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Foto © Patrik Borecký

Eine Jazz-Oper lebt auf

JONNY SPIELT AUF
(Ernst Krenek)

Besuch am
24. Januar 2019
(Premiere)

 

Natio­nal­theater Prag

Aus heutiger Sicht ist es schwierig zu verstehen, wie Ernst Kreneks Oper Jonny spielt auf ein so großer Erfolg nach der Urauf­führung 1927 in Leipzig war.  Immerhin wurde die Oper des damals nur 27-jährigen Kompo­nisten von keinem gerin­geren als Alexander von Zemlinksky dirigiert. Das Stück wurde in 18 Sprachen übersetzt, 421 Mal in ganz Europa aufge­führt, sogar an der New Yorker Met im Januar 1929 gezeigt. Dann kamen aber die dunklen Wolken über Deutschland, und die Musik Kreneks wurde als „entartet“ einge­stuft – verboten, verschwunden.

Auf den heutigen Spiel­plänen kommt das Werk selten vor, da es thema­tisch und musika­lisch eher dem damaligen Zeitgeist entspricht: Eine musika­lische Komödie, eine Schlaf­zim­mer­farce mit Sozial­kom­men­taren, angetrieben von einer innova­tiven Mischung aus klassi­scher und zeitge­nös­si­scher Musik. Die Titel­figur ist ein in Paris lebender, afroame­ri­ka­ni­scher Jazzmu­siker, der eine wohlklin­gende Geige von dem eitlen Virtuoso Daniello stehlen will. Gelegenheit dazu findet Jonny, als Daniello die Opern­sän­gerin Anita verführt, die gerade in Paris in einer Oper von ihrem Freund, dem Kompo­nisten Max, auftritt, der wiederum Inspi­ration in der Einsamkeit der Schweizer Alpen sucht. Da wäre auch noch Jonnys Freundin, die sexy Yvonne, die als Anitas Zofe als Botin benutzt wird, einen Ring an den eifer­süch­tigen Max zu überbringen. Alle treffen sich in den abgele­genen Alpen wieder, Daniello und Max buhlen um Anita, Jonny nimmt die Geige, Max will sich umbringen, Anita erhält einen Vertrag für Auftritte in der Neuen Welt. Als sich alle auf dem Bahnhof in Amsterdam wieder­treffen – Jonny der Polizei einen Schritt voraus – rutscht Daniello aus und endet unter den Schienen, Max kommt in letzter Minute noch dazu und begleitet Anita, Yvonne und den Manager nach Amerika, während Jonny die Menschen­menge zu seiner „neuen“ Musik tanzen lässt.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Zugegeben, eine sehr verwir­rende, surreale Geschichte, für die Krenek auch das Libretto schrieb. Der tsche­chische Regisseur David Drábek entschied sich, eben diese Surrea­lität auf die Spitze zu treiben. Er füllt die Bühne mit stummen Figuren – drei Garten­zwergen, die uns klar machen, indem sie uns ihre Hintern zeigen, dass alles nicht ernst gemeint ist, tanzende Edelweiß­blumen, einen strol­chenden Yeti, einen Eisbären, der sich von einer charmanten Murmel­tierdame auf Spitzen­schuhen verführen lässt, diverse Aktionen von Zugrei­senden in der Zugtoi­lette – die zum Teil sehr niedlich von Adéla Laštovková Stodolová choreo­gra­fiert sind und mehr zu tun haben als die eigent­lichen Akteure. Sie lenken aber völlig von der Geschichte ab, haben keine offen­sicht­liche Verbindung zur Erzählung, geben keine Einsichten und sind nur nervige und kitschige Ablen­kungen. Der Bühnen­aus­statter Jakub Kopecký baut dafür eine weiße Gletscherwelt, die sich schnell in ein Pariser Etablis­sement oder einen Bahnhof verwandeln kann. Die Kostüme von Tomáš Kypta sind ein bunter Misch­masch aus diversen Epochen und Stilen.

Foto © Patrik Borecký

Tatsächlich stehen die Sänger völlig von Drábek allein­ge­lassen auf der Bühne. Hilflos stehen sie herum und wissen kaum, was sie aus ihren Charak­teren machen sollen. Dazu kommt, dass im deutschen Original gesungen wird – wobei leider die Verständ­lichkeit der Sänger sehr zu wünschen lässt. Insbe­sondere Jonny, der eigentlich als charmanter Musiker und Klein­ganove uns alle in eine Neue Welt verführen sollte, tritt hier als bunter Clown auf. Das Natio­nal­theater hat zugelassen, den jungen weißen Sänger Jiří Rajniš schwarz geschminkt in Blackface spielen zu lassen – heutzutage geht das gar nicht mehr. Sein Bariton wirkt energisch und schel­misch, seine „neue“ Musik als Kontrast zu den konven­tio­nellen Tönen, die der Komponist Max zu finden versucht.  Dieser wird von Jonathan Stoughton mit helden­te­no­ralen Höhen vorge­tragen, besonders in seinem „Dialog“ mit dem Gletscher, wo er hofft, seine Kreati­vität wieder zu entdecken. Petra Šimková-Alvarez setzt ihren geschmei­digen Sopran gekonnt, wenn auch etwas hausfraulich ein.  Vanda Šípová kann wegen einer Stimm­ver­letzung nicht singen, dafür spielt und mimt sie die Rolle der Yvonne, während Steffi Lehmann in letzter Minute einspringt und von der Seite – als einzige mit verständ­licher Diktion –  mit melodi­schem Sopran singt. Bariton Igor Loškár wird als Daniello für seine spiele­rische Kunst gefeiert. Der große Chor ist hervor­ragend von Adolf Melichar einstudiert.

Immerhin steht am Pult ein Dirigent, der das Werk und die Musik von Ernst Krenek kennt und schätzt.  Stefan Lano, der bereits Jonny in Graz und am Teatro Colón in Buenos Aires aufge­führt hat, lässt sich nicht von dem gängigen Attribut „Jazz-Oper“ irritieren. Krenek exponiert eine spätro­man­tische Sprache und entwi­ckelt sie in Melodien, die den Tonsprachen der Zeit entsprachen: Ja, es gibt Zitate aus Jazz und Foxtrott – sogar der Gershwin Hit Swanee River erklingt kurz – aber Krenek kannte Jazz in den späten Zwanzigern des vergan­genen Jahrhun­derts nur aus den Eindrücken, die die Musik auf Europa machte. Er kannte Thomas Mann, Rainer Maria Rilke und viele andere. Die Musik in Jonny entspricht dem Zeitgeist der aufer­ste­henden Weimarer Republik und der Sehnsucht nach anhal­tendem Frieden sowie der Suche nach neuen Ausdrucks­mög­lich­keiten. So führt Lano das ausge­zeichnet spielende Orchester der tsche­chi­schen Staatsoper, Chor und Solisten sicher und mit viel Empathie und zeigt auf, dass diese Oper durchaus ihren Platz im Reper­toire des 21. Jahrhun­derts verdient hat.

Am Schluss warmer Applaus für alle, besonders für die Musiker.

Zenaida des Aubris

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