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Foto © Katja Illner

Die Befreiung des Körpers

BODIES AND STRUCTURE
(Alexandra Waierstall)

Besuch am
9. Mai 2019
(Urauf­führung)

 

Tanzhaus NRW, Düsseldorf

Vom 8. bis zum 19. Mai findet die Biennale Tanz NRW in neun Städten Nordrhein-Westfalens statt. Das Festival zeigt aktuelle Tanzpro­duk­tionen der vergan­genen zwei Jahre. Nach der Eröffnung mit Ben J. Riepes Geister – Fragment XL im Schau­spiel Köln geht es an diesem Wochenende nach Düsseldorf, wo Alexandra Waier­stall die Urauf­führung ihres Stücks Bodies and Structure feiert. Es wird ein wahres Fest zeitge­nös­si­scher Tanzkunst.

Grundlage der Choreo­grafie ist – die Bühne. Im völlig leerge­räumten Bühnenraum ist nämlich eine Skulptur aufgebaut. Arena ist eine asymme­trische Holztribüne mit einstmals sündhaft teurem Spezi­al­belag, die Rita McBride vor 20 Jahren konstruiert hat. Seither ist sie durch viele Museen gereist, ehe Waier­stall sie für sich entdeckte und jetzt auf die Bühne holte. Modular aufgebaut, ist sie zwölf Meter breit, vier Meter tief und vier Meter hoch. Im Großen Saal des Tanzhauses NRW mithin eine imposante Erscheinung. Caty Olive setzt mit ihrem Licht­design einige geschmack­volle Spots, konzen­triert sich aber im Wesent­lichen auf eine in der Bühnen­mitte herab­hän­gende Lampe, die die Bühne in verschiedene weiße Farbnu­ancen taucht.

POINTS OF HONOR

Musik



Tanz



Choreo­grafie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Zehn Tänzer braucht Waier­stall, um die Skulptur zu betanzen. Gleich zu Beginn bewegen sich zwei Tänze­rinnen wie in Zeitlupe über die Stufen. Die eine nackt, die andere in eines der dunklen Kostüme gehüllt, die Lucia Vonrhein und Mareike Nothdurft entwi­ckelt haben. Die übrigen Tänzer stehen hinter der Skulptur und eröffnen die Aufführung mit Sprüngen auf derselben Stelle, ehe sich langsam einer nach dem anderen in den Vorder­grund und auf die Skulptur bewegt. Im Folgenden sind verschiedene Bezie­hungs­struk­turen zu erleben, indem sich die Akteure mal als Schwarm, mal in Gruppen, mal einzeln und scheinbar selbst­ver­gessen über die Stufen bewegen. Tempo­wechsel verstärken die Spannung, die von der ersten Minute an in der Luft liegt. So gibt es nach rasendem Tanz auch mal eine Liege­pause, bei der sich die verschie­denen Systeme immer wieder zuein­ander verschieben. Die Befreiung von der Kleidung kann man dabei als Befrei­ungs­schlag begreifen, wenn etwa die Turnschuhe aller Tänzer, die sich auf der rechten Seite an der höchsten Stelle der Skulptur zu einem Pulk versammelt haben, lautstark zu Boden fallen. Oder sich Tänze­rinnen und Tänzer ihrer Textilien entle­digen. Ein Befrei­ungsakt, der durchaus nicht jedem und nicht jedem vollständig gelingt. Dass die in der zweiten Hälfte gezeigten tableaux vivants, bei denen die Rückan­sichten der Protago­nisten liegend auf den Stufen zu betrachten sind, länger als nötig ausfallen, nimmt etwas von der Dramatik, die dafür sorgt, dass es nahezu eine Stunde lang im vollbe­setzten Publi­kumsraum schier atemlos still bleibt.

Foto © Katja Illner

Untermalt wird diese Spannung von der Klangwelt, die Stavros Gaspa­ratos eigens für das Werk kompo­niert hat. Kaum hörbar beginnt ein Dauer­rau­schen, das in seiner allmäh­lichen Steigerung an Dauer­regen außerhalb des Gebäudes erinnert. Dazu mischen sich verschie­denste Geräusche in wechselnden Lautstärken. Und so mischen sich die Klänge in das Geschehen homogen ein, ohne bestimmend zu werden.

Am Ende dieser packenden Aufführung erlöschen die Schein­werfer, und was man sonst so gut wie nie erlebt, passiert: ein, zwei Minuten hält die einset­zende Stille noch an, ehe das Publikum in wahre Verzü­ckung gerät. Zu Recht dürfen sich Alexandra Waier­stall und ihr Team lang und ausgiebig feiern lassen. Das eindrucks­volle Stück ist noch am 10. und 11. Mai im Tanzhaus NRW zu sehen.

Ein weiterer Termin, den man sich im Rahmen des Festivals Tanz NRW in Düsseldorf nicht entgehen lassen sollte, ist der 18. Mai. Dann findet der Festakt anlässlich des 70. Geburts­tages von Raimund Hoghe statt. Einge­bettet zwischen Begrü­ßungs­empfang und Laudatio wird sein ergrei­fendes Stück Lettere amorose – Liebes­briefe – zu erleben sein.

Michael S. Zerban

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