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Foto © Iko Freese

Sieg für Ungarn, Sieg für die Liebe

ROXY UND IHR WUNDERTEAM
(Paul Abraham)

Besuch am
31. Mai 2019
(Premiere)

 

Komische Oper Berlin

Nein, diesmal ist die Komische Oper Berlin nicht der Vorreiter in Sachen Paul Abraham. Seine lange vergessene Operette Roxy und ihr Wunderteam, die jetzt in der Haupt­stadt Premiere feiert, war in den letzten Jahren bereits in Dortmund und Augsburg zu sehen. Bei dem Thema kein Wunder. Denn es geht in dem Stück um Fußball und der lockt bekann­ter­maßen die Massen ins Stadion. Warum also nicht auch ins Theater? Und tatsächlich ist eine ganze Fußball­mann­schaft samt Kapitän auf der Bühne versammelt. Die Kicker kommen aus Ungarn und haben gerade sensa­tionell das englische Team in London geschlagen. Nun geht es zurück in die Heimat, um dort für das Revan­che­spiel zu trainieren. Mit dabei ist die englische Fabrik­an­tennichte Roxy, die ihrer geplanten Ehe mit dem ungeliebten Bobby Wilkens entfliehen will. Im Camp treffen die Fußballer auf die Schüle­rinnen eines Mädchen­pen­sionats. Was natürlich zu geballten amourösen Annähe­rungen zwischen den Geschlechtern führt. Am Ende siegt nicht nur das ungarische Team, sondern auch die Liebe: Roxy angelt sich den Mannschafts­ka­pitän und zwölf weitere Paare finden zueinander.

Roxy und ihr Wunderteam wurde 1937 in Wien urauf­ge­führt. Dabei handelte es sich um die deutsch­spra­chige Bearbeitung der Operette 3:1 für die Liebe, die ein Jahr früher in Budapest erfolg­reiche Premiere feierte. Dorthin musste Paul Abraham zeitweise emigrieren, nachdem er als jüdischer Künstler von dem natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Regime aus Deutschland ausge­wiesen worden war. Die Wiener Produktion, der sich eine Filmad­aption unter dem Titel Die entführte Braut anschloss, konnte noch reali­siert werden, wurde aber nach 75 Vorstel­lungen wegen der politi­schen Lage eingestellt.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Diese Hinter­gründe sind in Stefan Hubers Insze­nierung nur zu erahnen. Der Regisseur lässt Roxy und ihr Wunderteam als überdrehte 1930-er-Jahre-Revue in der Ästhetik einer deutschen Filmope­rette spielen. Im Mittel­punkt des Bühnen­bilds von Stephan Prattes befindet sich ein drehbarer, vielfältig genutzter Riesen­fußball. Mal stellt er die Welten­kugel dar, auf deren Umlaufbahn ein Minia­turzug nach Ungarn fährt, dann ist er die Vorder­front des ungari­schen Landhauses und im Finale öffnet er sich als Zuschau­er­tribüne, wo die Choristen zusam­men­ge­drängt dem Sieg entge­gen­fiebern. Huber gelingt eine an Ausstat­tungslust und Einfalls­reichtum nicht geizende Show, zu der die tempe­ra­ment­volle Choreo­grafie von Danny Costello beiträgt. Dass es nicht zum ganz runden Erfolg wie bei Clivia reicht, liegt daran, dass es bisweilen am Timing hapert. Die Sprech­szenen ziehen sich dahin, auch wird mancher Gag überreizt und nutzt sich irgendwann ab. So muss beispiels­weise Johannes Dunz, der unver­ständ­li­cher­weise in einer Sprech­rolle besetzt ist und nur einmal seinen schönen Tenor erklingen lassen darf, bei jeder Gelegenheit dämlich aufheulen.

Foto © Iko Freese

Was nichts am Unter­hal­tungswert ändert. Denn alles dreht sich um Roxy, was gleich­be­deutend ist mit: Alles dreht sich um Christoph Marti. Er imitiert perfekt den Typ des süßen blonden Filmmädels und kreiert dabei eine Kunst­figur mit Herz, die nie zur billigen Parodie verkommt. Neben dem quirligen Marti behauptet sich Tobias Bonn als schüch­terner, aber stimm­starker Sport­ka­pitän, dem man jederzeit anmerkt, wie hinter seiner Fassade die Gefühle toben. Andreja Schneider hat als strenge Sport­leh­rerin ihre Schüle­rinnen fest im Griff und macht dazu aus jeder ihrer weiteren Episo­den­rollen kabarett­reife Porträts. Zu großer Form läuft Jörn-Felix Alt als Torhüter auf, der damit beweist, dass der Operet­ten­nach­wuchs nicht schläft.

Kai Tietje stürzt sich mit dem Orchester der Komischen Oper voller Elan auf die im Vergleich mit Abrahams Erfolgs­ope­retten nicht durchweg zündenden Melodien. Ob Foxtrott, schnul­ziges Liebes­duett oder Marsch, ob ungarisch koloriert oder jazzig angespitzt, jede Nummer wird impulsiv angegangen, nur hin und wieder allzu lautstark.

Großer Jubel nach der dreistün­digen Aufführung. Nun müssen nur noch die  Fußballfans den Weg zu Roxy finden.

Karin Coper

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