O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Ruth und Martin Walz

Therapie für den Opern-Junkie

DIE VERLOBUNG IM KLOSTER
(Sergej Prokofjew)

Besuch am
13. April 2019
(Premiere)

 

Staatsoper Unter den Linden, Berlin

Im Rahmen der Festtage 2019 der Staatsoper Unter den Linden feiert die selten gespielte, lyrisch-komische Oper Die Verlobung im Kloster von Sergej Prokofjew als Neupro­duktion Premiere. Die musika­lische Leitung übernimmt Hausherr Daniel Barenboim, und die Insze­nierung ist von Dmitri Tcher­niakov – dem Berliner Publikum noch in bester Erinnerung ob seiner Insze­nierung der Zaren­braut von Rimsky-Korsakov vor einigen Jahren.

Aber wie gestaltet man eine Oper, die auf einer turbu­lenten Verwechs­lungs- und Verwand­lungs­ko­mödie aus dem 18. Jahrhundert basiert, damals geschrieben von dem irischen Stücke­schreiber Richard Brinsely Sheridan, angesiedelt im exoti­schen Sevilla, mit einem Libretto auf Russisch, von dem Kompo­nisten und Mira Mendelson verfasst, 1946 urauf­ge­führt, aber dann auch prompt „aus forma­lis­ti­schen Gründen“ verboten worden ist? Es ist ein besonders wortreiches, aber nicht unbedingt geist­reiches Libretto. Jede Rolle ist ein Stereotyp und agiert ebenso. Da tritt die alternde Diva auf, die junge Unschuldige, der geschäftige Vater, der bornierte, aber verarmte Edelmann, der idealis­tische junge Liebhaber, der sich in alles einmi­schende Impre­sario, der verständ­nis­volle Bruder und die junge, hübsche Erbin. Ein Lob an das Beset­zungsteam:  Es sind alle Sänger hervor­ragend typge­recht ausge­sucht und musika­lisch stark.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Im Grunde geht es um die ewige Geschichte – der verarmte, noble Don Jeronimo will seine Tochter Luisa gut unter die Haube bekommen. Da kommt der ältere, aber reiche Fisch­händler Mendoza gerade recht.  Luisa jedoch liebt einen feschen, jungen, armen Burschen, Don Antonio.  Dann gibt es noch ihren Bruder Don Ferdinand, der wiederum in ihre beste Freundin Clara, die reiche Erbin, verliebt ist. Und natürlich die alternde Amme, die sich in alles einmischt und letzt­endlich dann den Fisch­händler bekommt.  Es folgen Verwech­se­lungen, Kapriolen, Verklei­dungen, heimliche Treffen, die üblichen Theater­tricks, die als Wahrheit gelten sollen. Ach ja, das Finale wird in einem schutz­bie­tenden Kloster ausgetragen.

Dmitri Tcher­niakov, der auch für das Bühnenbild verant­wortlich zeichnet, versetzt die Geschichte ins Heute als Treffen der Anonymen Opern-Junkies: In einem kargen Probenraum, mit ausge­dienten Theater­sitzen, trifft sich eine zusam­men­ge­wür­felte Gruppe, die alle der Droge Oper verfallen sind und Hilfe suchen.  Einer nach dem anderen kommen sie in den von Elena Zaytseva entwor­fenen Kostümen in den Raum, die zum seeli­schen Zustand der Teilnehmer des Workshops passen – mal flippig, mal ultra­kon­ser­vativ, immer stimmig.

Thema dieser Therapie-Sitzung: „Wir basteln eine Oper“.  Jeder Teilnehmer wird per Übertitel vorge­stellt – zum Beispiel die einstige Operndiva, die jetzt mit ihrem Alter zurecht­kommen muss. Der Moderator der Gruppe gibt das Thema an und schreibt die Haupt­rollen auf eine weiße Tafel. Nun nimmt sich jeder seine Rolle, und es fängt die Opern-Impro oder das Opern-Reality-Game an. Dieses Konzept ist zwar anfänglich stimmig, aber es trägt nicht die gesamte, fast dreistündige Oper. Zumal die selbst aufer­legten Regeln der Gruppe besagen, dass alle Teilnehmer ständig auf der Bühne anwesend sein müssen. Keiner darf den Raum während der Therapie verlassen.

Prokofjew kompo­niert eine rasante Parlando-Oper, mit wunder­baren Gefühls­aus­brüchen und verzwei­felten Seelen­er­for­schungen, alle mit einem gehörigen Schuss Ironie und Sarkasmus abgerundet. Barenboim versteht sehr wohl, dass Timing bei der Komik unabdingbar ist und erzielt die Balance der zwischen Ironie und Kalauer, Drama und großen Gefühlen changie­renden Musik gemeinsam mit der bestens aufge­legten Staatskapelle.

Foto © Ruth und Martin Walz

Langsam identi­fi­zieren sich die Teilnehmer mit ihren Rollen.  Das Ende der Sitzung wirft also die Frage auf:  Wie geht es weiter mit diesen Paarungen? Vielleicht haben sich doch die gespielten Paare gefunden?  Nach einem angekün­digten Ende, insze­niert Tcher­niakov einen bunten Traum von Don Jeronimo, in dem alle nur erdenk­lichen Opern­typen auftauchen: Falstaff, Königin der Nacht, Aida, Pavarotti als Rigoletto, Othello, Papageno, Gruberova aus Roberto Devereux – der Chor darf nochmals an einem ausge­las­senem Finale teilnehmen.

Die Besetzung ist für die verschie­denen Typen dieser Ensemble-Oper bestens ausge­ar­beitet: Aida Garifullina als Luisa, die junge Tochter aus gutem Hause mit ihren unschul­digen, weißen Söckchen in High Heels, lässt ahnen, dass es mit der Unschuld doch nicht so ernst gemeint ist.  Ihr melodi­scher und klarer Sopran sitzt perfekt. Mezzo Anna Gorya­chova lässt als Clara aufhorchen – eine große musika­lische Urgewalt, die sich sicherlich im drama­ti­schen Fach etablieren wird. Violeta Urmana mit eindrucks­vollem Mezzo als alternde Diva alias Amme, die noch etwas dem Leben abgewinnen will.

Stephan Rügamer als überlis­teter Vater Don Jeronimo, völlig von seinen beiden heirats­fä­higen Kindern Luisa und Ferdinand überfordert, gibt eine beein­dru­ckende tenorale Charak­ter­studie. Tenor Bogdan Volkov gibt dem jungen Antonio einen schlanken und anrüh­renden Ton. Andrey Zhilik­hovsky verkörpert den schüch­ternen Ferdinand mit samtigem Bariton. Bass Goran Juric mimt den Kaufmann Mendoza mit großer stimm­licher und drama­ti­scher Überzeugung – er will sich ein gemüt­liches Leben und gute Geschäfte machen. Bariton Lauri Vasar verkörpert einen armen Freund von Mendoza mit hohen Idealen, der sich gut als Vertrauter aller Parteien macht. Tenor Maxim Paster ist der gewichtige Moderator der Therapie-Sitzung, der sich auch einiges von seinen Patienten gefallen lassen muss.

Einhel­liger Applaus für die Solisten und die Musiker. Die Produktion dagegen muss einige Buhrufe einstecken. Man bemerkt, besonders bei den Festtagen, dass das Publikum noch inter­na­tio­naler als üblich ist.  Der florie­rende Kultur­tou­rismus lässt grüßen.

Zenaida des Aubris

Teilen Sie O-Ton mit anderen: