O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
M – EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER
(Moritz Eggert)
Besuch am
5. Mai 2019
(Uraufführung)
Einen Triebtäter ins Zentrum einer Oper zu stellen, ist eine heikle Angelegenheit und eine Gratwanderung dazu. Barrie Kosky, der Intendant der Komischen Oper Berlin, hat es gewagt, aber nicht gewonnen. Grundlage des Musiktheaters, das er bei Moritz Eggert in Auftrag gegeben hat, ist einer der berühmtesten Filme der Weimarer Republik: M – Eine Stadt sucht einen Mörder von Fritz Lang erzählt von der Suche nach einem Serienmörder, der Berlin in Angst und Schrecken versetzt. Am Ende wird er von einer Kriminellen-Gang aufgespürt.
Die Oper bleibt nahe am Original. Basis des Librettos, das Kosky zusammen mit seinem Chefdramaturgen Ulrich Lenz geschrieben hat, ist das Filmskript. Eingewobene Texte von Walter Mehring und Kinderlieder unterstreichen den Zeitbezug. Doch hat sich der Fokus verschoben. Die Suche nach dem Mörder steht nicht im Vordergrund, sondern der Täter selbst, der auch der einzige Solist ist. Dabei bleibt in der Schwebe, ob das Geschehen real ist oder sich nur im Kopf des Mannes abspielt. Folglich sind es dessen Fantasien, die Kosky mit viel Verfremdungseffekten inszeniert, es können aber auch die Erinnerungen sein, die ihn peinigen. Und hier beginnt das Problem des Stückes. Es konzentriert sich auf die Seelenabgründe des möglichen Triebtäters, während die Opfer im Hintergrund bleiben, abgesehen von wenigen beklemmenden Momenten, etwa der Suche der Bürger nach der verschwundenen Elsi. Angesichts diverser aktueller Berichte über sexuellen Missbrauch bekommt diese Sichtweise einen schalen Beigeschmack.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Das Bühnenbild von Klaus Grünberg, das über einem beweglichen Podest aus Stangen befestigt ist, zeigt abwechselnd eine Häuserfront, das Innere eines Polizeireviers und eine gekachelte Badezeile mit etlichen Türen. M tritt als einziger in heutiger Alltagskleidung auf, in Jeans und T‑Shirt. Auf seinem Rücken prangt das ihn als Mörder stigmatisierende M. Scott Hendricks bemüht sich, ihm gestalterische Kontur zu geben, singt mit markantem Bariton und bleibt doch insgesamt blass und eindimensional. Alle weiteren Rollen werden von Kindern verkörpert. Sie sind allgegenwärtig, spielend, rezitierend und singend – die von Dagmar Fiebach einstudierten Chorpassagen machen großen Eindruck. Doch der szenische Clou ist, dass auch die Erwachsenen von Mädchen und Jungen verkörpert werden. Sie bilden ein groteskes Panoptikum im Stil der Zwanziger Jahre mit übergroßen Köpfen aus Pappmaché – ein Meisterstück des Maskenbildners Tobias Barthel.

Ms Wahnvorstellungen spiegeln sich in der Musik von Moritz Eggert wider. Er hat eine Collage aus Musical, Filmsound, Minimal Music und Weill-Song komponiert, die elektronisch verstärkt und verfremdet aus allen Ecken des Hauses klingt. Im Orchestergraben sind dazu die Sopranistin Alma Sadé und der Tenor Tansel Akzeybek platziert, die vokale Farben in den Klangrausch integrieren – neben Studierenden der Ernst-Busch-Schauspielschule, die die Dialoge sprechen. Die Oper wird so, wie von Kosky beabsichtigt, zu einer vielschichtigen Geräuschkulisse aus Musik und Hörspiel, die man als Stimmen im Kopf von M assoziieren könnte.
Ainārs Rubiķis koordiniert diese ungewöhnliche Klangwelt mit viel körperlichem Einsatz. Das in so vielen Stilen bewanderte Orchester der Komischen Oper füllt auch diesen neuen Sound kompetent aus.
Den Einwänden zum Trotz: Das Publikum feiert alle Mitwirkenden ausgiebig, insbesondere die Kinder. Nur der Komponist bekommt ein paar Buhs ab. Der Film M – Eine Stadt sucht einen Mörder ist Legende. Ob es die Oper werden wird, ist zu bezweifeln.
Karin Coper