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Foto © O-Ton

Der Rausch des Leichten

SILVESTER-GALA
(Oper Leipzig)

Besuch am
31. Dezember 2018
(Einmalige Aufführung)

 

Oper Leipzig

Der Konzert­ka­lender am Silves­tertag in Leipzig ist voll und gedrängt. Während in der Musika­li­schen Komödie der Oper Leipzig eine Doppel­vor­stellung von Gerd Natsch­inskis populärem Musical Mein Freund Bunbury läuft, heißt es am Augus­tus­platz, sich etwas sputen. Im Gewandhaus erklingt um 17 Uhr Beethovens 9. Sinfonie d‑Moll op. 125, in diesem Jahr in Erinnerung an die vor genau 100 Jahren durch Arthur Nikisch begründete Auffüh­rungs­tra­dition der 9. Sinfonie zu Silvester in Leipzig mit dem Gewand­haus­or­chester unter der Leitung von Andris Nelsons. Und dann bleibt dem Orchester, sicher in zum Großteil alter­nie­render Besetzung, und dem geneigten Publikum gerade mal eine halbe Stunde Zeit, um schnell auf die andere Seite des Augus­tus­platzes zu gelangen, wo um 19 Uhr auch schon seit einigen Jahren tradi­tionell die Silves­tergala der Oper Leipzig auf dem Programm steht, natürlich vor ausver­kauftem Haus.

Dieses Gala-Konzert zum Jahres­wechsel ist mittler­weile eine feste Größe im Leipziger Veranstaltungs­kalender. Mit dem Gewand­haus­or­chester unter der Leitung von Inten­danten und General­mu­sik­di­rektor Ulf Schirmer, Chor und Solisten der Oper Leipzig sowie dem Leipziger Ballett kann man an einem Abend erleben, was dieses Haus auszeichnet: Tradition, Qualität und Vielfalt. Quasi Oper Leipzig „at its best“. Präsen­tiert wird ein buntes Showpro­gramm, in dem große Oper auf leichte Muse, klassi­sches Ballett auf modernen Tanz, süffige Operet­ten­klänge auf swingende Musical­songs treffen. Schon vor dem Konzert laden Angehörige der Oper Leipzig in farben­präch­tigen Opern­kos­tümen die Gäste ein, sich mit ihnen fotogra­fieren zu lassen, und es gibt für jeden Gast vor der Gala ein Glas Sekt auf Kosten des Hauses. Hier tut die Oper Leipzig einiges, um das Publikum schon vor Konzert­beginn in Laune zu bringen. Und die steigt dann zu Konzert­beginn sehr schnell. Mit der Ouvertüre zu Johann Strauß klassi­scher Silves­ter­ope­rette Die Fledermaus leiten Schirmer und das Gewand­haus­or­chester Leipzig mit einem furiosen Auftakt eine beschwingte und unter­haltsame Gala ein.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Sandra Maxheimer lädt als Prinz Orlowski mit warmem Mezzo­sopran das ganze Publikum zu einem Ball ein, während Jonathan Michie in der Bariton­pa­ra­dearie von Gioac­chino Rossinis Il barbiere di Siviglia alle Facetten seines sänge­ri­schen und spiele­ri­schen Könnens zeigen darf. Das Ballett der Oper Leipzig zeigt mit dem Blumen­walzer aus Tschai­kowskis Nussknacker einen der vielleicht populärsten Tänze des klassi­schen Balletts. Besondere Note verleiht der gesteppte Solotanz dieser Choreo­grafie. Dann kommt die große Oper und ein erstes großes Highlight dieser Gala. Tenor Gaston Rivero, vor sechs Jahren an der Oper Leipzig mit einem fulmi­nanten Debüt als Cavara­dossi in Puccinis Tosca, hat es nun an die New Yorker Metro­po­litan Opera geschafft, bleibt aber der Leipziger Oper verbunden wie zuletzt Ende September bei seinem Debüt als Dick Johnson in Puccinis La fanciulla del west. Und es ist auch an diesem Abend Puccini, nämlich die italie­nische Tenorarie schlechthin, Nessun dorma aus Turandot, mit dem Rivero mit warmem, barito­nalem Timbre und leuch­tender und kraft­voller Höhe das dreifache Vincerò! am Schluss dem Publikum entgegen schmettert und es zu wahren Begeis­te­rungs­stürmen führt.

Große Oper muss nicht immer ernst sein, das zeigt die als Parodie auf eine Opern­szene bekannt gewordene Nummer Insalata Italiana op. 68 von Richard Genée, darge­stellt als Chorprobe mit Solis­ten­ver­stärkung, herrlich komisch und von durchaus hohem Schwie­rig­keitsgrad. Chorleiter Thomas Eitler-de Lint führt hier ein strenges Regiment. Nach dem Chor darf auch das Leipziger Ballett seine Vielfalt zum Besten geben. Zum Scherzo des dritten Satzes von Beethovens Sinfonie Nr. 3 Eroica zeigt das Ballett mit Geschöpfe eine ausdrucks­starke und körper­be­tonte Choreo­grafie von Leipzigs Ballettchef Mario Schröder. Dann wird es ganz roman­tisch und beseelt. Einge­leitet mit einem wunder­baren Violinsolo von Yun-Jin Cho, stell­ver­tre­tende Erste Konzert­meis­terin des Gewand­haus­or­chesters, lassen Magdalena Hinterd­obler und Jonathan Michie ihre Lippen schweigen, bevor das gesamte Ensemble auf der Bühne Im Feuer­strom der Reben aus der Fledermaus zu einer sekthal­tigen Pause bitten.

Foto © O‑Ton

War der erste Teil musika­lisch ganz klassisch, wird es im zweiten Teil des Abends moderner, frivoler und lockerer, es dominieren Melodien des 20. Jahrhun­derts. Und einen großen Anteil am Erfolg der Gala hat der Confé­rencier des Abends, Cusch Jung. Der Chefre­gisseur der Musika­li­schen Komödie der Oper Leipzig zeigt an diesem Abend ein großes Reper­toire seines Könnens. Nicht nur charmant moderieren, auch Singen, Tanzen und Slapstick gehören zu seinen Attitüden. Mit einer neuen textlichen Inter­pre­tation von Friedrich Hollaenders Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe einge­stellt, am Flügel begleitet von Ulf Schirmer, eröffnet Jung als „blauer Engel“ den zweiten Teil der Gala. Nach der herrlich komisch betrunken torkelnden Ballett­einlage Les mâles paumés verkündet Magdalena Hinterd­obler in großer Abendrobe und etwas sehr pathe­tisch Du sollst der Kaiser meiner Seele sein von Robert Stolz. Jerry Bocks Musical Anatevka darf auf keinem Spielplan eines großen Hauses fehlen, und Randall Jakobsh als Milchmann Tevje mit Milch­karren und alten Kannen träumt davon, „einmal reich zu sein“.

Mit dem Walzer aus Aram Chatscha­turjans Masquerade läuten Schirmer und das Gewand­haus­or­chester ein furioses Finale ein. Cusch Jung lässt Kurt Weills Song über eine Vielzahl russi­scher Kompo­nisten dreimal in Folge erklingen, und jedes Mal zieht Schirmer das Tempo an. Jung schafft es tatsächlich, ohne sich einen Knoten in die Zunge zu wickeln und diesen Zungen­brecher, sehr zum Vergnügen des Publikums, bis zur Erschöpfung zu präsen­tieren. Eine Jubelarie des Publikums ist ihm dafür sicher. Noch einmal klassi­sches Ballett, noch einmal Nussknacker, diesmal der Russische Tanz, bevor es wieder große Gala wird. Rivero gibt mit dem neapo­li­ta­ni­schen Volkslied Tiritomba eine weitere großartige musika­lische Visiten­karte ab. Von Neapel geht es musika­lisch über den großen Teich nach New York. Michie mit Bert Kaemp­ferts Strangers in the Night macht hier old blue eye Frank Sinatra Konkurrenz. Und Cusch Jung singt, swingt und steppt mit einem Regen­schirm Singin‘ in the rain, bevor Schirmer das Publikum zum Mitklat­schen beim finalen Radetzky-Marsch animiert.

Und natürlich darf der Abend nicht ohne Zugabe enden. Mit dem passenden Schla­ger­titel Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da von Theo Mackeben aus dem Film Der Tanz auf dem Vulkan verab­schieden sich Cusch Jung, das Gewand­haus­or­chester der Oper Leipzig, Ulf Schirmer, Chor, Ballett und Solisten und entlassen ein berauschtes Publikum in die Silves­ter­nacht. Und wer noch nicht nach Hause gehen will, kann in den Räumlich­keiten der Oper Leipzig mit diversen Künstlern den Jahres­wechsel feiern. Damit hat die Oper Leipzig ein gutes und erfolg­reiches Jahr 2018 champa­gner­be­seelt abgeschlossen und macht Lust auf die Neuent­de­ckungen im neuen Jahr.

Andreas H. Hölscher

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