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Foto © Sebastian Gündel

Denn die einen sind im Dunkeln

DREIGROSCHENOPER/​SWEET DREAMS
(Kurt Weill, Ute Lemper)

Besuch am
1. und 3. März 2019
(Einmalige Aufführungen)

 

Kurt-Weill-Fest, Anhal­ti­sches Theater Dessau

Was dem formellen Festakt der Honora­tioren zur Eröffnung des 27. Kurt-Weill-Festes an Schwung und Witz fehlt, bringen die Eröff­nungs-Revue mit Dagmar Pecková  als Mackie Messer und Kurt Weills Dreigro­schenoper, ein „Stück mit Musik“ in der Insze­nierung von EzioT­of­fo­lutti in wenigen Minuten auf die Bühne und ins Publikum. Mit Toffo­luttis Insze­nierung nimmt das Kurt-Weill-Fest wieder ein Stück auf, das schon im vergan­genen Jahr beim Publikum die Lust auf Weill verstärkt hat: Flottes Spiel, eine mitrei­ßende Musik und vor Spiellust sprühende Schau­spieler – das Publikum geht mit. Natürlich hat die schrill und vielfach überzeichnete Huren­gruppe in ihren eindeutig-zweideu­tigen Kostümen und provo­kanten Auftritten das Publikum schnell auf seiner Seite. Ob grelle Gesichts­masken, Kostüme, Songs oder Bühnen­präsenz: Toffo­lutti überzeichnet gern und reichlich. Das Publikum akzep­tiert diesen Spaß und hat offen­sichtlich viel Freude an dieser schon 2018 opulent und spitz­findig einge­rich­teten und jetzt wieder aufge­nom­menen Inszenierung.

Die Musiker unter bewährter Leitung von Markus I. Frank haben den Weill-Sound bestens „drauf“. Ob Ballade, Moritat, Tango-Habanera oder Jazz-Fetzen, das klingt und schwingt bis ins Publikum. Bemer­kenswert, wie präzise und klangvoll dieser große Orches­ter­block mit über 80 Musikern des Anhal­ti­schen Theaters die zum Teil eher ungewohnten Rhythmen auf die Bühne bringt.

Mit Matthias Mosbach als windigem, glattem Macheath, Mirjana Milosavljevic als stabiler Polly Peachum und Dirk S. Greis als souve­ränem Jonathan J. Peachum sind die Figuren prominent besetzt. Auch die übrigen Figuren, von Londons Polizei­prä­si­denten Tiger Brown bis zur Spelunken-Jenny sind in besten Händen und zeigen viel schau­spie­le­ri­schen Spaß. Dass „Hochwürden“ zu diesen Zeiten mehr als Karikatur denn als reale Figur gezeichnet wird, ist fast unvermeidlich.

Und dann die Weillsche Musik: Ob den Anstatt-Song oder den Mond über Soho, den Kanonensong,  die Mackie-Messer-Ballade, das Lied von der Seeräu­ber­jenny oder die Zuhäl­ter­ballade, die „alten Bekannten“ sind  alle da und haben nichts von ihrer Musika­lität und ihrem Charme verloren. Sie bringen unver­meidlich ein wenig  Romantik und Senti­men­ta­lität in den dunklen Saal, die Brecht eigentlich vermeiden wollte. Manch grauer Kopf beginnt leicht mitzu­schwingen oder leise mit zu summen bei diesen Evergreens, die Zuhörer beklat­schen jeden Song einzeln. Kurz: Ein unter­halt­sames, musika­lisch und darstel­le­risch gelun­genes Theatervergnügen.

Süße Träume

Dagmar Pecková – Foto © Andreas Burkhardt

Mit Ute Lemper haben sich die Dessauer nun schon zum zweiten Mal einen inter­na­tio­nalen Showstar auf die Bühne geholt, der mit seinen deutschen, franzö­si­schen und ameri­ka­ni­schen Programmen eine Beson­derheit  unter den inter­na­tional renom­mierten Bühnen­stars darstellt. Ihre inter­na­tional gefärbte Orien­tierung wie ihre deutschen Schwer­punkte mit Marlene Dietrich und Kurt Weill machen sie unein­ge­schränkt zu einer bemer­kens­werten Ausnahme auf inter­na­tio­nalen Bühnen. Als einzige unter den Programm­punkten betont und unter­streicht sie mehrfach das  gesell­schafts­po­li­tische Engagement von Kurt Weill und bedauert, dass dieses in den USA fast völlig verloren gegangen sei und vor allem in Verbindung mit Brecht „eher verlästert“ wurde.

Den ersten Teil ihres Programms widmet Ute Lemper komplett der Musik von Kurt Weill, mit dessen Musik sie schon 1986 ihre erste Platte heraus­brachte und dessen „Frechheit und Deftigkeit“ sie faszi­nierte. Musika­lisch eingängig, erkannte Lemper, Weills Lieder „musste man eben fühlen und denken.“ In ihren mal sanften, verträumten Partien oder in stark expres­siven Passagen erklingen die bekannten Weill-Songs Wie man sich bettet, der September-Song und The Saga of Jenny, in denen sie das Publikum zu wahrer Begeis­terung mitreißt. Im zweiten Teil des Abends wird das Programm inter­na­tio­naler : Nach einem Gershwin-Medley folgen I got Rythm, Naughty Baby und schließlich, als abschlie­ßendes Feuerwerk, der unver­gess­liche Song von John Kander Cabaret aus dem Jahr 1966, bei dem Lemper noch einmal ihr ganzes musika­lisch-tänze­ri­sches Tempe­rament und ihr Talent zur perfekten Selbst­dar­stellung blitzen lässt. Kein Zweifel, dass sie als artist in residence in Dessau hoch willkommen ist und das Publikum mit der Bandbreite ihres Programms und ihrer Expres­si­vität mehr als begeistert.

Oberbür­ger­meister Peter Kuras und der Minis­ter­prä­sident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haselhoff, nehmen in ihren Grußworten zu gern das Motto des diesjäh­rigen, nun schon 27. Kurt-Weill-Festes Mut zur Erneuerung für ihre Stadt Dessau und für Sachsen-Anhalt in Anspruch und schlagen gern den Bogen zum Festival, das neben dem Bauhaus eines der wenigen Lichter in dieser Region darstellt, das sie  dem 1900 in Dessau geborenen Kompo­nisten Kurt Weill verdankt. Und die über  50 Festival-Veran­stal­tungen mit vielen inter­na­tional renom­mierten Künstlern zeigen, dass sich die Programm­macher für das Festival 2020 zwar den Kopf zerbrechen müssen, aber sich keine Sorgen zu machen brauchen, dass ihnen der Stoff ausgeht – dank Kurt Weill.

Horst Dichanz

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