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THE OPERA BAND
(The Cast)
Besuch am
15. Februar 2019
(Einmaliges Gastspiel)
Diese sechs jungen Sängerinnen und Sänger aus Neuseeland, Kanada, USA und Deutschland behaupten, „Oper macht Spaß“. Klassische Opernliebhaber würden das wahrscheinlich anders formulieren, vielleicht stilgerecht vom „musikalischen Genuss“ sprechen. Doch die sechs, die sich als Vokalartisten vorstellen, alle ausgebildete Sänger, mögen es leicht und locker, möchten mit den Zuhörern und für sie die große Melodienwelt der Oper von Verdi über Bizet bis zu Massenet ein wenig entstauben. Sie scheuen sich nicht, Lehár und Kálmán mit ins Programm zu nehmen. Sie tauschen die große Abendrobe gegen bunte Glitzerkleider, den Abendanzug oder Frack gegen ein wild bedrucktes Jackett oder einen knatschroten, flotten Anzug, und in die lupenreinen Koloraturen der beiden Soprane rutscht auch schon mal ein Kiekser oder Rülpser – alles im Dienst der durchaus ernst genommen Kunst. Das Publikum akzeptiert diese Respektlosigkeit, und nach wenigen Minuten ist der Kontakt zum Publikum hergestellt.
Till Bleckwedel, ein sonorer Bariton, ist ein erfahrener Sänger und Conférencier, der weiß, wie es geht – professionell. Das Publikum hat keine Mühe, der Aufforderung von Anne Byrne, Mezzosopran, zu folgen und mit zu klatschen, zu singen und fröhlich und unbekümmert Fotos mit ihren Handys zu schießen und sie sofort zu „teilen“. CarrieAnne Winter begeistert die Zuhörer mit hellem, manchmal spitzem Sopran und frechem Auftreten unter grünem Schopf, Hrund Osks solider Sopran tritt im engen Fummel paillettengolden auf. Guillermo Valdez zeigt mehrfach seine Qualitäten als Heldentenor, und Allen Boxer, Bariton, beherrscht neben dem englischsprachigen Repertoire auch die breite Palette der europäischen Opernliteratur. Yu Chen agiert als Pianist eher im Hintergrund, setzt aber gern unauffällig eigene Akzente.

Und so folgen auf Kálmáns Csárdásfürstin das Semiramide-Duett von Rossini, Mozarts Figaro und Puccinis Gianni Schicchi, gesanglich bestens präsentiert und am Piano unauffällig begleitet von Yen Chen. Der Gefangenenchor aus Verdis Nabucco, im Opernhaus häufig Ursache für einen musikalisch wohligen Schauer, veranlasst manchen Zuhörer beim Auftritt aus den Seitentüren zu einem freundlichen Schmunzeln. Im zweiten Teil des Abends wird die Stimmung ausgelassener, die Musik leichter. Von Brüderlein und Schwesterlein über Ganz ohne Weiber bis zu Dein ist mein ganzes Herz und Verdis Traviata-Brindisi reichen die Ohrwürmer, die für eine ausgelassene Stimmung sorgen und manchen Zuhörer mitsingen lassen – ganz im Sinne von The Cast. Ja, hier soll und darf Oper Spaß machen!
Auch wenn Mozartsonaten, Bachsche Fugen und Orffs Carmina längst in ihren verjazzten Versionen populär geworden sind und ihre Liebhaber gefunden haben, gelingt The Cast mit seinen lockeren Opernversionen die Balance zwischen ernst genommener Opernkomposition und entstaubter lockerer Präsentation. Das Coesfelder Publikum nimmt dieses Angebot gern auf, klatscht und singt mit und will zum Schluss, auch nach einer Zugabe, den Abend noch keineswegs zu Ende gehen lassen. Das besorgen dann die sechs Musiker nach einem musikalisch anspruchsvollen, unterhaltsamen und fröhlichen Abend bester Musik.
Horst Dichanz