O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Unverstellte Einblicke in Seelenlandschaften

LE NOZZE DI FIGARO
(Wolfgan Amadeus Mozart)

Besuch am
20. April 2019
(Premiere am 14. April 2019)

 

Opernhaus Wuppertal

Dass man einer Mozart-Oper auch auf einer fast völlig leeren Bühne ohne jeden dekora­tiven Aufwand gerecht werden kann, wenn nur der Blick tief ins Innere der Figuren und der Musik reicht, das demons­triert derzeit die Wupper­taler Oper mit einer ebenso eigen­wil­ligen wie überzeu­genden und in jeder Faser hochmu­si­ka­lisch empfun­denen Neupro­duktion des Genie­streichs Le Nozze di Figaro. Sowohl musika­lisch als auch szenisch konzen­triert man sich in Wuppertal auf die von Mozart unüber­troffen filigran umgesetzten seeli­schen Konflikte der Personen und, mehr noch, auf die von Irrita­tionen und Misstrauen durch­tränkten Bezie­hungen. Dass das alles mit scheinbar leichter Hand hinge­tupft wirkt, lässt breiten Raum für die komödi­an­tische, aller­dings niemals klamauk­hafte Dimension des Stücks. Daran trägt auch das stimmige Zeitgefühl des Regis­seurs Joe Hill-Gibbins und der Dirigentin Julia Jones für die komplexen Tempo-Abläufe des Stücks von Beschleu­ni­gungen an der Grenze zu überdrehten Turbu­lenzen bis zu Momenten intro­ver­tierten Still­stands. Das alles gelingt und wirkt in Wuppertal natürlich, ohne in Extreme desas­tröser Hektik oder zäher Starre zu verfallen.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Wenn man psycho­lo­gisch so detail­genau arbeitet wie Hill-Gibbins, wenn man den Blick so unver­stellt auf die inneren und äußeren Vorgänge der Figuren richtet, kann sich selbst ein renom­mierter Bühnen­bildner wie Johannes Schütz mit fünf Türen in einem weiß getünchten Aktionsraum begnügen, die freilich fleißig genutzt und geschickt für die Versteck­spiele und Intrigen der Handlung einge­setzt werden. Bunter geht es in den Kostümen von Astrid Klein zu, doch auch die bleiben trotz ihrer fanta­sie­vollen Origi­na­lität dezent, ohne sich in den optischen Mittel­punkt zu rücken. Dass der Bühnen­boden zeitweise angehoben wird und einige Ensem­ble­sätze auf zwei Etagen vorge­tragen werden, damit verstärkt Hill-Gibbins die durch Eifer­sucht und Gefühls­ver­wir­rungen ständig schwe­lende Distan­zierung zwischen den Liebenden quer durch alle Genera­tionen. Da stört es auch nicht, dass Hill-Gibbins die politisch bedrohlich an die Feste der absolu­tis­ti­schen Stände­ge­sell­schaft rüttelnden Signale der unmit­telbar vor der Großen Revolution kompo­nierten Oper völlig außer Acht lässt. Das verliehe der Insze­nierung noch den letzten Ritter­schlag. Doch so viel von der feinge­strickten und adäquat in Szene gesetzten Psycho­logie der Mozart-Oper wie jetzt in Wuppertal ist selten zu sehen.

Foto © Bettina Stöß

Und diesem Niveau passt sich General­mu­sik­di­rek­torin Julia Jones mit dem vorzüglich aufge­legten Wupper­taler Sinfo­nie­or­chester nahtlos an. Auch hier stimmt nahezu alles an den in Töne gesetzten seeli­schen Abläufen. Das Ensemble gefällt durch seine jugend­liche und spiel­freudige Ausstrahlung. Simon Stricker als Graf Almaviva wirkt zunächst etwas blass, gewinnt im Laufe des Abends aber an Präsenz. Anna Princeva bringt trotz einiger harter Spitzentöne genügend lyrische Quali­täten für die Partie der Gräfin mit. Ralitsa Ralinova als Susanna und Sebastian Campione als Figaro erfüllen ihre Rollen mit prallem Leben und stimmlich rundum überzeu­genden Leistungen. Iris Marie Sojer verleiht dem Cherubin warmen Mezzo-Glanz und Anne Martha Schui­temaker der Barbarina auch stimmlich mädchen­haften Charme.

Insgesamt eine hochwertige Mozart-Produktion, mit der die von den Vorgängern der jetzigen Leitung zu verant­wor­tende, zeitweise existenz­be­dro­hende Krise der Wupper­taler Oper endgültig überwunden sein dürfte.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: