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Foto © Thomas Ecke

Berliner Erstaufführung einer Puccini-Rarität

EDGAR
(Giacomo Puccini)

Besuch am
4. Februar 2019
(Einmalige Aufführung)

 

Berliner Opern­gruppe im Konzerthaus Berlin

Giacomo Puccini ist einer der meist­ge­spielten Kompo­nisten – wieso kennen wir dann seine zweite Oper Edgar so gut wie gar nicht? Hat es vielleicht damit zu tun, dass er selbst, nach zahlreichen Verbes­se­rungs­ver­suchen, das Werk aufge­geben hat, frustriert, dass er es nicht so hinbe­kommen konnte, wie er es wollte? Immerhin wurde es am Teatro alla Scala 1889 urauf­ge­führt – ohne großen Erfolg, obwohl das Libretto von Ferdi­nando Fontana auf einer Vorlage von dem auch damals schon sehr respek­tierten Lyriker Alfred de Musset basierte.  Erst die etlichste Fassung von 1905, auf drei Akte reduziert und nur etwa 90 Minuten lang, in Buenos Aires aufge­führt, wird letzt­endlich von Ricordi gedruckt. Und verschwindet prompt in der Versenkung. Schade, weil Puccinis Talent für verschwen­de­rische Melodien und üppige Chornummern bei dem 28-jährigen schon deutlich zu erkennen sind.  Anklänge von späteren Opern wie La Fanciulla del West und Manon Lescaut schimmern durch. Puccinis Sinn für drama­tur­gische Abläufe ebenso wie der Ausdruck von Emotionen lassen sich hier schon gut erkennen, besonders in den Arien für die Hauptdarsteller.

Nun hat sich die Berliner Opern­gruppe dieser Fassung des Werkes angenommen und es im Konzerthaus Berlin semi-konzertant aufge­führt. Wie auch bei Wagners Tannhäuser, handelt es sich bei Puccini um einen mittel­al­ter­lichen Bauer, Edgar, aus einem Dorf in Flandern, der sich nicht zwischen der profanen Liebe zur Kurtisane Tigrana und der heiligen Liebe zu Fidelia entscheiden kann. Als es aber zu einer Heraus­for­derung kommt, verletzt er Frank, den Bruder von Fidelia, verteidigt Tigrana, verbrennt sein elter­liches Haus und zieht mit Tigrana weg. Mit ihr lebt er eine Weile in Glanz und Gloria, ist dieser Lebens­weise schnell überdrüssig und schließt sich einer Armee an, die von Frank geführt wird, mit dem er sich aussöhnt. Im letzten Akt wird Edgar als totge­glaubter Held gefeiert, bis er sich als Mönch zu erkennen gibt und Fidelia um Vergebung bittet. Als sie sich in den Armen liegen, versetzt aller­dings die eifer­süchtige Tigrana Fidelia einen Todesstoß. Kein Happy End.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Seit 2010 bringt die Berliner Opern­gruppe einmal pro Jahr eine selten gespielte italie­nische Oper zu Gehör. Dank einer aktiven Förder­gruppe und der Zusam­men­arbeit seit 2017 mit dem Archivio Storico Ricordi in Mailand sowie der Unter­stützung von Bertelsmann, kommt dieses Jahr die Berliner Erstauf­führung von Edgar zustande. Der künst­le­rische Leiter des Ensembles und Dirigent, Felix Krieger, hat persönlich die Parti­turen und Notizen von Puccini im Archivio Storico in Mailand studiert. Sicherlich tragen diese Einsichten, Neugier und Begeis­te­rungs­fä­higkeit zu seiner vitalen und sicheren Leitung des Orchesters und Chores bei. Kaum zu glauben, dass die inten­siven Proben nur rund eine Woche gedauert haben. Besonders hervor­zu­heben ist auch die Strahl­kraft und Harmonie des Chores der Berliner Opern­gruppe, einstu­diert von Steffen Schubert. Puccini hat wunder­schöne Melodien für den Chor kompo­niert, der als Dorfge­meinde eine sehr aktive Rolle spielt. Als Randbe­merkung sei zu erwähnen, dass Arturo Toscanini das Requiem vom letzten Akt bei der Todes­feier von Puccini 1924 ausge­sucht und dirigiert hat – so ausdrucks­stark ist es.

Regisseur und Dramaturg Thilo Reinhardt hat mit einem Minimum an Requi­siten und Kostümen wieder einmal bewiesen, dass es auch so geht – ohne aufwändige Bühnen­bilder. Wenn die Sänger sich mit ihren Rollen ausein­an­der­setzen, sie verstehen und verin­ner­lichen, dann können sie auch die kompo­nierten Emotionen ausleben und ausdrucks­stark kommunizieren.

Foto © Thomas Ecke

Das aus nur fünf Sänger bestehende Ensemble hat bei dieser einzigen Aufführung kaum Gelegenheit, sich mit der proble­ma­ti­schen Akustik des Konzert­hauses ausein­an­der­zu­setzen. Für Zuhörer in den ersten zehn Reihen ist es immer wieder eine Heraus­for­derung zuzuhören, wie die Akustik die Stimmen verschluckt, wenn nicht nur geradeaus in den Saal gesungen wird. Nicht alle können auf der hinteren Empore sitzen, wo der Sound am besten aufblüht.

Schon an der Scottish Opera hat Tenor Peter Auty die Titel­rolle gesungen. Dort war die Akustik hoffentlich sänger­freund­licher als im proble­ma­ti­schen Konzerthaus. Jeden­falls fällt es ihm anfänglich schwer sich durch­zu­setzen. Erst im zweiten Teil kann er sein warmes Timbre entfalten. Sopran Elena Rossi gibt eine drama­tur­gisch glaub­würdige Fidelia mit viel Empathie für die betrübte Figur der jungen Frau, aber ihrer metal­li­schen Höhe fehlt jegliche jugend­liche Unschuld. Als Vamp kann sich Mezzo Silvia Beltramis Tigrana, einge­zwängt in einer engen roten Robe, austoben und die sinnliche Mittellage ihrer Partie auskosten. Der „gute“ Bruder von Fidelia, Frank, wird von Aris Argiris verkörpert – mit einem wohlklin­genden, dunklen Bariton, der Vertrauen und Verständnis verströmt. Bass David Oštrek wirkt trotz Gehstock optisch wie stimmlich noch viel zu jung als Vater von Fidelia and Frank.

Das Publikum im fast völlig ausver­kauften Konzerthaus hat die einzige Aufführung besonders warm empfangen. Es gilt auch ein Dank an die vielen privaten Sponsoren und Helfer, ohne die es die Berliner Opern­gruppe sicherlich nicht gäbe. Vielleicht reicht die Unter­stützung in den nächsten Jahren sogar für zwei Auffüh­rungen – es wäre der Berliner Opern­gruppe und dem begeis­terten Publikum zu wünschen.

Zenaida des Aubris

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