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BIG FISH
(Andrew Lippa)
Besuch am
9. März 2019
(Premiere)
Dass sich der Erfolg von Andrew Lippas Musical Big Fish sowohl bei der Uraufführung in Chicago 2013 als auch später am Broadway nicht auf Anhieb einstellte, ist nachvollziehbar. Der epische Charakter der Roman-Vorlage von Daniel Wallace mit seinen märchenhaften Elementen bietet nicht unbedingt den gewohnten Stoff für eine fetzige Musical-Produktion. Und dem recht zähen und sentimentalen Schluss-Akt könnte eine Straffung nach wie vor nicht schaden. Gleichwohl hat sich mittlerweile auch dieses bunte, in seiner Harmlosigkeit sogar zum Weihnachtsmärchen taugende Musical einen Platz auf den Bühnen der Welt erobern können.
Nach der Münchner Premiere wird Big Fish als Koproduktion mit der Münchner Theaterakademie August Everding und der dortigen Musikhochschule ab jetzt auch im Gelsenkirchener Musiktheater im Revier gezeigt. Und das mit großem Erfolg, wie die Reaktionen des Premieren-Publikums zeigen.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Im Zentrum der Handlung steht ein komplexer Vater-Sohn-Konflikt. Der Handlungsreisende Edward Bloom überhäuft seinen Sohn Will mit fantastischen Geschichten, in denen er vorgibt, mit Hilfe von Hexen, Nixen und Riesen jedes Problem lösen zu können. Mit wachsendem Alter durchschaut der kluge Junge den schütteren Wahrheitsgehalt der Erzählungen und auf seiner Hochzeit mit Josephine kommt es zum Bruch mit dem Vater. Als Will später ans Krankenbett des sterbenden Vaters gerufen wird, erfährt er, dass ihm Edward ausgerechnet die einzig wahre Großtat seines Lebens, die Rettung seiner Heimatstadt Ashton vor den Fluten eines Staudamms, verschwiegen hat. Er erkennt, dass es seinem Vater bei den Lügengeschichten nur um den aufmunternden Appell an seinen Sohn gegangen ist: „Nimm dein Leben selbst in die Hand! Sei der Held deiner eigenen Geschichte.“
Eine etwas naive Weltsicht, die sich in vielen netten, aber nicht besonders profilierten Songs niederschlägt. Pepp erhält die Aufführung durch die vielen Ensemble- und Tanzszenen, in denen Hexen, Zirkusleute, Revuegirls, Hochzeitsgäste und Soldaten die Handlung in Fahrt bringen. Hier kann auch Lippa mit seinem Stilmix von balladesker Wehmut über Tingel-Tangel bis zum Western-Hilly-Billy voll überzeugen.

Der Wechsel zwischen Heute und Gestern, die Verschmelzung von Realität und Fantasie animieren Regisseur Andreas Gergen zu einer kunterbunten Märchenwelt mit reizvollen optischen Impulsen. Das betrifft sowohl die an sich schlichten, aber überaus raffiniert durch Video-Sequenzen und Lichteffekte aufgemischten Bühnenbilder von Sam Madwar als auch die besonders kreative, geradezu überbordende Sturzflut von Kostümen aller Art unter der Federführung von Ulli Krämer. Und Gergen versteht es zudem, sowohl die Solisten wie auch das Gesamtensemble absolut professionell zu führen.
Dabei erweist es sich natürlich als hilfreich, dass man zwölf Musical-Profis mit verpflichtet hat, so dass die Gelsenkirchener Produktion aus dem Stück herausholt, was nur zu holen ist. Und das gelingt auch Heribert Feckler an der Spitze der neunköpfigen, hinter der Bühne postierten Band, die den Gang durch die Stile vom fetzigen Marsch bis zum federnden Swing vorzüglich bewältigt.
Die Mischung von Ensemblemitgliedern mit den speziellen Gästen sichert der Produktion auch gesanglich ein erfreulich hohes Niveau. Benjamin Oeser als Edward und Dennis Hupka als Will bleiben ihren recht anspruchsvollen Aufgaben nichts schuldig. Desgleichen Theresa Christahl und Sina Jacka in den zentralen Frauenrollen der Gattin Sandra und Wills Braut Josephine. Die kleineren Partien lassen ebenfalls kaum einen Wunsch offen. Das betrifft Publikumsliebling Rüdiger Frank als zynischen Zirkusdirektor ebenso wie Oliver Aigner als überdimensionalen Riesen Karl mit seinem pechschwarzen Bass oder Anke Sieloff als Hexe und Edwards verflossene Geliebte Jenny Hill. Professionelle Tanzeinlagen runden den unterhaltsamen, wenn auch im letzten Teil zu langen Abend adäquat ab.
Begeisterter Beifall des Premierenpublikums für alle Beteiligten.
Pedro Obiera