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RUSALKA
(Antonín Dvořák)
Besuch am
16. März 2019
(Premiere am 10. März 2019)
Nach Benjamin Brittens Peter Grimes ist der Kölner Oper mit einer fulminanten Produktion von Antonín Dvořáks berühmtester Oper Rusalka ein weiterer Volltreffer gelungen. Erfolgsmomente, die das seit Jahren schlingernde Haus dringend braucht. Dass Dvořáks berückend schönes und ergreifendes Werk 118 Jahre nach der Prager Uraufführung damit zum allerersten Mal in Köln erklingt, mag man kaum glauben. Dafür wird die brandneue Produktion sowohl szenisch als auch musikalisch nahezu jeder Faser des Werks gerecht.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Nadja Loschky, ehemalige Assistentin von Hans Neuenfels, spürt der emotionalen Intensität und tragischen Tiefe des Werks hypersensibel und handwerklich professionell nach, arbeitet das innere Drama der unglücklichen Wassernixe schnörkellos und zugleich kreativ heraus, ohne sich an kopflastigen Überinterpretationen zu verheben. Der Wunsch Rusalkas, der trüben Enge ihres Waldsees zu entfliehen und als Menschenfrau die Liebe erfahren zu dürfen, die sie sich von der Menschenwelt erhofft, erzählt die Regisseurin als dunklen Tagtraum, angesiedelt in einer weitgehend leeren, meist dunkel ausgeleuchteten Bühne, die im Hintergrund von einer bedrohlich hervorragenden Welle begrenzt wird. Da das Orchester im Deutzer Staatenhaus seitlich postiert ist, sitzt das Publikum der riesigen Spielfläche besonders nah. Und da Ausstatter Ulrich Leitner auch mit den Requisiten sparsam umgeht und sich mit drei Betten begnügt, stehen die Figuren mit ihren persönlichen Spannungen allein und unverstellt im Blickfeld des Publikums.

Die Inszenierung verweigert trotz großer Empathie für das Schicksal Rusalkas, aber auch des ebenfalls emotional zerrissenen Prinzen, jedes Anzeichen einer romantisierten Aufweichung des Psycho-Dramas. Pittoreske Wald- und Seenlandschaften im Mondenschein sucht man vergebens. Stattdessen ist Rusalka im ersten Akt in einem mit Fischen und Netzen überzogenen Bett gefangen; von ihrem Vater, dem Wassermann, aus Sorge vor den Anfeindungen und Sünden der Welt quasi unter Verschluss gehalten. Nach ihrer Befreiung mit Hilfe der Hexe Jezibaba sieht sie sich im zweiten Akt einem prunkvollen Brautbett ausgesetzt, das für sie jedoch tabu bleibt. Und im dritten Akt steht ihr nur noch ein wie Strandgut angeschwemmtes, verrostetes Bettgestell zur Verfügung. Nach dem todbringenden Kuss, mit dem sie den Prinzen erlöst, schreitet sie einsam und verlassen einer ungewissen Zukunft entgegen.
Jede Figur erhält ein scharf gezeichnetes Profil, jede äußere und innere Regung wird angemessen umgesetzt. Und dafür steht der Regisseurin ein brillantes Ensemble zur Verfügung, aus dem sich Olesya Golovneva in der Titelrolle noch heraushebt. Eine grazile, geradezu zerbrechliche Bühnenerscheinung mit einer substanz- und schattierungsreichen Stimme und einer starken emotionalen Ausstrahlung. Attribute, mit denen die Sängerin das Kölner Publikum bereits als Traviata und Lucia di Lammermoor begeistert hat.
Samuel Youn als Wassermann, den Nadja Loschky als sorgenden Übervater zeichnet, setzt mit seinem schwarzen, eindringlichen Bass ebenfalls starke Akzente. Mit lyrischem Schmelz, aber auch mühelos ansprechenden Spitzentönen wird Jeongki Cho der von Dvořák etwas blass gezeichneten Rolle des Prinzen gerecht. Ein weiteres Kabinettstückchen ihrer Darstellungskunst bringt Dalia Schaechter als Hexe Jezibaba mit ihrer geradezu raumsprengenden Bühnenpräsenz ein. Adriana Bastidas-Gamboa, eigentlich eine Mezzospranistin, schärft die Sopranpartie der fremden Fürstin mit grellen Spitzentönen. Nicht immer schön, aber nicht ganz unpassend. Ein unaufdringlich clownesk agierendes Elfen-Trio ohne vokalen Makel bieten Emily Hindrichs, Regina Richter und Judith Thielsen. Auch die kleineren Partien sind ausnahmslos rollendeckend besetzt.
Der Leipziger Kapellmeister Christoph Gedschold verfügt über das nötige Gespür für das spezifische Kolorit der melodischen und klanglichen Offenbarungen, die die Partitur bereithält. Vor allem in den zarten, lyrisch geprägten Teilen zeigt sich das Gürzenich-Orchester von seiner besten Seite. In den dynamischen Höhepunkten verliert der Klang bisweilen an der nötigen Kontrolle.
Gleichwohl eine szenisch wie musikalisch überragende Produktion einer der schönsten romantischen Opern, die das Publikum mit großer Begeisterung feiert.
Pedro Obiera