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Sieg der Liebe über die Blindheit

KING ARTHUR
(Henry Purcell)

Besuch am
30. März 2019
(Premiere)

 

Mainfranken-Theater Würzburg

Es war wohl das Musical des 17. Jahrhun­derts in England, die fünfaktige Semi-Oper King Arthur von Henry Purcell, ein Dreiklang aus Musik, Schau­spiel und Tanz, eine Mischung von Komödie und Tragödie nach der Dichtung von John Dryde. Darin sind die Haupt­rollen für die Schau­spieler gedacht, die Neben­rollen, allego­rische Figuren wie Cupido oder der Genius der Kälte, werden gesungen. Märchenhaft magische Elemente durch­ziehen die revue­artige Handlung mit ihren meist kurz wechselnden Szenen. Hier wird aber nicht die berühmte Artus-Sage thema­ti­siert. Vielmehr geht es um die Geburt des briti­schen Empire nach dem Sieg des briti­schen Königs Arthur im Zweikampf mit dem Sachsen­könig Oswald. Friede zwischen den verfein­deten Parteien wird vor allem durch eine Frau, die Verlobte von Arthur, Emmeline von Cornwall, herbei­ge­führt. Ein zweites wichtiges Thema erschließt sich im dritten Akt in der bekannten Frost-Szene und der Botschaft, dass die Macht der Liebe selbst das kälteste Herz auftauen könne.

Im Mainfranken-Theater Würzburg wird nun sehr überzeugend von allen drei Sparten des Hauses das alte Werk überra­schend frisch aus der Taufe gehoben und erhält in der Regie von Dominik von Gunten und Kevin O’Day moderne, unter­haltsame Züge. Alles beginnt mit einem Donner­schlag: Das magische Schwert Excalibur steckt plötzlich in der Erde, das Arthurs Königs­würde legiti­miert, und sein Adlatus, der Zauberer Merlin, ein künst­le­ri­scher Typ im hellen Anzug, teilt den zuschau­enden Mitwir­kenden ihre Rollen zu, und sie schlüpfen dazu in Kleider, die von der Decke herab gefallen sind. Das Spiel beginnt vor einem eigentlich neutral schwarzen Hinter­grund, und Philipp Nicolai deutet erst ab dem dritten Akt mit einzelnen Segmenten und passendem Licht sowie Projek­tionen Schau­plätze an wie Landschaft oder Wald. Am glück­lichen Ende schließen sich die getrennten Teile zu einem spiegelnden Haus zusammen. Eine auch optisch eindrucks­volle Szene ist das Ritual der Sachsen in ihren sackähn­lichen Gewändern, als drei Männer den heidni­schen Göttern Wotan, Thor und Freya geopfert werden durch Pries­ter­ge­stalten mit Gestrüpp-Kronen auf dem Kopf, im Schat­tenriss eine geheim­nis­volle Zeremonie.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Die Gesangs­rollen werden hier von Mitgliedern des Chors bestritten, auffallend stimm­schön von der Mezzo­so­pra­nistin Hiroe Ito und dem Bass David Hieronimi. Die Kostüme von Sabine Böing verleiten immer wieder zum Hinschauen, etwa wenn die farbigen „briti­schen“ Uniformen kontras­tieren mit der grauen, „primi­tiven“ Bekleidung der Sachsen. Einprägsam ist auch das Bild der Schlacht, mit wehenden Bannern, mit Rauch und verquerem Gestänge, mit Leichen, bedeckt mit Fahnentuch. Diese depri­mie­rende Szene wird aufge­hoben durch die süßen, weißen Schäfchen, sechs kleine Mädchen mit Fellhosen, die ständig „Mäh!“ rufen. Wolken und Sümpfe sind weitere Hinweise auf Rettung oder Gefährdung. Immer wieder müssen die Chorleute ihr Äußeres wechseln, mal sind sie Geister, mal kommen sie in Blumen­kleidern, mal in Schwarz, am Ende in golden glitzernden Oberteilen. Zu bewundern sind dabei die sinnvolle, schnell wechselnde Choreo­grafie, die nahtlosen Übergänge zwischen Traum­vi­sionen und Realität, zwischen Sprech‑, Musik- und Tanztheater, wobei sich aber die Bewegungen der wenigen Tänzer meist nur in ähnlichen weiten Drehungen und etwas schema­ti­schen Hebungen erschöpfen, so dass der zweite Teil auch ein paar Längen aufweist.

Foto © Nik Schölzel

Dagegen wagen sich die Schau­spieler in der Gestaltung ihrer Kämpfe oft bis an die Schmerz­grenze: Die verfein­deten Könige, der Christ Arthur, Cedric von Borries, und der Heide Oswald, der kraft­volle Alexander Darkow, geraten am Schluss geradezu halsbre­che­risch im direkten Ringkampf anein­ander. Sie werden begleitet von ihren Zauberern, einem milden Merlin, Georg Zeies, und einem düsteren Osmond im schwarzen Kapuzen­pulli, Hannes Berg.  Heraus­ragend aber ist, wie Johanna Meinhard die blinde Emmeline spielt, wie sie nach Erlangen ihrer Sehkraft staunend sich selbst entdeckt und welche Natür­lichkeit sie dabei vermittelt, wie unschuldig sie in der Liebes­be­ziehung zu Arthur wirkt. Begleitet wird sie von ihrer Freundin und Dienerin Matilda, Maya Tenzer. Ein Glücks­griff ist auch Daniel Fiolka in der Gestalt des intri­ganten Erdgeistes Grimbald, einer irgendwie schmud­de­ligen Erscheinung, und er überzeugt auch noch gesanglich mit seinem klaren Bariton. Als Genius der Kälte imponiert Igor Tsarkov mit starkem Bass, und Akiho Tsujii kann als Cupido nicht nur flink und locker überall hinauf­klettern, sondern mit ihrem hellen, flexiblen Sopran das auch stimmlich ausdrücken. Ein genialer Einfall ist es, den Luftgeist Philidel durch drei ähnlich ausse­hende Damen verkörpern zu lassen, durch die Schau­spie­lerin Julia Baukus, die Tänzerin Katherina Nakui und die Sängerin Akiho Tsujii; dieses quirlige, neckische Dreige­stirn mit den weißen Tüllröckchen verhindert böses Ungemach. Zuver­lässig erfüllt Mathew Habib sänge­risch wie darstel­le­risch seine Aufgaben als Hirte, Priester und Waldwesen. Ein Garant für das glaub­hafte Vermitteln wechselnder Stimmungen ist der homogen und diffe­ren­ziert singende und ständig sinnvoll bewegte Chor, einstu­diert von Anton Tremmel.

Dass alles musika­lisch in angenehm frisch, lebendig und durch­sichtig klingendem Rahmen bleibt, dafür sorgt das Philhar­mo­nische Orchester Würzburg, in kleiner Besetzung halb hochge­hoben postiert, in histo­risch infor­mierter Spiel­weise, illus­trierend, wenn das Zittern in der Kälte nachge­zeichnet wird, oder süß-melan­cho­lisch schwelgend, sieghaft kämpfe­risch oder sogar witzig. Marie Jacquot leitet es engagiert und, da diese Semi-Oper nur ansatz­weise notiert ist, hat sie auch Musik­stücke aus anderen Werken Purcells heran­ge­zogen, etwa beim Preis der Einsamkeit, als Emmeline wieder sehen kann.

Nach dem Ende dieser den meisten Premie­ren­be­su­chern unbekannten Oper bricht im Großen Haus einhel­liger, langer Jubel los, und die vielen Mitwir­kenden werden immer wieder zum Beifall heraus­ge­beten. Die Anstrengung der langen Probezeit hat sich gelohnt und alle Sparten des Theaters einander näher­ge­bracht. Natürlich bleibt die dezente Anspielung auf den Brexit dem Publikum, das oft schmunzeln kann, nicht verborgen.

Renate Freyeisen

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