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Europas Außengrenzen sind dicht, in den Fernseh-Nachrichtenmagazinen hört man hier und da, dass die Abschiebungen funktionieren – und die Bevölkerung ist es zufrieden. Es gibt keine Flüchtlinge mehr. Es herrscht Ruhe im Land. Das menschenunwürdige Konzept einzelner deutscher Politiker scheint aufgegangen. Was wir in Deutschland erlebt haben, ist in seiner historischen Dimension noch gar nicht absehbar. Es wird ein bitteres Erwachen.
Bis dahin werden hoffentlich die Unentwegten nicht aussterben. Menschen wie Alida Dors, die sich auch weiterhin mit dem Thema der Flucht auseinandersetzen. Dem Verlust seiner kompletten Habe, sozialen Rückhalts, seiner Heimat. Dors ist Choreografin und hat sich mit ihrer Compagnie BackBone in ihrem neuen Stück Rebound, das sie jetzt im Tanzhaus NRW als deutsche Erstaufführung zeigt, mit der Frage auseinandergesetzt, woher Menschen in scheinbar ausweglosen Situationen ihre „übermenschliche“ Widerstandskraft nehmen, sich aufzulehnen, durchzuhalten, immer wieder neu anzulaufen gegen alle Barrikaden. Nein, die Rede ist nicht von Deutschen, die sich mit aller Härte gegen Regierungsbeschlüsse wenden, die der Menschenwürde zuwiderlaufen. Die Rede ist von Menschen, die in der eigenen Heimat so sehr um ihr Leben fürchten müssen, dass sie alles in Kauf nehmen, um in Sicherheit zu gelangen.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Tanz | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Choreografie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Auf der Bühne stehen drei Tänzerinnen vor vier schräggestellten, weißen Trampolinen und warten geduldig darauf, dass die wenigen Besucher Platz nehmen. Dann präsentiert Jeffrey Steenbergen seinen großartigen Einfall, wie er Szenenwechsel bewerkstelligen will. Er blendet das Publikum so brutal, dass selbst der letzte die Augen schließen muss, will er keine Schäden nehmen. Er verdirbt beinahe den Abend, noch ehe er richtig begonnen hat. Nachdem das Licht erloschen ist, haben die Tänzerinnen ihr „HipHop-Outfit“ abgelegt und tanzen in eierschalenfarbenen Latzhosen mit braunen T‑Shirts, weißen Tennis-Socken und Turnschuhen. Die Kostüme von Isis Vaandrager sind alles andere als aufregend, das gilt auch für die drei Männer, die nach einem weiteren Szenenwechsel auftreten, nachdem die Damen abgetreten sind. Erst im nächsten Bild werden sie alle gemeinsam auftreten. Aber praktisch ist die Bekleidung. Und das ist auch dringend notwendig bei dem, was die Tänzer zeigen.

Hier werden sie alle gezeigt. Die Überlebenskünstler, die versuchen, ihren eigenen Weg zu gehen und gegen alle Gegner mit Überzeugung antreten, auch wenn kein Durchkommen zu sein scheint. Die Menschen, die sich auf dem Rücken ihrer Solidargemeinschaft zu profilieren versuchen. Aber auch die, die sich zusammenschließen, um gemeinsam stark zu sein. Dors setzt auf starke, ja, mitunter martialische Bilder. Figuren aus dem HipHop-Tanz, Akrobatik und kräftezehrende Gruppentänze sind ihr Material. Genial die Idee, die Trampolinwände einzusetzen. Da wäre choreografisch mehr drin gewesen. Erst gegen Ende kommen die Wände verstärkt zum Einsatz.
Vernon Chatlein hat eigens für das Stück die Musik komponiert und führt sie auch selbst live auf. Vorsichtshalber werden vor Beginn der Aufführung Ohrenstöpsel verteilt. Warum muss die Musik so laut sein, dass Ohrenstöpsel notwendig sind? In diesem Fall bleibt die Lautstärke moderat, die Stöpsel sind wohl eher für besonders geräuschempfindliche Menschen verteilt worden. Schlagzeug und Synthesizer beherrschen das Klangbild. Das passt gut zum Thema und ist auch dann noch aufrüttelnd, wenn die Tänzer mal nicht auf den Punkt kommen.
Insgesamt ein tänzerisch und musikalisch kraftvoller Abend, der insbesondere deshalb ein gutes Gefühl hinterlässt, weil bei aller Perspektivlosigkeit immer noch das Fünkchen Hoffnung in der Energie der Tänzer bleibt. Wir werden es schaffen, ist die Botschaft des Abends, die vom Publikum nach einer Stunde begeistert applaudiert wird. Ein Sonderapplaus für die Choreografin, die an dem Abend nicht in Erscheinung tritt, dass sie weiter daran arbeitet, unser Weltbild zu korrigieren.
Michael S. Zerban