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Musikalische Momente von subtiler Schönheit

LA BOHÈME
(Giacomo Puccini)

Besuch am
21. Dezember 2018
(Premiere)

 

Stadt­theater Klagenfurt

Es sind berückend schöne, subtilste Stimmungen in feinsten Piani, die da aus dem Graben ebenso wie aufblü­hende Kanti­lenen, leuch­tende Farben und intensive Emotionen erklingen: Giacomo Puccinis eingängige, herrliche Melodien aus La Bohème faszi­nieren im Kärntner Sinfo­nie­or­chester am Stadt­theater Klagenfurt. Es ist einmal mehr Lorenzo Viotti, der in Klagenfurt schon in den letzten beiden Jahren bei Bizets Carmen wie auch bei Massenets Werther begeis­terte, längst inter­na­tional Karriere macht und demnächst Chefdi­rigent in Lissabon wird, zu verdanken, dass er die Musiker zu Höchst­lei­tungen ansta­chelt. Der Dirigent reizt auch die Tempi extrem aus, nimmt sich einer­seits viel Zeit und lässt die Phrasen ausschwingen. Drückt dann aber auch ordentlich aufs Gaspedal. Er setzt bei dieser, einer der meist­ge­spielten Opern der Welt auf viele markante Akzente und erzeugt dadurch insgesamt viel Spannung. Und er begleitet das jüngere Sänger­ensemble wunderbar, ohne es zuzudecken.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Und das dankt es ihm mit purem Schön­gesang:  Ergreifend und innig ist die Mimì der Kiandra Howarth zu hören. Matteo Desole, den man schon im Winter vergan­genen Jahres in Erl bei den Tiroler Festspielen in dieser Rolle bewundern konnte, ist auch hier als Rodolfo mit schmel­zendem, höhen­si­cherem Tenor zu hören, der manchmal seine Lautstärke etwas zügeln könnte. Bryony Dwyer ist eine Musetta in zu dunklem Outfit, die viele Fassetten der Figur heraus­streicht und im dritten Bild etwas zu vulgär gezeichnet ist. Kernig, präsent, manchmal etwas knorrig erlebt man Andrzej Filonczyk als Marcello. Gurgen Baveyan hält sich als idealer Schaunard ein Mädchen des horizon­talen Gewerbes als Freundin. Riccardo Fassi ist ein sehr kulti­vierter Colline mit profundem Bass, dem die Mantelarie trefflich gelingt. Auch der Kinderchor der Singaka­demie Carinthia und der Chor des Stadt­theaters Klagenfurt, dessen Einstu­dierung in bewährter Weise Günter Wallner besorgte, singen und spielen wunderbar und werden von vier Tänzern, deren Choreo­grafie Lukas Zuschlag kreierte, unterstützt.

Foto © Karlheinz Fessl

„Mimì, Mimì“: Rasend stürmt Rodolfo die kleine Leiter aufs Dach des Hauses hinauf und schreit dort herzzer­reißend seinen Schmerz über den soeben reali­sierten Tod seiner Geliebten in die Welt hinaus. Es ist ein sehr zu Herzen gehendes Finale, dass Florian Scholz bei seiner ersten Opern­regie da einge­fallen ist. Sonst erzählt der Intendant die Geschichte vom ergrei­fenden Leben und Sterben der Mimì konven­tionell, klar, detail­reich, etwas zu wenig feinsinnig und immer hart am Libretto. Aus dem ersten, wichtigen und symbol­haften Geschenk, einem Häubchen von Rodolfo an Mimì macht er aller­dings ein Parfüm. Er verlegt die Geschichte in die 1960-er Jahre, um so die Zeitlo­sigkeit des Themas zu zeigen. In Kostümen, die Axl Aust erdacht hat, und Bühnen­bildern, die von Etienne Pluss stammen, dieser Zeit, von schäbigen, kleinen Zimmern einer sehr schmalen Mansarde, einem auf den Dach eines Hauses befind­lichen Café Momus, dem aller­dings ein Schuss mehr Vitalität gut getan hätte und wo Weihnachten komplett ausge­spart wird, und einer grauen Wellblechwand als Kneipe lässt er auch den Witz nicht zu kurz kommen.

Das Publikum reagiert völlig begeistert und spendet immer wieder Zwischen­ap­plaus und zum Schluss stehende Ovationen​.sd

Helmut Christian Mayer

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