O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Alciro Theodoro da Silva

Der Glanz ist ab

RODRIGO
(Georg Friedrich Händel)

Besuch am
26. Mai 2019
(Premiere am 17. Mai 2019)

 

Händel-Festspiele, Deutsches Theater Göttingen

An vielen Stellen der Wände blättert die Farbe ab, Stuck­or­na­mente fehlen, der Putz rieselt, Tapeten zeigen große Löcher – ein König­reich im Verfall: Das Reich der Westgoten wird heftig bedroht, Rodrigo, hispa­ni­scher König kämpft um seine Herrschaft,  Esilena, die Königin, kinderlos, wird von ihrem Ehemann mit Florinda, seiner Geliebten betrogen. Schönstes und bekanntes Barock­ge­tümmel mit den Zutaten Liebe, Eifer­sucht, Macht­ge­lüste und Rache. Händels wenig bekannte und selten gespielte Oper Rodrigo, die – bei etwas unsicherer Quellenlage – 1707 erstmalig in Florenz auf die Bühne kommt, hat die Zutaten, die man in einer italie­ni­schen Oper dieser Zeit erwartet. Der ursprüng­liche Titel der litera­ri­schen Vorlage von Francesco Silvani  Il duello d’amore e di vendetta verrät ein wenig davon, worum es Händel in Rodrigo geht, wieder einmal um Liebe, Eifer­sucht und Rache.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Diese frühe Oper des 18-jährigen Händel ist keine glatte italie­nisch-roman­tische Oper, und Walter Sutcliffes Insze­nierung keine einfache Kost. Händel holt die politi­schen Ränke­spiele um den gotischen König Roderich in ein Zimmer­theater und die europäische Geschichte um das Ende des Westgo­ten­reiches in eine könig­liche Palast­ruine, die politi­schen Macht­spiele werden zu persön­lichen Rankünen. Die plüschig-staubigen Polster­möbel des Salons haben auch schon bessere Zeiten gesehen, Dorota Karolczak hat das Bühnen­per­sonal histo­risch großzügig gekleidet und vertraut wie Walter Sutcliffe bei seiner Regie Händels weiträu­miger Musik und den Darstellern. Hier wartet eine weitere Überra­schung auf die Besucher. Von den sechs Haupt­rollen hat Sutcliffe vier mit Sänge­rinnen in Sopranlage besetzt. Die beiden verblei­benden Herren­rollen des Giuliano und des Fernando übernehmen als Tenor Jorge Navarro Colorado und Leandro Marziotte, Counter­tenor. In der – eigentlich männlichen – Haupt­rolle des Rodrigo überrascht und überzeugt, wenn auch ungewohnt, Erica Eloff, Sopran, und ersetzt die ursprünglich vorge­sehene Kastra­ten­stimme. Das führt zu einem sehr ungewohnten, hellen Tonein­druck aller Gesangs­bei­träge, der der Aufführung einen gläsernen, zerbrech­lichen Eindruck verleiht.

Foto © Alciro Theodoro da Silva

Händels Musik mit einer ungewöhnlich langen Ouvertüre und ausgie­bigen Arien und Rezita­tiven trägt die Handlung und führt sie weiter. Händels Kompo­si­tionen sind bei Laurence Cummings und dem Festspiel­or­chester Göttingen in besten, erfah­renen Händen. Mit Energie und Feinfüh­ligkeit präsen­tieren sie Motive und Themen und setzen  musika­lische Akzente ebenso wie feine, emotionale Passagen. Trotz der ausge­zeich­neten Gesangs­bei­träge der Sänge­rinnen und Sänger führt das doch immer mal wieder zu etwas gleich­för­migen Längen. Heraus­ragend und eindrucksvoll zwei Duette    im dritten Akt: Ist ein Traum, kann nicht wirklich sein und Nimm hin die Seele. Nach all den mensch­lichen Unzuläng­lich­keiten ist das Fazit der Story, edel und philo­so­phisch abgeklärt: Vincer se stesso è la maggior vittoria. – sich selbst zu besiegen, ist der größte Sieg – wer wollte dem widersprechen?

Händel steht dem italie­ni­schen Opern­schaffen seiner Zeit durchaus kritisch gegenüber, es bedarf einer beson­deren Einladung des Erbprinzen der Toskana, um den deutschen Kompo­nisten nach Florenz zu locken, wo er sich vielleicht „mit dem dort herrschenden Geschmack und Stil“ anfreunden könne. Ihm war es ein Rätsel, wie eine „so großartige Kultur so spärliche Früchte tragen“ könne. Sutcliffes Insze­nierung der dann entste­henden ersten Barockoper Händels  begeistert und befremdet zugleich. Auch wenn seine späteren Werke musika­lisch einpräg­samer und bewegender sein dürften, ist seine musika­lische Genia­lität in vielen Passagen dieser Oper deutlich erkennbar. Das Programm bietet Händels Rodrigo als „Festspiel-Oper“ an, doch enthält es zahlreiche weitere Höhepunkte des Händel­schen Musik­schaffens. Das haben an zehn Festspiel­tagen vom 17. bis 26. Mai schon gut 11.000 Besucher in knapp 60 Veran­stal­tungen erfahren und genossen. Ihr zuver­läs­siges Erscheinen aus zahlreichen Ländern ist ein Beifall beson­derer Art.

Horst Dichanz

Teilen Sie O-Ton mit anderen: