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KARL V
(Ernst Krenek)
Besuch am
13. Februar 2019
(Premiere am 10. Februar 2019)
Mit 30 Jahren schuf Ernst Krenek sein großes Bühnenwerk Karl V, sein erstes dodekanes Musiktheater. Das Leben des 1500 geborenen österreichischen und gleichzeitig spanischen Regenten und somit Beherrschers der neu entdeckten Länder jenseits des Atlantiks lieferte den Inhalt für das vom Komponisten selbst gefertigte Libretto. Karl V steht für die hochpolitische Frage der Schuld, der Rechtfertigung, was hätte anders gemacht werden können gegenüber der freien Willensentscheidung. In dichten zweieinhalb Stunden analysiert so der gealterte, geläuterte Kaiser – großartig Bo Skovhus – sein Leben, sein Lebenswerk, sein Schicksal und seine wichtigsten Zeitgenossen im Gespräch mit dem jungen Beichtvater Juan de Regla, der für die Veränderung steht. Das Werk hat auch höchst aktuellen Bezug zur Lebensphase Ernst Kreneks. 1931 begann er mit der Arbeit an dem Werk, 1934 hätte die Uraufführung stattfinden sollen. Die politischen Veränderungen und Unruhen warfen ihre Schatten voraus. Krenek ging ins Exil, und das Werk wurde 1938 in Prag uraufgeführt. Auch in den aktuellen nationalistischen Strömungen zeigt sich die Aktualität der Handlung.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Mit der politischen Befreiung im Wort erfolgt musikalisch die Befreiung von der expressiven spätromantischen Musik hin zur Zwölftonmusik. Krenek stellt das komplexe Thema der Oper auf zwei Handlungsebenen, eine Realität und eine Traumwelt. Sprache und Sprechgesang halten sich die Waage, Melodien fehlen in seiner Zwölftonmusik, dafür prägen ausgefeilte gewagte Harmonien Gefühle, malen Bilder und kleiden Erzählinhalte aus.
Die katalanische Regietruppe Fura dels Baus unter Führung von Carlus Padrissa schafft in gewohnter Weise ausdrucksstarke, symbolkräftige Bilder mit einem bunten Strauss von Effekten. Vordringlich Videoinstallationen von Lita Cabellut begleiten die Handlung, die durch bewegte Spiegel noch verstärkt werden, und an Seilen hängende Turner bilden handlungsbezogene Objekte wie die Erdkugel, die in der Atmosphäre verglüht. Ein großes Wasserbecken ist der Bühnenboden, Zeichen für den Fluss des Lebens und der Zeit so wie die Uhren, eine Sammelleidenschaft des Kaisers, die auf die Bühne gebracht werden.

Im hellen Anzug, die Krone wie einen Hahnenkamm auf dem Kopf, agiert Skovhus beeindruckend vielgestaltig als Kaiser Karl, in dessen Reich die Sonne nie unterging. Sein Weg zum Vereiner der Welt, zum Gründer eines Weltreiches über alle Völker und Religionen scheitert, am Ende steht die Teilung. Mit vielen Herrschern und anderen politischen Persönlichkeiten stand er im Konflikt, und jeder bekommt von ihm seinen Stempel aufgedrückt. Skovhus hat sich eine Reputation in Charakterfiguren, besonders in zeitgenössischer Musik erarbeitet. Treffsicher setzt er seine Töne und formt seine Klänge. So ungewohnt die Zwölftonmusik für unsere Ohren scheinen mag, umso eingängiger wird sie erst in einer exakten und eindringlichen Interpretation wie an diesem Abend. Viel Arbeit ist spürbar in der Vorbereitung auf diese Präzision gesteckt worden. Der Chor ist bestens von Stellario Fagone einstudiert, alle Sänger sind passend zu den Rollen ausgezeichnet besetzt. Wolfgang Ablinger Sperrhacke ist ein verklemmter, verschmitzter Franzosenkönig Franz, Dean Power ein unerbitterlicher Bruder Ferdinand und Anhänger Martin Luthers, Gun Brit Barkmin eine wohl kakulierende Schwester Eleonore, Anne Schwanewilms seine kühle GattinnIsabella, um nur einige zu nennen.
Erik Nielsen erarbeitet am Pult eine spannungsgeladene exakte musikalische Umsetzung. Das Publikum folgt der intelligenten, wohl dosierten Regie, die die anspruchsvolle Handlung und schwer verdauliche Musik harmonisch ohne Provokation bekleidet und spendet am Ende viel Beifall.
Helmut Pitsch