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Einfache Botschaften

ARIANE UND BLAUBART
(Paul Dukas)

Besuch am
2. März 2019
(Premiere)

 

Theater Bielefeld

Der Komponist Paul Dukas ist ein Zeitge­nosse von Jean Sibelius, Claude Debussy, Ferruccio Busoni und Richard Strauss. Wenn das gleich zu Beginn einer Biografie erwähnt wird, liegt der Schluss nahe, dass es sich um einen nicht ganz so bekannten oder bedeu­tenden Zeitge­nossen der aufge­führten Künstler handelt. Gleichwohl werden mit dem Namen Dukas gleich drei mehr oder minder wichtige Werke der Musik­li­te­ratur verbunden. Das bekann­teste ist wohl Der Zauber­lehrling aus dem Jahr 1897. Die Vertonung der Ballade von Johann Wolfgang von Goethe ist bis heute häufig in den Konzert­sälen zu hören. 1911 erschien die Ballett­musik La Péri. Und vier Jahre zuvor entstand die Oper Ariane et Barbe-Bleue.

Verglichen mit den Werken eines Richard Strauss, zeigt sich Ariane und Blaubart musika­lisch tatsächlich auf eher durch­schnitt­lichem Niveau. Das ficht das Theater Bielefeld nicht an, Dukas’ Werk auf der Grundlage eines Librettos von Maurice Maeter­linck auf die Bühne zu bringen. Schließlich hat das Märchen vom Herzog Blaubart, das Charles Perrault 1697 verfasste, bis heute nichts von seiner Faszi­nation verloren, egal, in welcher Bearbeitung oder Verfremdung es in den darauf­fol­genden Jahrhun­derten erschien. Bei Maeter­linck sind fünf Frauen in Blaubarts siebter Kammer , dem verbo­tenen Raum, einge­kerkert. Eine sechste Frau, Ariane, erscheint mit ihrer Amme in seiner Burg und versucht, die übrigen Frauen zu befreien. Die Überra­schung, die sie dabei erlebt, hat mit dem üblichen glück­lichen Ende einer Oper nichts zu tun.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Die Insze­nierung hat es in sich, denn eigentlich dreht sich hier mehr als zwei Stunden alles nur um Ariane. Alle anderen Personen bleiben Neben­fi­guren. Da ist dem Regisseur wenig Spielraum gegeben. Andrea Schwalbach hat sich dieser Heraus­for­derung angenommen. Ihr Glück ist, dass sich Nanette Zimmermann um Bühne, Video und Kostüme kümmert. Denn Zimmermann hat den Abend im Griff. Auf einer schiefen Ebene hat sie drei verzogene Ebenen als Außen­mauern angeordnet, die sie nach Bedarf öffnen und versenken kann. Hinter der verzerrten Ebene des Hinter­grunds zieht sie eine Video-Wand ein, die die einzelnen Stimmungen der Örtlich­keiten wiedergibt. Das ist genial gedacht und funktio­niert von Anfang bis Ende, selbst im eher matten Licht von Johann Kaiser. Allein das Bühnenbild lohnt einen Besuch, auch wenn Zimmermann während eines Zwischen­spiels einfach mal den Vorhang geschlossen hält.

Hält die Perso­nen­führung so viel Fantasie gerade noch stand, scheint es so, als habe Schwalbach das Libretto nicht gelesen. Immer wieder diver­gieren Handlung und Text in geradezu abstruser Weise. Während die Burg geschliffen und Blaubart laut Libretto im Hof geschändet wird, ist auf der Bühne zu sehen, wie Ariane den Herzog wieder und wieder nieder­sticht. Solche Aberra­tionen finden sich am laufenden Band. Da fühlt sich das Publikum nicht ernst­ge­nommen, das die franzö­sisch vorge­tra­genen Texte auf der Überti­telung nachvoll­ziehen kann. Es ist das eigent­liche Ärgernis des Abends, denn mit allem anderen können die Zuschauer leben.

Sarah Kuffner – Foto © Bettina Stöß

Da wird die Amme Katja Starke als hochfiebrig krank durch Janina Baechle von der Wiener Staatsoper im Gesang und Frederike Prick-Hoffmann im Schau­spiel ersetzt. Das klappt nicht so gut, wie vom Theater erhofft. Während sich beide Darstel­le­rinnen wirklich bemühen, bleiben es doch zwei verschiedene Personen. Das macht insofern nichts, als Schwalbach ohnehin ganz auf Sarah Kuffner als Ariane setzt. Und zwar so sehr, dass es ihr reicht, Kuffner im schwarzen Hosen­anzug mit den Händen in den Taschen über lange Strecken stehen zu lassen. Die Sopra­nistin nimmt es gelassen, ist ihr die Rolle stimmlich doch auf den Leib geschrieben. Mit gut verständ­lichem Opern-Franzö­sisch meistert sie den Mammut-Part exzellent. Und bereitet sich so selbst ihr größtes Geschenk zum Geburtstag, den sie an diesem Abend auf der Bühne feiert. Moon Soo Park, der als Herzog Blaubart eher eine Statis­ten­rolle zu bewäl­tigen hat, darf mit einem kurzen Gesangs­auf­tritt glänzen. Auch die übrigen Rollen sind sehr überschaubar angelegt. Nohad Becker singt mit schöner Stimme die Sélysette, Melanie Kreuter macht als Mélisande auch stimmlich eine gute Figur. Als „fremd­län­dische“ Alladine muss Katrin Schyns zunächst eine Maske tragen. Ein netter Einfall. Dorine Mortelmans als Ygraine und Hasti Molavian als Bellangère sind wie die anderen Damen zuvör­derst damit beschäftigt, die Botschaft des Stücks zu trans­por­tieren: Die wahre Schönheit des Menschen liegt in ihm selbst, da braucht es keinen Schmuck, keine Perücken, keinen Tand, um das heraus­zu­putzen. Na ja. Das bewegt sich auf ähnlichem Niveau wie die Nachricht, dass der Mensch auch dann lieber träge in einer Situation verharrt, wenn sie ihm nicht so sehr behagt, anstatt sie zu ändern. Für den Chor ändert sich erst etwas, nachdem der Schluss­vorhang gefallen ist. Denn dann darf er das erste Mal in Erscheinung treten. Hagen Enke hat ihn aller­dings so gut einstu­diert, dass er auch aus dem Off seine Wirkung stimmungsvoll entfalten kann.

Alexander Kalajdzic führt die Biele­felder Philhar­mo­niker kraftvoll durch den Abend, ohne die Sänger dabei aus der Balance zu verlieren.

In der Pause haben sich die Reihen des zunächst gut besuchten Hauses deutlich gelichtet. Dass es am Ende doch zu etlichen Bravo-Rufen reicht, ist für Kuffner sicherlich berechtigt, klingt aber insgesamt doch etwas gewollt. Verdient ist der herzliche Applaus auf jeden Fall für Spiel­freude, gesang­liche Leistungen und eine wirklich überzeu­gende Bühne.

Michael S. Zerban

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