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WHY RABBIT. WHY?
(Theresa Hupp)
Besuch am
7. Februar 2019
(Uraufführung)
Sonder:Sammlung: HuppOmelchukReitmayer, Orangerie, Köln
Modernes, genreübergreifendes Musiktheater mit Musik von lebenden Komponisten? So ganz jenseits griechischer Mythologie? Da muss man in den Spielplänen deutscher Theater- oder Opernhäuser lange suchen, um so etwas zu finden. Oder man fährt direkt nach Köln. Nein, nicht zur Oper. Sondern zur Orangerie, dem Theater am Volksgarten, eine der Spielstätten der so genannten Freien Szene. Hier feiert das Ensemble Sonder:Sammlung:HuppOmelchukReitmayer die Uraufführung seines Stückes Why Rabbit. Why?
Und es wird eine rauschende Feier. Da schaut man gern anschließend über Kunstnamen und englische Titel hinweg. Das Schöne an der Orangerie ist, dass Bühnen- und Publikumsraum frei gestaltbar sind. Da gerät jede neue Aufführung zur Überraschung. Das Ensemble um Theresa Hupp entscheidet sich für die konservative Variante. Großer Bühnenraum mit Tribüne vor Kopf. Neben der Tribüne ist die Technik aufgebaut. Die Bühne selbst hat Regisseurin Sandra Reitmayer mit wenigen Mitteln großartig eingerichtet. In der Bühnenmitte ist ein Material aufgetragen, das an Eiskristalle erinnert. Im Bühnenhintergrund sind Musikinstrumente aufgebaut. Im Vordergrund stehen zwei Mikrofone. Ein bisschen – viel – Bühnennebel lässt das Licht von Boris Kahnert in voller Wirkung erstrahlen. Vom Spotlight über die intime Beleuchtung bis zur großen Konzertbeleuchtung ist hier alles drin. Und das hat seinen Grund.
Denn Hupp als Performerin, Tänzerin, Choreografin und was sie sonst noch alles so macht, erzählt die Geschichte von Lücken, verpassten Chancen und knapp verfehlten Hoffnungen bis hin zum Neid auf die ganz Großen. Da passt das Disko-Licht genauso wie Schlaglichter.
Es ist eine Geschichte des Wartens, der Verzweiflung, poetisch überhöht oder stotternd erzählt. Als Partnerin hat sich Hupp die Komponistin Oxana Omelchuk auf die Bühne geholt. Keine gute Wahl, ist die Musikerin doch ständig mit Vorbereitungsarbeiten beschäftigt, die die Tänzerin zwingt, auf sie zu warten, wo doch der reibungslose Ablauf so wichtig wäre. Und hat Hupp endlich in den Redefluss gefunden, bedeutet Omelchuk dem Techniker, das Mikrofon abzustellen, um dem Gequassele ein Ende zu setzen. Um zum Erfolg zu kommen, wechselt Hupp, die Bandleaderin, die Einzelsängerin, die Duett-Partnerin immer wieder die Kostüme. Das reicht vom Fantasie-Kostüm in schwarz mit großem Dekolleté über den burschikosen Hosenanzug zu Turnschuhen bis hin zum aufregenden Mini-Kleid oder dem Sakko zu High-Heels. Wann immer Hupp aus irgendwelchen Orten Sonnenbrillen hervorzieht, um sich damit in die Superstar-Pose zu stellen, reicht es nicht zum ganz großen Auftritt.

Es hilft alles nicht. Selbst der Kaninchen-Kopf, den sich die Tänzerin am Ende überstülpt, wenn sie Jeans und Lederjacke trägt, bringt sie nicht weiter. Auch das Karnickel scheitert wieder an irgendwas. Feiner Humor rieselt immer wieder in die gescheiterten Versuche. In Verbindung mit der überbordenden Bühnenpräsenz von Theresa Hupp gelingt ein Stück, das bezaubert, verwirrt und mit seinen angedeuteten Mitteln nach fünfzig Minuten viel zu wenig erzählt zu haben scheint.
Wo Omelchuk, die doch auf der Bühne mehr zu stören scheint, ihre wahre Größe entwickelt, ist die Musik. Mit großem technischem Aufwand wird ihre Musik mit Playback vermischt. Da gibt es nicht die „großen Klangflächen“, sondern Musik, die lebt und begeistert. Instrumente auf der Bühne wie E‑Bass oder E‑Piano vermischen sich mit Musik- und Stimmmaterial vom Band. Auch das live gespielte Theremin, das gerade einer allgemeinen Wiederentdeckung frönt, fügt sich vortrefflich in die Musik.
Hupp hat sich künstlerisch längst für größere Bühnen empfohlen, spätestens seit dem heutigen Abend. Und es wird Zeit, dass sich, wie jüngst schon an der Düsseldorfer Oper geschehen, die Durchlässigkeit der Bühnen erhöht. Künstler wie Theresa Hupp haben nichts auf den Bühnen der so genannten Freien Szene verloren, sondern müssen einem größeren Publikum zugänglich gemacht werden. Denn damit kehrt auch die Fantasie auf die großen Bühnen zurück. Das bestätigt auch der aufbrandende, langanhaltende Applaus des Publikums.
Michael S. Zerban