O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Bilder ähnlich der besuchten Aufführung - Foto © Hans Jörg Michel

Verführung am Fließband

DON GIOVANNI
(Wolfgang Amadeus Mozart)

Besuch am
21. Dezember 2018
(Premiere am 22. Juni 2012)

 

Deutsche Oper am Rhein, Oper Düsseldorf

Die Deutsche Oper am Rhein pflegt ein beacht­liches Reper­toire an Opern. Doch was für jeden guten Haushalt gilt, sollte sich auch der Opern­be­trieb zu Herzen nehmen. Ausmisten ist sinnvoll. Seit 2012 ist Karoline Grubers Insze­nierung von Don Giovanni am Rhein zu sehen. Es mag vielleicht auch an der Wieder­ein­stu­dierung von Esther Marthel liegen, oder daran, dass alle Betei­ligten schon gedanklich in den Weihnachts­ferien sind, aber insgesamt kommt das Gefühl auf, dass diese Reper­toire­arbeit ihren Zenit schon überschritten hat. Der Grund­ge­danke ist ja recht passend. Wie beim Musical The Rocky Horror Picture Show sucht ein junges Paar – Zerlina und Masetto – während eines Unwetters Schutz in einem Schloss. Hier trägt aller­dings niemand Strapse, nur Donna Elvira darf ihre halter­losen Strümpfe keck und auffallend oft zeigen. Muss auch nicht immer Sinn machen. Mechthild Seipels Kostüme sind bei Damen durchweg schön, bei den Herren eher fade.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Während Leporello das junge Paar recht unhöflich bedient, sieht man im Hinter­grund von Roy Spahns verschach­teltem Bühnenbild, wie Don Giovanni von einem Zimmer ins andere eilt. Soll wohl Verführung darstellen, wirkt aber wie der Klempner, der jedes Badezimmer kurz begut­achtet und dann weiter eilt. So maschinell die Verführung hier darge­stellt wird, so wird mit der gleichen Routine auch die ganze Aufführung abgefertigt. Man bemüht sich von Szene zu Szene. Das gibt einer Insze­nierung, die sich ideen­reich gibt, aber vor allem viele Frage­zeichen hinter­lässt, den Todesstoß. Zerlina und Masetto dürfen übrigens Zeugen sein, wie Don Giovanni den Komtur ersticht. Hätten sie ja Don Ottavio ein bisschen schneller sagen können, dann wäre der Abend etwas früher zu Ende gewesen.

Foto © Hans Jörg Michel

Anderer­seits hätte man so verpasst, wie die großartige Olesya Golovenva ihrem Verlobten Lügen auftischt. Anfangs wirkt die Sopra­nistin hektisch, ihre Stimme unruhig. Spätestens mit Don Ottavio, son morta findet sie ihre innere Ruhe wieder und ihre Stimme strahlt fortan nach außen wie ein Diamant. Auch die Arie im zweiten Akt gestaltet sie mit unglaub­licher Sicherheit. An diese Leistung kommt nur Luiza Fatyol heran, die mit großem stimm­lichem Aplomb die Donna Elvira ausstattet. Dass an nächster Stelle schon der bedroh­liche Komtur von Sami Luttinen genannt werden muss, spricht nicht für den Rest der Besetzung. Zwei Sänger möchte man ein bisschen von der Kritik ausnehmen, weil sie wohl recht kurzfristig in den Abend einge­bunden wurden. Trotzdem kommt man nicht umhin zu sagen, dass Joshua Owen Mills als Don Ottavio mit einem schönen Material aufwarten kann, aber leider nicht mit raumgrei­fender Stimme oder techni­scher Sicherheit. Laimonas Pauti­enius hingegen hat natürlich die virile Energie eines Don Giovanni, sowohl in seinem Bariton als auch in seinen sport­lichen Einlagen. Dennoch schafft er es an diesem Abend nicht, dieser Figur den Grad an Überzeu­gungs­kraft zu geben, die ein Don Giovanni letzt­endlich braucht.

Elena Sancho-Pereg gibt der Zerlina immerhin sehr schöne Phrasen, kann aber der Figur kaum nennens­werte Facetten, Ecken oder Kanten verleihen.  Benjamin Pop bleibt als Masetto blass. Noch schlimmer steht es um Torben Jürgens als Leporello, der zwar durchweg engagiert spielt, aber nur verständlich ist, wenn er recht nahe am Orches­ter­graben positio­niert ist.

An den Düssel­dorfer Sympho­nikern unter der Leitung von Antonio Fogliani kann das kaum liegen. Sie spielen recht sänger­freundlich, aller­dings traut man auch den Instru­menten viel mehr Feuer zu, als sie an diesem Abend wirklich entfachen. Dazu kommen viele Unsau­ber­keiten und noch mehr Wackler. Der Dirigent gibt es irgendwann auf, alle Fehlein­sätze zu korri­gieren und einzufangen.

Der Abend endet mit einem gelang­weilt-höflichen Applaus des Publikums, das schnell durch­blicken lässt, dass es Zeit ist, nach Hause zu gehen. Für die Deutsche Oper am Rhein wird es nun Zeit, diesen Don Giovanni endgültig in der Hölle zu lassen.

Christoph Broermann

Teilen Sie O-Ton mit anderen: