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Bilder ähnlich der Aufführung - Foto © Meyer Originals

Vom Scheitern und Aufbäumen

FLAW/​MAKEL/​AUFBÄUMEN
(Emily Welther, Barbara Bess)

Besuch am
6. Dezember 2018
(Premiere)

 

Tanz-Tausch-Festival, Alte Feuer­wache, Köln

2011 wurde das „tanz.tausch – tanz und perfor­mance festival“ in Köln gegründet, findet also heuer vom 4. bis 9. Dezember zum siebten Mal statt. Die Idee von Mechtild Tellmann und Alexandra Schmidt ist, an Doppel­abenden Auffüh­rungen des zeitge­nös­si­schen Tanzes in ihren unter­schied­lichen Stilis­tiken und Thema­tiken einander gegen­über­zu­stellen. Anschließend gibt es für die Besucher die Möglichkeit, sich über das Gezeigte auszu­tau­schen und mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen. Zusätzlich gibt es einen „Paten“, der zu Beginn des Abends erläutert, was ihm die Auffüh­rungen bedeuten. In der Praxis zeigt sich: Eine nette Idee, die keiner braucht.

An diesem Abend stehen zwei Produk­tionen auf dem Programm, die wenig Gemein­sam­keiten haben, sieht man davon ab, dass sie mit Live-Musik und in gleicher Perso­nal­stärke antreten. Den Anfang macht das Stück Flaw/​Makel von Emily Welther. Es handelt vom Scheitern. Zunächst einmal scheitert das Licht von Wolfgang Pütz. Silhou­etten-Tanz, zumal über lange Strecken, ist keine origi­nelle Idee, sondern langweilig. Und wenn die Schluss­szene, in der Welther sich mit bunter Kreide bemalt, sich im fast vollstän­digen Dunkel vollzieht, kann man genauso gut so lange den Saal verlassen. Dabei hätten die Tänze­rinnen Ronja Nadler und Emily Welther als Fluke Dance Company durchaus mehr Licht verdient. Mögli­cher­weise wäre dann ihre Intention sehr viel deutlicher geworden und hätte sich nicht auf einzelne Kapriolen wie das Fallen­lassen der Partnerin aus Hüfthöhe beschränkt. So bleibt die Tanzdar­bietung in Jeans und T‑Shirt eher schwach. Die Musik des Tardigrad-Duos rettet. Giuseppe Mautone sitzt am Schlagzeug und treibt die Rhythmen voran; weitaus eindrück­licher bleiben aller­dings die Leistungen von Daniel Brandl an Cello, Loop und Computer im Gedächtnis. Mit zahlreichen Effekten gelingt durchaus eine Musik, die aus dem Durch­schnitt oder der reinen Tanzun­ter­stützung herausragt.

Tardigrad-Duo – Foto © Meyer Originals

Ganz eigene Wege geht die Musik von aufbäumen _​ eine perfor­mative Instal­lation. Hier sitzt Lars Fischer am Mischpult und schafft eine ungewöhn­liche Klangwelt. Unter­stützt wird er dabei von Eva Euwe an zwei Kontra­bässen. Insgesamt scheint die Choreo­grafie sehr viel aufwän­diger als zu Beginn des Abends. Mano Dürr hat sich mit der Bühne richtig viel Mühe gegeben. Im Hinter­grund steht eine Vitrine auf einem Podest, in die die Tänze­rinnen zu Beginn Holzstücke schmeißen. Links davon hängen eine Menge Schals von der Decke herab. In der Bühnen­mitte ist ein Holzstück an die Decke gehängt. Vor den Schals hat Fischer seinen Arbeits­platz. Davor liegt zu Beginn Euwe neben einem Kontrabass und gibt erste, verfremdete Töne von sich. Später wird sie auch den zweiten Kontrabass, der am rechten Bühnenrand abgelegt ist, in ihr Spiel einbeziehen.

Barbara Bess versucht eine Analogie zwischen Baum und Körper. Dementspre­chend sind einzelne Baumteile auch auf der Bühne verteilt. Im Duo mit Francesca Imoda versucht Bess, beide atmen zu lassen. Ständig werden die in luftige Seide geklei­deten Körper in Bezug zu den Waldbe­stand­teilen gesetzt. Auch hier ergibt sich mehr Stückwerk als eine Aufführung aus einem Guss. Suchen die beiden Tänze­rinnen zu Beginn noch ihre Beziehung zu den Holzstücken, verschwinden sie während eines musika­li­schen Solos von Euwe am Kontrabass hinter den Schals. Im dritten Teil ihrer Aufführung versagt das Licht vollends. Während auf den Schals und den Körpern, die daraus inter­mit­tierend hervor­treten, Texte, Wald- und Landschafts­bilder proji­ziert werden, bleibt von den Tänze­rinnen kaum mehr etwas erkennbar.

Der zeitge­nös­sische Tanz, insbe­sondere, wie er an diesem Abend gezeigt wird, verzichtet bewusst darauf, Erwar­tungs­hal­tungen wie Unter­haltung, Botschaft, Poesie oder Tiefgang zu bedienen. Vielmehr steht der eigene Ausdruck im Vorder­grund. Das ist in Ordnung. Dann ist es aber auch in Ordnung, dass der Zuschauer für sich entscheidet, solche Vorstel­lungen nicht mehr zu besuchen. An diesem Abend gilt der altbe­kannte Satz aus Zeugnissen: Sie waren sehr bemüht.

Dementspre­chend fällt der Applaus kurz und bündig aus. Das Scheitern fand in Dunkelheit statt, das Aufbäumen war kurz wie das Aufschäumen der Kohlen­säure beim Einschenken eines Glases Wasser. Belebend mögen die Kontraste des Abends sein, vielleicht sogar die Musik, die zwischen­zeitlich die Überhand gewinnt. Der Rest hat den Künstlern gefallen.

Michael S. Zerban

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