O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Arno Declair

Babylon im Paternoster

BABYLON
(Jörg Widmann)

Besuch am
9. März 2019
(Urauf­führung)

 

Staatsoper Unter den Linden, Berlin

Babylon ist seit jeher ein Begriff für Multi­kul­tu­ra­lität, Sprachen­wirrwarr und Promis­kuität. 2012 haben sich der Komponist Jörg Widmann und der Philosoph und Dichter Peter Sloterdijk an das Thema gewagt.  Nun hat Widmann für die Staatsoper Berlin das Werk überar­beitet, und die revidierte Fassung kommt zur Uraufführung.

Was war das für ein Ort, dieses Babylon? Die Haupt­stadt eines Stadt­staates am Fluss Euphrat, wo sich in vorchrist­licher Zeit Wissen­schaft, Handel und Kunst entfalten konnten. Vertreter vieler Kulturen haben dort neben­ein­ander gelebt und sich gegen­seitig beein­flusst. Widmann konzen­triert sich auf Babylonier und Juden. Zusammen mit Sloterdijk hat er ein Werk geschrieben, das sich stark an einer Dreiecks­lie­bes­ge­schichte orien­tiert. Der jüdische Tammu ist hin und her gerissen zwischen seiner reinen Seele und der Liebe zu der sehr irdischen babylo­ni­schen Pries­terin Inanna. Es finden orgias­tische Feste, Träume der Sintflut, göttliche Einge­bungen statt, bis hin zur Verkündung, dass Tammu den Göttern als Opfer darge­bracht werden soll. Nach dem Opfer beschließt Inanna, in die Unterwelt zu gehen, um den Geliebten aus dem Todes­reich zu befreien. Es gelingt ihr, Schwester Tod davon zu überzeugen. Inanna und Tammu sind auf der Erde vereint. Ein Regen­bogen veran­schau­licht, dass es zu einem neuen Bund zwischen Himmel und Erde gekommen ist, mit einer Wochen­ein­teilung, bei der jeder Gott in Babylon seinen Tag bekommt. Ein Kind mahnt zur eigenen Verant­wortung, und die Seele löst sich in Licht auf, damit sie in Zukunft für alle scheint.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Jörg Widmann, mittler­weile Mitte 40 und als arrivierter Musiker und Komponist gefeiert, hat in Babylon so alles hinein­ge­packt, was geht – von rein klassi­schen Arien über disso­nante Cluster, Militär­märsche wie auch Filmmusik und einige – wenige – kammer­mu­si­ka­lische Momente. Dirigent Chris­topher Ward, schon bei der ersten Fassung in München dabei, hält die großan­ge­legten Mannschaften auf der Bühne und im Graben gekonnt zusammen und entlockt beiden – zu – laute Farbmalerei.

Bühnen­bildner Harald Thor hat einen mehrstö­ckigen Pater­noster gebaut, voller kleiner Räume, in denend sich die Bewohner tummeln und ihren Aktivi­täten nachgehen, die oft sexueller Natur sind. Hier fehlt jeglicher Sonnen­schein oder frische Luft. Der visuelle Querschnitt ist düster und dunkel – man kann sich leicht die Kaker­laken und Gerüche dazu denken. Dazu passen die Kostüme von Tanja Hofmann, die vom modernen Lumpen-Look bis hin zu B‑Film-Science-Fiction-Trachten reichen. Olaf Freese leuchtet diese Bühne wie ein Gemälde aus, voller hell-dunkler Anspielungen.

Foto © Arno Declair

Regisseur Andreas Kriegenburg malt klischeereiche Figuren mit dem großen Regie­pinsel. Er hat seine liebe Mühe, alle Gruppen zu organi­sieren – ständig ist in jedem Winkel etwas los, das Auge kommt nur schwer mit, alles auf einmal zu erfassen. Dabei kann er sich auf einen äußerst spiel­freu­digen Chor in der Einstu­dierung von Martin Wright und Anna Milukova, Statis­terie und Kinderchor verlassen, die das Gesamtbild beleben und den Eindruck des multi­kul­tu­rellen Chaos in ihrer Rubens-ähnlichen Üppigkeit verstärken.

Tenor Charles Workman stolpert wirkungsvoll zwischen den beiden Welten der gegen­sätz­lichen Prinzipien: Einer­seits von der in strah­lendem Weiß erschei­nenden Mojca Erdmann, die seine jüdische „Seele“ mit klarstem Sopran anspricht und ander­seits der wollüs­tigen Pries­terin der Liebes­göttin Inanna. Susanne Elmark, in schim­mernd rotem Paillet­ten­kleid und mit warmem Kolora­tur­sopran überzeugt als die sich aufop­fernde Geliebte. Der Pries­ter­könig wird würdevoll von Altmeister John Tomlinson gebracht. Bassba­riton Otto Katzameier ist überzeugend in der wendigen Rolle der mit einer Dornen­krone ausge­statten Figur des Todes. Mezzo Marina Pruden­skaya ist der wogende und lebens­spen­dende Fluss Euphrat. Counter­tenor Andrew Watts als Skorpion-Mensch gibt eine rätsel­hafte, kommen­tie­rende Figur, die sich am Ende selbst vernichtet.

Trotz aller musika­li­scher und visueller chaoti­scher Pracht bleibt am Ende eine gewisse Unbefrie­digung. War das jetzt ein Happy End oder kracht die Welt jetzt erst recht zusammen? Vermutlich kann jeder Zuschauer seinen eigenen Schluss daraus ziehen.

Die Premiere wird im Livestream auf der Webseite der Staatsoper übertragen. Schade, dass der Livestream nicht noch mindestens 24 Stunden danach zu sehen ist für dieje­nigen, die diese wichtige Premiere en detail noch einmal ansehen wollen.

Zenaida des Aubris

Teilen Sie O-Ton mit anderen: