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Tomas Kildišius - Foto © Susanne Diesner

Großer Auftritt für Shakespeare

EIN SOMMERNACHTSTRAUM
(Benjamin Britten)

Besuch am
24. April 2019
(Premiere)

 

Robert-Schumann-Hochschule, Partika-Saal, Düsseldorf

Was für ein Abend! Überra­schend, fanta­sievoll und lebhaft. Um nur mal die wichtigsten Attribute vorweg­zu­nehmen. Wie üblich ist der Partika-Saal der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf zur Premiere der einmal jährlich statt­fin­denden Opern­auf­führung ausver­kauft. Auf dem Programm steht in diesem Jahr Ein Sommer­nachts­traum von Benjamin Britten.

Man achte auf die Feinheiten. Gegeben wird das Stück nicht in der engli­schen Origi­nal­sprache, sondern auf Deutsch. Und schon kann die herrliche Diskussion fortge­setzt werden, die in Deutschland seit vielen Jahrzehnten mit wechselnder Leiden­schaft geführt wird. Ihre Blütezeit erlebte die deutsch­sprachig aufge­führte Oper aus anderen Ländern in den 1950- und 60-er Jahren. Zahlreiche Aufnahmen aus dieser Zeit belegen, dass es durchaus Sinn machte, die fremd­spra­chigen Opern einem deutschen Publikum in der eigenen Sprache näher­zu­bringen. Aller­dings gab es auch durchaus Ausrut­scher bei allzu mutwil­ligen Überset­zungen. Und Benjamin Britten respektive sein Lebens­ge­fährte und Librettist Peter Pears klingen auf Englisch eindeutig eleganter. Wer aber mal durch das Internet streift, wird erstaunt sein, wie viele Menschen deutsch­spra­chigen Opern nachtrauern. Denn Übertitel sind schön und gut, auch darüber kann man vortrefflich streiten, aber spätestens im Radio ist Schluss. Aus pädago­gi­scher Sicht ist es ohnehin sinnvoll, dass sich die Gesangs­stu­denten mit der deutschen Sprache ausein­an­der­setzen. Zumindest nebenbei. Denn sie haben auch sonst allerlei zu tun, um die opulente Aufführung über die Bühnen zu bringen.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Regisseur Marcus Lobbes hat sich einiges einfallen lassen, um mit geringem Budget eine Aufführung zu insze­nieren, die manches Opernhaus vor Neid erblassen lassen dürfte – wenn es überhaupt die Möglich­keiten hätte, die Räume so zu nutzen, wie Lobbes sich das ausge­dacht hat. Er bespielt kurzerhand den ganzen Raum, ständig gut ausge­leuchtet von Volker Weinhart. In der Mitte des Saals ist eine Plattform aufgebaut, die als zentraler Anlauf­punkt für das Geschehen dient, das sich durch den gesamten Saal einschließlich der oberen Empore bewegt. Der Clou ist die Anordnung des Orchesters. Die Musiker werden auf verschiedene Stationen rund um die Plattform verteilt. Die Idee eines ganz neuen räumlichen Klangs besticht. Hinter der Plattform liegt im ersten und zweiten Akt ein Holzge­stell, von dem eigentlich schon klar ist, dass es später das Theater der Handwerker werden wird. Aber hier gibt es keine Bühnen­ar­beiter, also müssen die Studenten selbst für den Aufbau sorgen. Großartig, ihnen dabei zuzusehen. Angehende Opern­sänger, die nicht auf vornehm tun, sondern mit Herzenslust den Bühnen­aufbau übernehmen. Das nennt man wohl von der Pike auf lernen. Ähnliches gilt auch für Maske und Kostüme. Miriam Grimm hat fanta­sie­volle Kostüme irgendwo in der Zeitlo­sigkeit entwi­ckelt. Die Haupt­ak­teure dürfen sich auf ihre einmal festge­legten Kostüme verlassen. Oberon bekommt einen extrem schlecht­sit­zenden Anzug, warum eigentlich, Titania wird das Kleid angegossen und die beiden Paare sind in typge­rechte Kostüme gekleidet. Die Handwerker aller­dings haben wie der Chor alle Hände voll zu tun, ihre Kostüme und Masken selbst herzu­richten. Wer das einmal erlebt hat, wird in Zukunft mit einem anderen Verständnis von Kostüm- und Masken­bild­nerei umgehen. Der Aufwand ist enorm. Und die jungen Leute sind mit Feuer­eifer dabei.

Bryan Lopez Gonzalez und Eva Marti – Foto © Susanne Diesner

Das gilt auch für den Gesang und das Schau­spiel. Sieht man von der miserablen Akustik ab, die nahezu jede Textver­ständ­lichkeit verbietet, zeigen die Studenten auch in diesem Jahr einen Reifegrad, der Respekt abnötigt. Zugegeben: In der Premiere hat die Opern­klasse die Crème de la crème aufge­boten. Aber das ist ja legitim. Christina Blaschke hat ihren Bachelor abgeschlossen und das Master­studium bei Juliane Banse aufge­nommen. Sie übernimmt als Mezzo­sopran die Counter­tenor-Rolle des Oberon, überzeugt in anspruchs­vollem Gesang und Darbietung. Als Titania gibt Anna Rabe eine sehr gelungene Kostprobe ihres Könnens als Kolora­tur­sopran. Auch sie hat den Master­stu­di­engang aufge­nommen und bleibt unter den Fittichen von Konrad Jarnot. Eine sehr gute Entscheidung, obwohl sie bereits mehrere attraktive Rollen­an­gebote verzeichnen kann. Das Paar Lysander und Hermia bietet ebenfalls großes Potenzial, denn Bryan Lopez Gonzalez und Eva Marti stehen beide kurz vor dem Abschluss ihres Master­stu­di­en­gangs. Das gilt auch für Demetrius und Helena. Sophia Bauer schließt jetzt ihren Master bei Anja Paulus ab, William Drackett bei Jarnot. Bei allen vieren darf man auf große Karrieren hoffen, auch ohne, dass sie sich vorher in Opern­studios verschleißen müssen. Das nächste große Talent zeichnet sich mit Tomas Kildišius ab, der als Zettel einen ganz großen Auftritt absol­vieren kann, auch er ist Jarnot-Schüler. Bis in die kleineren Rollen darf das Publikum sich hier stimmlich und darstel­le­risch verwöhnen lassen. Insbe­sondere beim Auftritt des Handwerker-Theaters sorgen die Darsteller noch einmal für ein ganz außer­ge­wöhn­liches Vergnügen. Und mit Jonas Gruber ist ein Puck gefunden, der den Elfen mit köstlicher Finesse ausstattet.

Christina Blaschke und Anna Rabe – Foto © Susanne Diesner

Wenn eine Hochschule schon nicht mit großar­tigen Budgets hantieren kann, ist sie immerhin personell in der Lage zu protzen. Das gilt nicht nur für die Sänger, sondern auch für das Orchester. Hier bekommt man die Zukunft in satter Besetzung zu hören. Mit der Aufteilung auf verschiedene Stationen, die während der Aufführung auch noch wechseln, ist vor allem der Dirigent, Thomas Gabrisch, Leiter der Opern­klasse, besonders heraus­ge­fordert. Vor allem, als die Kamera vorüber­gehend ausfällt, die die Monitore für die Sänger versorgt. Aber Gabrisch glänzt. Es gibt wenige Dirigenten, die so engagiert in der Lage sind, die Balance zwischen Sängern und Orchester herzu­stellen, um trotz widriger Umstände einen hervor­ra­genden Klang zu produ­zieren. Hier ist Britten noch einmal in einer völlig neuen Qualität zu erleben. Das Orchester dankt die heraus­ra­gende Leitung mit hoher Konzen­tration und der geringst­mög­lichen Anzahl an Fehlern.

Das Publikum dankt den Darstellern und dem Orchester mit seinem musika­li­schen Leiter für einen außer­or­dentlich kurzwei­ligen Abend, der mit vergleichs­weise geringen Mitteln großen Eindruck hinter­lässt. Lobbes hat hier mit seinen theatra­li­schen Mitteln einen deutlichen Fußab­druck gesetzt. Aber das hätte er ohne das Engagement der Studenten nicht geschafft.

Michael S. Zerban

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