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Als Barrie Kosky den inzwischen 83-jährigen Meister und ehemaligen Chefregisseur der Komischen Oper, Harry Kupfer, carte blanche gab, sich ein Stück für seine Rückkehr nach 17 Jahren an dieses Haus auszusuchen, viel seine Wahl gleich auf Poros, re dell’Indie von Georg Friedrich Händel, das 1731 in London zur Uraufführung kam. Bei dieser selten gespielten Oper hatte Kupfer 1956 in Halle als Regieassistent gearbeitet und seitdem den Wunsch gehegt, sie selbst zu inszenieren. Nun hat er Gelegenheit dazu.
Die Handlung basiert auf Pietro Metastasios Interpretation der Begegnung von Alexander dem Großen mit König Porus in 326 vor Christus. Susanne Felicitas Wolf hat das italienische Original in einer neuen deutschsprachigen Nachdichtung erstellt, die sich zwar teilweise etwas schwerfällig anhört, aber dankeswerterweise meist klar von den Sängern artikuliert wird. Kupfer verlegt die Geschichte in die Zeit der britischen Kolonialisierung. Sir Alexander ist der edelmütige Eroberer, der die Königreiche von Poros und der schönen Königin Mahamaya besetzt, der die Intrigen aus den eigenen Reihen wie auch die der Eroberten vergibt – Mozarts Titus und Mitridate lassen grüßen. Es geht auch um die eifersüchtige Natur von König Poros und seine Liebe zu Mahamaya. Er versteht nicht, dass Mahamaya ihren Charme nur aus politischen Gründen bei Sir Alexander einsetzt und trotzdem ihre Treue zu Poros hält. Aus diesem Szenario entsteht die Geschichte, die dann doch ein Happy End erfährt – in dieser Inszenierung mit dem tödlichsten aller Kolonialgeschenke – Waffen und Alkohol.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
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| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Bühnenbildner Hans Schavernoch, ein langjähriger Kupfer-Weggefährte, hat großformatige, feste Elemente wie auch Dschungelprojektionen – zusammen mit Videodesigner Thomas Reimer – voller Luftwurzeln entworfen, die einerseits an exotische Orte, anderseits an die Verwirrung der Gefühle erinnern. Im Laufe des Abends wird die Hintergrundbotanik deutlich ordentlicher. Ein sich langsam-drehender, leicht schräger Podest in Form der indischen Landkarte mit großer Buddha-Figur erlaubt Aktion auf mehreren Ebenen, die auch so auf die psychologische Deutungen und Machtstellungen hinweisen. Besonders markant sind die Projektionssegel, die bis in den Zuschauerraum ragen und Fläche für den britischen Union Jack bieten und am Ende der Oper auch hinuntergefahren werden – ein nicht so subtiler Hinweis auf den bevorstehenden Brexit?
Ergänzt wird diese videolastige Naturpracht mit den Kostümen von Yan Tax – auch hier deutliche Kolonialkostümierung für die Engländer mit ordentlichen Khakianzügen und Helmen, rote Pluderhosen für die Inder und wunderschöne Sari-Kreationen für die Damen.

Das als Opera seria konzipierte Werk ist eine Folge von Secco-Rezitativen und Da-capo-Arien. Nur am Ende des ersten Aktes und im letzten Akt lässt Händel seine Charaktere ihre Liebe und ihr Leiden herrlich zusammenschmelzen. Selbst Cembalist, führt Dirigent Jörg Halubek das Orchester mit großer Sensibilität, wenn es auch eher bei einem meist gepflegten Mezzo-forte bleibt. Das Orchester ist im Continuo um Theorbe und Barockgitarre ergänzt. Es bleibt beim Filigranen – kontrastreiche Akzentuierungen und Gefühlsausbrüche bleiben fern.
Durchweg hervorragend homogen ist das Sängersextett: Allen voran die feinfühlige und wunderschön timbrierte Sopranstimme von Ruzan Mantashyan als Königin Mahamaya, die sie besonders in ihrem Lamento im dritten Akt zum Ausdruck bringt und für die Zukunft aufhorchen lässt. Als Nimbavati, Schwester von Poros, ist Idunnu Münch eine selbstbewusste junge Frau, die ihren Weg geht und Leben genießt – mit einer farbenreichen, warmen Mezzo-Lage ausgestattet. Im Gegensatz zur ursprünglichen Besetzung bei Händel, ist Poros hier kein Kastrat, sondern wird vom Bariton Dominik Köninger verkörpert. Singend lässt der sich von einem Lianen-Seil im ersten Akt auf die Bühne hinab und etabliert sogleich seinen kompletten Einsatz von Körper und Stimme für die Rolle. Das bei Poros das Blut zu schnell zu Kopf steigt und er unüberlegt handelt, zeigt Köninger mit Überzeugung. Aber auch stimmlich vermittelt er mit seinem einfühlsamen Bariton alle Gefühlslagen. Countertenor Eric Jurenas gibt die Rolle des gütigen Eroberers Sir Alexander mit Würde und sicherer Intonation. Bass Philipp Meierhöfer ist der Feldherr Gandharta, der mit noblem Bass der treueste aller treuen Freunde von Poros ist und seiner Liebe zu Nimbavati hingebungsvollen Ausdruck verleiht. Bass João Fernandes ist der hölzern verklemmte Intrigant an der Seite von Sir Alexander.
Am Ende des gut dreistündigen Premierenabends gibt es einhelligen Applaus für das gesamte Team, besonders natürlich für Harry Kupfer, der sich jetzt seinen Traum erfüllen konnte. Allerdings fragen sich viele in der anschließenden Premierenfeier, warum gerade dieses Stück ihn so fasziniert hat.
Zenaida des Aubris