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Vor vier Jahren war Ailey II zum ersten Mal zu Gast im Forum Leverkusen. Und offenbar hat die New Yorker Tanz-Company bleibenden Eindruck hinterlassen. Denn anlässlich des zweiten Besuchs ist das Forum komplett ausverkauft. 1974 als Alvin Ailey Repertory Ensemble gegründet, entwickelte Alvin Ailey seine Vision weiter, eine kulturelle Gemeinschaft für jeden zugänglich zu machen. Er übergab Sylvia Waters die Leitung dieser Junior-Compagnie, die aus Ailey II in den folgenden Jahren eine der erfolgreichsten Tanz-Compagnien in Amerika entwickelte. 2012 zog sich Waters zurück und übergab die Leitung dieser Compagnie Troy Powell, der das Ensemble erfolgreich weiterentwickelte.
Während Compagnien in Deutschland darüber grübeln, wie sie das zeitgenössische Tanztheater zu neuer Größe führen können und das auch in ihren Aufführungen zum Ausdruck bringen, setzen ausländische Ensembles alles daran, das Publikum zu begeistern. Das Publikum hat längst entschieden, was es sehen will. Das muss ja nicht richtig sein, aber es rechnet sich. Und ein Haus wie das Forum Leverkusen begeht ständig den schweren Grat, das Gleichgewicht zwischen künstlerischem Anspruch und Unterhaltungswillen des Publikums zu finden. Einmal mehr ist das heute gelungen.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Tanz | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Choreografie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Mit Circular stellte Jae Man Joo 2016 eine Choreografie vor, die klassischen und zeitgenössischen Tanz bewusst mischte. Inzwischen preisgekrönt, lebt das Werk vor allem von der Spannung der Figuren, die immer ein wenig länger gehalten wird als eigentlich möglich. Da wird bei den jungen Tänzern manche Unsicherheit sichtbar, was aber nicht an den Tänzern, sondern an den hohen Anforderungen der Choreografie liegt. Eine Spur weniger hätte es auch getan. Das hätte auch die Gegenüberstellung der Musiken von Edison Denisov und Georg Friedrich Händel ermöglicht. Die Musik kommt an diesem Abend vollständig „vom Band“. Das geht in Ordnung, weil diese Vielfalt von einem Orchester nicht zu leisten wäre. Auch die grauen Kostüme bleiben etwas hinter den Erwartungen zurück. Aber das Licht! Da hat Rob Ross die Magie gepackt. Großartig. Und kaum zu beschreiben. Der Hintergrund scheint zu leuchten, Scheinwerfer werden nicht sichtbar, und doch erscheint der Tanzboden in mildem Licht, während die Tänzer messerscharf zu erkennen sind. Das ist eine Beleuchtung, die ihresgleichen sucht.

Das Konzept des Lichtdesigns setzt sich in den folgenden Stücken fort, auch wenn bei Road to One Lauren Parrish für das Ausleuchten zuständig ist. Darrell Grand Moultrie hat diese Choreografie 2017, von der hier ein Auszug zu sehen ist, entwickelt und ihr die Frage zugrunde gelegt, welches Erbe wir zurücklassen. Drei Tänzerinnen in den langen Kleidern, die Marc Eric Rodriguez erdacht hat, haben in acht Minuten Gelegenheit, ihre eigene Antwort zu finden, um schließlich in Solidarität weiterzugehen. Untermalt wird das unter anderem von Musik von Enzio Bosso, Oliver Davis und Spark. Dass die Musik von Spark es inzwischen bis Amerika geschafft hat, ist dabei ein erfreulicher Nebenaspekt.
Robert Battle gehört als Künstlerischer Berater inzwischen zu den Veteranen von Ailey II. 2001 begeisterte er mit seiner Choreografie The Hunt das Publikum. Battle verlässt das klassische Repertoire und schickt sechs Tänzer zur hämmernden Musik von Les Tambours du Bronx in Röcken auf die Bühne. Hier wird vom Tanz bis zur Artistik alles geboten, vor allem aber von muskelbepackten Männern, die ihre gestählten Körper gern zeigen – und gern auch mal ein bisschen tuntig. Das war vor zwei Jahrzehnten sicher gewichtiger als heute. Das Publikum hat vor allem Spaß an Rhythmus und Sixpacks.
Die richtig großen Bilder bleiben Breaking Point vorbehalten. Vorletztes Jahr hat Choreografin Renee I. McDonald sich intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, wie Menschen mit den existenziellen Fragen nach Liebe, Freundschaft, Vergebung oder einem heimlichen Verlangen umgehen. Zur Musik von Audiomachine, die einen Zusammenhang von Rhythmik, Emotion und Energie herstellt, begeben sich die Tänzer in den fantasievollen Kostümen von Taylor S. Barnett in Tableaux, die von Kraft und Überraschung strotzen. Die eingeschobenen Soli sind gefällig, erlauben aber im Grunde nur ein kurzes Luftholen vor dem nächsten Ensemble-Auftritt, der erneut das Publikum gefangen nimmt.
Nach rund zwei Stunden mit zahlreichen, immer wieder überflüssigen Zwischenapplausen darf sich das Publikum endlich von den Sitzen erheben, um Ailey II für einen insgesamt großartigen, ja, explosiven Abend zu danken, der einmal mehr das Forum Leverkusen in den Fokus aufregender Tanzereignisse rückt.
Michael S. Zerban