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Foto © Thilo Beu

Wahn, Wahn, überall Wahn

OTELLO
(Giuseppe Verdi)

Besuch am
2. Februar 2019
(Premiere)

 

Aalto-Theater Essen

Verdi hat viele Opern mit kalter und schwarzer Musik geschrieben. Neben dem Macbeth ist auch die andere große Shake­speare-Vertonung zu nennen, Otello, mit dem genialen Libretto von Arigo Boito.  Es wäre nicht verwun­derlich gewesen, wenn die Neuin­sze­nierung am Aalto-Theater Essen genauso ungemütlich und kalt ausge­fallen wäre wie das Premie­ren­wetter. Aber Roland Schwab hat in der Musik Verdis auch das hitzig-hochko­chende Element entdeckt und das mit dem Ober-Fiesling der Oper schlechthin verknüpft. Jago, grandios verkörpert von Nikoloz Lagvilava, ist hier kein gemeiner Brunnen­ver­gifter, sondern ein dämoni­scher Brand­stifter der mensch­lichen Psyche. Sein nihilis­ti­sches Credo, seine tiefe Überzeugung, ist quasi sozialer Brenn­stoff und daher steht der Garten des zweiten Aktes plötzlich in Flammen.

Die Folgen seiner Handlung: Er entzündet den Wahnsinn im Feldherrn Otello. Der sieht und hört dann das, was er die ganze Zeit innerlich befürchtet. Seine Frau Desdemona betrügt ihn. Dieser Gedanke gibt der Insze­nierung einige andere Facetten. Die Begeg­nungen zwischen ihm und Desdemona sind wahnge­steuerte Fanta­sie­pro­dukte. Daher begegnet der Zuschauer auch zwei unter­schied­lichen Desde­monas. Die eine ist eine selbst­be­wusste Frau mit Sexappeal, die innig mit Otello im ersten Akt flirtet. Die andere ist eine unter­würfige, ängst­liche Frau des Leidens, die ihre Schuld nicht zugeben kann. Das ist klug am Text beobachtet. Aller­dings ist diese Wahnebene dann letzt­endlich doch etwas übertrieben. Dank einer klugen Perso­nen­führung wird es nicht langweilig, aber trotzdem hätte man gerne auch diesen Gedanken des Ausspähens, der ja auch auf dem Plakat angekündigt wird, noch etwas genauer gesehen. Piero Vinci­guerra hat ja auch viele Jalousen wie einen Irrgarten kombi­niert. Leider schweben sie zu oft ungebraucht im Bühnen­himmel. Die Momente, in denen Otello durch die Jalousien späht, in denen man Schatten hinter ihnen sieht, sind doch eigentlich die spannendsten. Die Bühnen­technik nutzt Vinci­guerra jeden­falls hervor­ragend aus, und Manfred Kirst vergiftet manche Szene mit fiesem, grünem Licht oder blendet die Zuschauer mit grellen Schein­werfern. Gabrielle Ruprecht betont in ihren Kostümen vor allem den militä­ri­schen Kontext der Handlung. Chor, Solisten und Statisten werden in einer sehr guten Perso­nen­führung verbunden. Einiges ist dann doch wieder etwas zu verkopft und damit auch zu gewollt, aber unter dem Strich ist die konse­quente Regie eine lohnens­werte Neuinszenierung.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Großes Format bekommt die Aufführung durch die musika­li­schen Leistungen. Von Gaston Rivero hätte man sich in der Titel­rolle ein paar mehr Farben gewünscht. Er ist ein bisschen zu sehr aus einem Guss. Aber dieser Guss ist absolut stabil und ungefährdet, gleich­zeitig auch eindrucksvoll, insbe­sondere in den Höhen, die unfor­ciert und strahlend ausge­sungen werden. Seine Stimme passt zu den großen Gesten, zu der wilden Art, die ihm abver­langt wird. Passend zu ihm auch der Jago, der seine wildesten Seiten fördert. Bariton Nikoloz Lagvilava steigt ungezügelt aus dunklen Tiefen nach oben, singt jede Phrase mit bösar­tiger Leiden­schaft aus. Die Töne scheinen bei ihm nicht nur aus der Kehle zu kommen, sondern auch in den dämonisch lodernden Augen zu liegen, der inten­sivste Teil seiner starken Körper­sprache. Einige Premie­ren­wackler im Text und in den Einsätzen werden von der Soufflage aufge­fangen.  Gabrielle Mouhlen als Desdemona beginnt den Abend mit herber Stimm­farbe, aber je weiter die Aufführung fortschreitet, desto schöner und runder klingt ihr Sopran. So gelingt ihr dann das Lied von der Weide mit dem folgendem Ave Maria als ein musika­li­scher Höhepunkt.

Foto © Thilo Beu

Mit der Figur der Emilia, die gouver­nan­tenhaft streng umher­schreitet, kann das Regieteam nicht so viel anfangen. Bettina Ranch kann dieses Manko mit ihrem Mezzo etwas ausgleichen. Überhaupt sind die Randfi­guren sehr präsent besetzt. Carlos Cardoso lässt seinen Tenor als Cassio erstrahlen, Dmitry Ivanchey steht ihm als Rodrigo kaum nach. Tijl Faveyets ist als Lodovico eine wahre Luxus­be­setzung, und auch Baurzhan Anderzhanov singt die wenigen Sätze des Montano so engagiert, als habe er die Haupt­rolle zu stemmen. Der Chor und Extrachor hat richtig viel zu tun, und auch wenn dieser Abend noch nicht hundert­pro­zentig rund läuft, kann man mit der Abmischung der Stimmen sowie der gesamten Einstu­dierung von Jens Bingert sehr zufrieden sein.

Ähnliches lässt sich auch über die Leistung aus dem Orches­ter­graben sagen. Hier und da ein paar Wackler, Dirigent Matteo Beltrami muss einige Fehlein­sätze korri­gieren. Seine Tempi drängen stets nach vorne, so dass auch er die Handlung unwei­gerlich auf ihr bitteres Ende zusteuern lässt. Die Detail­arbeit der Essener Philhar­mo­niker ist einmal mehr bewun­dernswert, die Piani könnten noch eine Spur öfter und besser einge­setzt werden. Das Wichtigste jedoch ist, dass Musik und Szene total an einem Strang ziehen, so dass der Abend eine hohe Wirkungs­kraft hinter­lässt. Das Publikum goutiert das schon zur Pause mit lauten Bravo­rufen, die sich natürlich am Ende der Oper noch steigern. Die wenigen Buh-Rufer für das Regieteam haben gegen die begeistert applau­die­rende Menge keine Chance.

Christoph Broermann

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