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LES DIALOGUES DES CARMÉLITES
(Francis Poulenc)
Besuch am
26. März 2019
(Premiere am 26. Januar 2019)
Innerhalb kurzer Zeit haben sich gleich drei Bühnen der Region – das Theater Aachen, das Gelsenkirchener Musiktheater im Revier sowie jetzt auch das Theater Krefeld Mönchengladbach – auf erfreulich hohem Niveau Francis Poulencs bedeutendster Oper, Les Dialogues des Carmélites, also die Gespräche der Karmeliterinnen, gewidmet. Allen drei Produktionen gelingt es, mit unterschiedlichen Ansätzen die ungebrochene Ausdruckskraft des Werks angemessen zur Geltung kommen zu lassen. Und das nahezu ausnahmslos mit eigenen Kräften. Das historisch authentische Märtyrerschicksal der 16 Nonnen des Pariser Karmeliterklosters von Croissy, die sich 1792 der Aufforderung des Revolutionstribunals verweigerten, ihr Ordensgelübde abzulegen und dafür gemeinsam in den Tod gingen, deuten die Schwestern Beverly und Rebecca Blankenship in Krefeld als Symbol für die Kraft, die von religiösen, aber auch anderen ideologischen Überzeugungen ausgehen kann. Eine euphorische Heldenhymne stimmen sie dabei nicht an. Denn die 16 Nonnen möchten sie stellvertretend für andere „Märtyrerinnen“ der Geschichte verstanden wissen, von der Jüdin Edith Stein über die iranische Feministin Fatima Baraghani bis zur palästinensischen Selbstmordattentäterin Waafa Idris. Deren Bilder und biografische Skizzen empfangen den Besucher bereits im Foyer und säumen am Ende den Gang der Nonnen zur Guillotine auch auf der Bühne.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Diese Verknüpfungen führen die Regisseurinnen dezent aus, ohne von der Handlung abzulenken, die bewusst auf einem schlichten Podium ohne nennenswerte Kulissen dargestellt wird. Das im Bühnenhintergrund postierte Orchester bleibt trotz eines Gaze-Schleiers immer sichtbar und lässt Ausstatter Christian Floeren keinen Platz für aufwändige Bühnenbilder. Einzig Einblendungen der genannten „Märtyrerinnen“ zieren den Hintergrund. Ansonsten konzentriert man sich auf die Seelendramen der Nonnen, die Poulenc nach der Vorlage des berühmten Romans Die Letzte am Schafott von Gertrud von le Fort sehr menschlich und differenziert, jedoch alles andere als eifernd heldenhaft charakterisiert. Letztlich wird nicht nur die zentrale Figur, Blanche, von den Todesängsten Christi, von Ängsten durchschüttelt, sondern der ganze Karmel. Das Gefühl der Bedrohung beherrscht das gesamte Klosterleben. Unmittelbar an der Rampe suchen die Nonnen immer wieder, eng umschlungen, in der Gemeinschaft Zuflucht. Das inszenieren Beverly und Rebecca Blankenship ebenso intensiv wie schlicht.

Die Arroganz des Adels über den Pöbel spiegelt sich in einer unterwürfig den Boden schrubbenden Putzkolonne wider. Auch hier verzichtet man auf Übertreibungen. Ebenso beim zivilisierten Auftritt der Revolutions-Vertreter. Dass am Ende ein blutüberströmter Henker die um die Guillotine versammelten Frauen erschreckt, wirkt in seiner plakativen Drastik in dieser Inszenierung schon deplatziert übertrieben.
Das Gottvertrauen der Gemeinschaft wird bis zum gemeinsamen Ende auf eine harte Probe gestellt. Vor allem die ergreifenden Auftritte der todkranken Priorin, die ihre Angst und ihre Wut ohne jede frömmelnde Ergebenheit schroff und am Rande der Gottesverleugnung ausdrückt, unterstreicht die bereits verlorene Rolle des Klosters als Asyl des Glaubens und Friedens.
Das vorzügliche Ensemble hat keinerlei Probleme, sich gegen die weit im Hintergrund postierten und von Mikhel Kütson sehr aufmerksam und sängerfreundlich geführten Niederrheinischen Sinfoniker durchzusetzen. Dennoch kann Kütson genügend Leuchtkraft und Substanz entwickeln, so dass die Qualität der schillernden Partitur zu ihrem Recht kommt. Der ebenso verdienstvollen wie zuverlässigen Sopranistin Sophie Witte als Blanche gelingt ein überzeugendes Psychogramm einer jungen Frau, die ihre Ängste am Ende überwindet. Grandios auch Kerstin Brix als alte, verbitterte Priorin Madame de Croissy. Eva Maria Günschmann bewegt sich als Novizenmeisterin Mère Marie auf gleichem Niveau. Ebenso Panagiota Sofroniadou als jugendlich optimistische Novizin Constanze. Auch die vielen kleineren Rollen sind adäquat besetzt.
Langanhaltender Beifall für einen eindrucksvollen Beitrag des Theaters Krefeld Mönchengladbach.
Pedro Obiera