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Foto © Costin Radu

Breiners Abschied

EIN SOMMERNACHTSTRAUM
(Bridget Breiner)

Besuch am
31. März 2019
(Urauf­führung)

 

Musik­theater im Revier, Gelsenkirchen

Sie wurde 1974 in Connec­ticut geboren, erlernte den Tanz in Columbus, ehe sie mit 17 Jahren bei der Heinz-Bosl-Stiftung in München ihre Ballett-Ausbildung vervoll­stän­digte. Nach ihrem ersten Engagement beim Bayeri­schen Staats­ballett wurde sie in Stuttgart Erste Solistin. 2012 kam Bridget Breiner als Ballett­di­rek­torin an das Musik­theater im Revier in Gelsen­kirchen. Sieben Jahre später kann sie auf eine erfolg­reiche Zeit zurück­blicken. Nicht alles war Gold, aber Breiner gelang es, sich mit ihrer Compagnie mit 14 Tänzern gegen Düsseldorf und Essen zu behaupten und vor allem, diese Compagnie in der Stadt zu verankern. Die Gelsen­kir­chener lieben ihr Ballett. Das ist eine große Leistung. Jetzt steht fest, dass die Choreo­grafin nach Karlsruhe gehen wird. Ihr Feld in Gelsen­kirchen ist gut bestellt, ein Nachfolger gefunden. Also darf ihre letzte Choreo­grafie in der Ruhrme­tropole ein Fest werden.

Und mit welchem Stück könnte man ein schöneres Fest feiern als mit dem Sommer­nachts­traum von William Shake­speare? Hier wird doch alles geboten, was ein Ballett überhaupt nur zeigen kann. König­liches Personal, das stolz einher­schreitet, einfache Handwerker, die für Spaß und Unter­haltung sorgen, die mystische Umgebung des Waldes, viel Liebe und Wirrungen, ehe ein Happy End die Handlung beschließt. Also soll Shake­speares Fantasie die Ära Breiner in Gelsen­kirchen beenden. Und die Choreo­grafin wirft alles in die Waagschale, was ein gutes Ballett überhaupt nur ausmachen kann. Die volle Leistung der Compagnie, gute Musik, Spaß, Dramatik, Zauber – und das in einer ungewöhn­lichen Umgebung. Gute zwei Stunden gibt Breiner dem Bühnen­treiben, um ein bis auf den nahezu letzten Platz gefülltes Haus zu begeistern.

POINTS OF HONOR

Musik



Tanz



Choreo­grafie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Hilfe bekommt sie dabei von Jürgen Kirner, der für Bühne und Kostüme zuständig zeichnet. Das Bühnenbild löst Kirner in Transzendenz auf. Nicht die zwei Spielorte könig­licher Hof und Wald inter­es­sieren ihn, sondern die zwei Welten, die im Sommer­nachts­traum aufscheinen. Da gibt es die äußere Welt, reprä­sen­tiert durch eine Wand mit einem Einlass, vor der ein paar Stühle als Requi­siten ausreichen. Hier herrschen Macht, Luxus und Regeln. Und es gibt die innere Welt, in der Gefühle, Fantasie und Zauber wohnen, beschützt unter einem Schirm, der eingangs als Mond erscheint, um im Folgenden über den Handelnden seine Positionen zu wechseln. Das setzt sich in den Kostümen fort. In der „Außenwelt“ die Anzüge und könig­lichen Roben, setzt Kirner für die „Innenwelt“ hautfarbene Kostüme ein, auf denen sich Venen und Arterien abzeichnen. Die Handwerker, die außerhalb dieses Gefüges stehen, verwandeln sich in der Innenwelt zu angedeu­teten Tierge­stalten, ehe sie schließlich für die eigent­liche Party zuständig werden, wenn sie ihr Theater­stück aufführen dürfen. Bonnie Beecher setzt die Bühne ins rechte Licht. In der Grund­stimmung eher hell, darf alles sichtbar bleiben. Gekonnte Akzente unter­streichen die jeweilige Situation, und Verfolger lassen die solis­ti­schen Leistungen glänzen.

Foto © Costin Radu

Die Tänzer geben ihr Bestes. Paul Calderone zeigt einen hoheitlich einher­schrei­tenden Theseus, der auch als Oberon seine Fassung nicht verliert. Prima­bal­lerina Bridgett Zehr lässt auch dann ihren Ästhe­ti­zismus nicht außer Acht, wenn sie von Hippolyta zu Titania wechselt. Hitomi Kuhara zeigt an diesem Abend beson­deren Einsatz und große Ohren, die ihr als Puck zustehen. Ihr unermüd­licher Einsatz führt zu einer Muskel­zerrung im Fußbe­reich, die jede andere Tänzerin zur sofor­tigen Aufgabe gezwungen hätte. Es gibt aber keine Doppel­be­setzung, also macht Kuhara weiter, fast so, als sei nichts geschehen, auch wenn am Ende die Schmerzen kaum noch auszu­halten sind. Kompliment. Unter den Handwerkern tritt besonders Sarah-Lee Chapman in Erscheinung, wenn sie während der großartig unter­hal­tenden Theater­auf­führung der Handwerker einen Stepptanz vollführt. Überhaupt gibt es hier alles, was Spaß macht.

Und dazu gehört auch die Musik, die Breiner selbst zusam­men­ge­stellt hat. Die reicht von Felix Mendelssohn-Bartholdy über Duke Ellington, Charles Gounod, Henry Mancini bis zurück zu Richard Wagner in einer gelun­genen Mischung aus Lautsprecher- und Live-Musik. Marko Kassl am Akkordeon und Annette Reifig am Klavier haben die passenden Arran­ge­ments besorgt, und dass der Ton wie aus einem Guss klingt, ist Jan Wittkowski zu verdanken.

Am Ende des ausge­sprochen kurzwei­ligen Abends ist aus der Party ein rauschendes Abschiedsfest geworden. Das Publikum feiert Tänzer und Musiker enthu­si­as­tisch und gerät schier aus dem Häuschen, als endlich Bridget Breiner die Bühne betritt. Da reißt es die Zuschauer aus den Sitzen, und auch auf den Klatsch­marsch will man nicht verzichten. Ja, hier geht eindeutig eine Ära zu Ende, die den Menschen viel Freude bereitet hat. Am 6. Juli heißt es dann, mit einer Ballett-Gala endgültig Abschied zu nehmen von einer Ballett­di­rek­torin, die für Gelsen­kirchen auch in der überre­gio­nalen Wahrnehmung viel Gutes bewirkt hat.

Michael S. Zerban

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