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Foto © Thomas Aurin

Surrealismus mit Windmühlen

DON QUICHOTTE
(Jules Massenet)

Besuch am
7. Juni 2019
(Premiere am 30. Mai 2019)

 

Deutsche Oper Berlin

Vor einigen Jahren gab es auf den Opern­bühnen die Tendenz zu unendlich vielen Trench­coats, leeren Koffern, ganzen Tür-Reihen, zu viel Unter­wäsche.  Jetzt scheinen überdi­men­sio­nierte Masken und vermensch­lichte Tiere Konjunktur zu haben: Hans Neuenfels mit seinen Lohengrin-Ratten in Bayreuth, Barrie Kosky mit den Tieren in Mussorgskis Jahrmarkt von Sorot­schinzi oder das Volk in M – eine Stadt sucht einen Mörder, Achim Freyer mit den Kopffüsslern in Hänsel und Gretel. In der Neuin­sze­nierung von Don Quichotte von Jakop Ahlbom findet man irisie­rende Käfer, kopflose Menschen und andere Körper­teile, die auf der Bühne herum­poltern. Gute Masken­macher – vermutlich sind sie in der Requi­si­ten­ab­teilung zu Hause – sind gefragt.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Das nur nebenbei als generelle Bemerkung.  Zurück zur Neupro­duktion von Don Quichotte von Jules Massenet, urauf­ge­führt in Monte Carlo 1910, die die 1904 geschriebene Geschichte des Ritters der langen Figur von Jacques Le Lorrain als comédie-héroïque erzählt. Es ist diese litera­rische Vorlage, die Henri Cain für Massenet verar­beitet hat und nur indirekt auf das 1605 gedichtete Original von Miguel de Cervantes zurück­greift. Der Haupt­un­ter­schied liegt in der Darstellung von Dulcinea – bei Lorrain und auch Cain und Massenet ist sie durchaus eine Frau von Fleisch und Blut und nicht nur ein Traum wie im Text von Cervantes.

Jakop Ahlbom vereint die Musik mit seinen eigenen Elementen von Theater, Pantomime, Tanz, Musik und Illusion und platziert die Geschichte in einer stillosen, minima­lis­ti­schen Bar, gestaltet von Katrin Bombe, in der die Damen und Herren des Chores, Tänzer und Akrobaten die blass-pastell­far­benen, identi­schen von Katrin Wolfermann entwor­fenen Anzüge tragen. In dieser persön­lich­keits­losen Landschaft fallen Don Quichotte mit Elton-John-ähnlichen Outfits und Sancho Pansa schon auf.

Foto © Thomas Aurin

Eigentlich ist es eine senti­mentale Geschichte von nicht erwiderter Liebe, von Vergäng­lichkeit, vom Zurecht­kommen mit den Ängsten des Alterns. Komik und Melan­cholie sind Bettge­nossen und bei Ahlbom allemal – in der Kunst und Literatur ist Don Quichotte immer als langer Lulatsch darge­stellt – hier ist es der zierliche wirkende Alex Esposito. Als sein Gegen­spieler Sancho Pansa, der großge­wachsene – zumal auch auf Kothurnen – wirkt Seth Carico.  Beide Darsteller sind Bassba­ritone, und da ergeben sich vokale Synergien, die wiederum auf die psycho­lo­gische Verwandt­schaft der Charaktere deuten lassen. Carico darf auch noch, mit einer abnehm­baren Maske eines Pferde­kopfes, als Reittier von Quichotte fungieren. Clémentine Margaine als Oberkell­nerin Dulcinée setzt ihren musika­li­schen Mezzo boden­ständig ein. Sie weiß, wie man mit diesen verträumten Gestalten umgeht – zumal sie von diversen Verehrern umschwärmt ist, da ist Don Quichotte nur einer mehr.  Der als Illusionist bekannte Regisseur setzt einen wunder­schönen Akzent, nachdem Don Quichotte seine Dulcinée mit roten Rosen­blättern überschüttet und ihr Kleid sich schlag­artig – magisch – von weiß in rot verwandelt. Der Chor, von Jeremy Bines einstu­diert, kommen­tiert gekonnt ständig das Geschehen.

Dirigent Emmanuel Villaume lässt den konzen­trierten musika­li­schen Stil von Massenet, der damals auf der Welle der Liebe zu allem Spani­schen ritt, im Orchester mit Eleganz und Vielfar­bigkeit erklingen – besonders schön das Cello-Solo im Zwischen­spiel zum fünften Akt, das emoti­ons­ge­laden das gebro­chene Herz von Don Quichotte musika­lisch beschreibt.

Akrobatik, Masken, Kellner, Käfer, Karne­vals­hütchen und Mini-Windmühlen machen aber noch lange keine Insze­nierung mit Herz. Es flammt kein Mitleid oder gar Empathie für Don Quichotte und seine verfehlte Liebe zu Dulcinée auf. Vielleicht hat es mit der fast durch­gehend einheit­lichen, grellen, weißen Beleuchtung von Ulrich Niepel zu tun, vielleicht will der Regisseur uns aufzeigen, dass die Zeit dieses Klassikers der Litera­turwelt endgültig vorbei ist und alles nur ironisch kalt erzählt werden kann.

Das Publikum würdigt die Darsteller mit kurzem Applaus.

Zenaida des Aubris

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