sunden Tenor jede Stimmungs­nuance sicher und tonschön auszu­drücken. Ivana Rusko als einfühlsame Ellen Orford steht ihm in nichts nach. Wie auch Robert Bork als Balstrode und das gesamte vielköpfige Ensemble. Der heimliche Star der Produktion ist jedoch der groß besetzte und verstärkte Chor der Kölner Oper, der nicht nur gestal­te­risch über sich hinaus­wächst, sondern auch die vielen Tücken der äußerst komplexen Chorpartie souverän meistert. Besser geht es kaum.

Entspre­chend begeistert fällt der Beifall des Publikums aus. Schade, dass bis zum 8. Dezember nur noch vier Auffüh­rungen angesetzt sind.

Pedro Obiera

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