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Liebesdrama mit Salon-Kapelle

EUGEN ONEGIN
(Peter Tschaikowsky)

Besuch am
1. März 2019
(Premiere)

 

Musik­theater im Revier Gelsen­kirchen, Kleines Haus

Ein Experiment, das nur teilweise gelingt: Der Versuch des Gelsen­kir­chener Musik­theaters im Revier, Peter Tschai­kowskys persön­lichste Oper, den Eugen Onegin, in einem intimen Rahmen mit jungen Sängern aufzu­führen, ist nicht ohne Reiz. Schließlich legte Tschai­kowsky Wert darauf, die Urauf­führung mit Konser­va­to­riums-Studenten zu besetzen und war überhaupt nicht an Auffüh­rungen dieses Stücks an den großen Opern­häusern Russlands inter­es­siert. Was das Ensemble angeht, geht das Experiment in Gelsen­kirchen auf. Die Frische und jugend­liche Energie der vorzüg­lichen Sänger in nahezu allen Rollen verleiht dem Abend ein erfreulich indivi­du­elles und origi­nelles Profil.

Ein Vorteil, der durch das unglück­liche Orchester-Arran­gement von André Kassel für elf Musiker inklusive Celesta, Klavier und Akkordeon getrübt wird. Die farbig instru­men­tierten Klänge Tschai­kowskys plätschern aus der linken Ecke des Kleinen Hauses dünn und oft am Rande des Kitschs wie Salon-Musik zu einer Kaffee­tafel. Da verliert selbst die grandios kompo­nierte und gesungene Duell-Szene an Wirkung, von der Polonaise im letzten Akt ganz abgesehen. Lenskis wunderbare Arie mit Klavier und Kontrabass respektive Violon­cello zu begleiten, überzeugt da ebenso wenig wie der Versuch, den matten Klang mit Celesta-Geklingel an allen möglichen und unmög­lichen Stellen aufzu­peppen. Intimität auf Kosten des Klangs und der Eindring­lichkeit: Damit schüttet man das Kind quasi mit dem Bade aus.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Rahel Thiel insze­niert das Werk so solide und zurück­haltend, dass sich die Sänger voll auf ihre jugend­liche Ausstrahlung und ihre beacht­lichen vokalen Quali­täten konzen­trieren können. Dieter Richter, der versierte Bühnen­bauer von Wilfried H. Hilsdorf, schafft eine Tschechow-nahe Birken­land­schaft, die sich in der Duell-Szene verdunkelt. Ein Steg führt von der Bühne in den oberen Rang, so dass trotz der kleinen Dimen­sionen des Hauses genügend räumliche Größe vermittelt wird. In diesem Umfeld führt die Regis­seurin die Figuren brav am Libretto entlang. Ohne nennens­werte Überra­schungen, aller­dings auch ohne überdrehte Entglei­sungen. Originell einzig die Idee, das tragische Ende des Duells mit dem glanz­vollen Ball-Akt zu verbinden, so dass quasi über der Leiche Lenskis gefeiert wird. Die Figuren erhalten ein recht präzises charak­te­ris­ti­sches Profil, was den jungen Sängern hilfreich entge­gen­kommen dürfte.

Foto © Matthias Baus

Und vor allem denen ist es zu verdanken, dass noch eine gehörige Menge von der Ausdrucks­kraft des Werks gerettet werden kann. Eine Liebes­tra­gödie junger Menschen, wie sie sich Tschai­kowsky vorge­stellt hat: Wenigstens diesem Anspruch wird die Aufführung gerecht. Dazu trägt wesentlich Bele Kumberger in der zentralen Rolle der Tatjana bei, die die emotionale Irritation der Figur überzeugend darstellen und stimmlich zum Ausdruck bringen kann. Erstklassig auch Lina Hoffmann, Mitglied des jungen Ensembles, als Olga. Und für beson­deren vokalen Glanz sorgt Khanyiso Gwenxane mit seinem flexiblen und sicher geführten Tenor als Lenski. Die eher unsym­pa­thische Rolle des Onegin verkörpert Piotr Prochera präsent, aber emotional eher zurück­haltend. Almuth Herbst in der kleinen Rolle der Amme Filip­jewna gehört zu den weiteren Pluspunkten. Michael Heine singt die Arie des Gremin ohne Fehl und Tadel, und Moritz Welsing muss das Couplet des Monsieur Guillot in gespielt volltrun­kenem Zustand singen, was er auch tut, leider auf Kosten der Intonation. Und der äußerst kraftvoll auftre­tende Chor sorgt für russisch-ländliches Kolorit.

Thomas Rimes steht am Pult des kleinen Instru­mental-Ensembles ein wenig auf verlo­renem Posten. Die Musiker der Neuen Philhar­monie Westfalen unter­nehmen ihr Bestes, können aber nicht vermeiden, dass wesent­liche Teile des Arran­ge­ments eher zur Schau­spiel-Musik taugen und nicht unbedingt auf die Opern­bühne gehören. So manche verloren klingende Elegie auf dem Akkordeon würde einem Tschechow-Stück zur Ehre gereichen, einer Tschai­kowsky-Oper eher weniger.

Begeis­terter Beifall des Premieren-Publikums für alle Betei­ligten. Vor allem und das zu Recht für die Sänger, die immerhin Gelegenheit bekommen, sich ohne orches­tralen Überdruck mit ihren Rollen ausein­an­der­setzen zu können.

Pedro Obiera

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