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Ob wir wollen oder nicht

MIRA 7 – THULEY
(Julia Riera)

Besuch am
10. Mai 2019
(Einma­liges Gastspiel)

 

Brotfabrik Bühne Bonn

Das Festival Tanz NRW bietet Choreo­grafen die Möglichkeit, ihre Arbeiten in Städten vorzu­stellen, in denen sie üblicher­weise nicht auftreten. Da findet man plötzlich in Städten wie Viersen, Wuppertal, Münster, Mülheim oder Essen Namen auf Plakaten, für die Tanzbe­geis­terte sonst nach Köln, Bonn oder Düsseldorf fahren oder umgekehrt. Und so kommt die Compagnie Mira der Choreo­grafin Julia Riera aus Köln an einen Ort in Bonn, der mindestens so gut zu der zu zeigenden Aufführung passt wie die heimische Wachsfabrik.

1903 begann August Osberghaus den Aufbau der Germania-Brotfabrik im Stadtteil Bonn-Beuel. Nach knapp 30 Jahren stand der Betrieb vor dem Ruin. 1932 übernahm Hans Troullier die Fabrik und führte sie zum Erfolg. Noch in den 1970-er Jahren hätte wohl niemand geglaubt, dass das Unter­nehmen, das zu den erfolg­reichsten im Stadtteil gehörte, jemals unter­gehen könnte. 1985 aber kam das Aus. Ein Verlust? Mögli­cher­weise für die Freunde indus­triell gefer­tigter Backwaren. Nicht aber für den Stadtteil. Seit 1988 ist die Brotfabrik Bonn ein sozio­kul­tu­relles Zentrum, in dem neben dem Theater Marabu und zahlreichen anderen Einrich­tungen auch eine Bühne für die so genannte Freie Szene existiert.

POINTS OF HONOR

Musik



Tanz



Choreo­grafie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Hier zeigt Julia Riera die neueste Produktion ihrer Compagnie Mira mit dem Namen Mira 7 – Thuley, die am 25. Mai vergan­genen Jahres ihre Urauf­führung in der Kölner Wachs­fabrik feierte. Thuley könnte der Name einer fiktiven Insel sein, auf der fünf Menschen zusam­men­kommen, um sich mit ihren inneren und äußeren Umständen zu befassen. Nötig ist dazu nicht mehr als eine leere Bühne, an deren Brand­mauern links und rechts jeweils sechs Schein­werfer aufgebaut sind. Wolfgang Pütz und Markus Becker stellen damit je nach Bedarf Licht­räume her. Fünf Kopfhörer hängen von der Decke herab. Fünf Tänzer bilden das Leben ab. Da gibt es die beiden Afghanen, die aus ihrer Heimat in jungen Jahren nach Deutschland geflohen sind, eine Asiatin, die studi­en­halber in ihrer Jugend nach Deutschland gekommen ist, um zu bleiben, und zwei Deutsche. Sie alle haben ihre eigene Geschichte, ihre Erinne­rungen und ihre Gegenwart, ohne von der der anderen etwas zu kennen.

Foto © Meyer Originals

Als erster betritt Omid Rezai die Bühne und verbindet sich mit dem Kopfhörer. Welche Inhalte da vermittelt werden, bleibt dem Publikum ebenso wie bei den nachfol­genden Tänzern vorbe­halten. Aber offenbar löst es Tanzim­pulse aus, die sehr statisch vollzogen werden. Fa-Hsuan Chen wider­fährt Ähnliches, nur dass sie damit weiträu­miger und in größerem Licht­schein umgeht. Auch Lin Verleger stülpt sich den Kopfhörer über, eher unauf­fällig im Dämmer­licht. Ihm folgt Odilie Foehl mit gleichem Habitus, auch wenn die Gesten jetzt schon roboter­hafter werden. Und den Abschluss bildet Mahdi Mosiu, der bis dahin geduldig auf einem Stuhl in der ersten Reihe gewartet hat. Während Rezai eher für die Verletz­lichkeit des jugend­lichen Geflo­henen zu stehen scheint, wirkt Mosiu wie der Bewahrer der Tradition, wenn er Tanzschritte aus der früheren Heimat mit auf die Bühne bringt. In der Folge verändern sich die Abläufe. Es kommt zu Annähe­rungen auf die unter­schied­lichsten Heran­ge­hens­weisen. Am eindrucks­vollsten zeigt sich hier sicher Verleger als Break­dancer. Foehl steigt nach Gruppen­dy­namik faszi­nierend in die Höhe. Und Chen begeistert mit Fallsucht, die wiederum von Verleger aufge­fangen wird. Das zum Ende Famili­en­fotos als tableaux vivants einge­fangen werden, auch wenn sie zwischen­durch in die schiefe Ebene geraten, macht Mut, so sehr sie auch gekünstelt wirken sollen.

In Verbindung mit der Musik, die Philip Manca­rella für das Stück kompo­niert hat, darf man hier wohl getrost die nächste Generation der Choreo­grafie ausrufen. Manca­rella hat keine Angst davor, Natur­ge­räusche mit Elektro-Beats zu kombi­nieren, die ohne Korrek­turen Platz in einem Club finden könnten. Die Choreo­grafin scheut nicht davor zurück, populäre Musik­se­quenzen mit Break­dance, HipHop und zeitge­nös­si­schem Tanz, aber auch hier und da mal tradi­tio­nellen Tanzformen zu mischen. So könnte es gehen. Ob wir wollen oder nicht.

Das Publikum jeden­falls findet das Gesehene und Gehörte großartig. „Wir sind alle in Bewegung gekommen und gezwun­ge­ner­maßen auf Wander­schaft – durch Außen- und Innen­räume. Fünf Fremde treffen aufein­ander auf der Suche nach dem Eigenen. Auf Thuley“, so hat es Julia Riera formu­liert. Ob es diese Gedanken sind, die sie bei dem Werk bewegt haben, oder die großartige tänze­rische Leistung, mag dahin­ge­stellt bleiben. Das Publikum hat einen Abend erlebt, für den die Angel­sachsen nur ein Wort kennen: Amazing.

Michael S. Zerban

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