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Große Stimmen in fantastischer Umgebung

ALCINA
(Georg Friedrich Händel)

Besuch am
7. Juni 2019
(Premiere)

 

Salzburger Pfingst­fest­spiele, Haus für Mozart

Voci celesti ist das diesjährige Motto der Salzburger Pfingst­fest­spiele, die unter der Leitung von Cecilia Bartoli stehen. Seit 2012 führt sie das Zepter zu Pfingsten an der Salzach und wurde soeben bis 2026 verlängert. Alljährlich lockt sie ihre Fange­meinde und Musik­be­geis­terte mit gut struk­tu­rierten, immer unter einem Thema stehenden Programm über vier Tage zu Ihrem Festival. Mit „Himmlische Stimmen“ widmet sie dieses Jahr den Kastraten und dem barba­ri­schen Brauch, vor allem im Italien des 17. und 18. Jahrhun­derts, männliche Kinder im frühen Alter zu kastrieren, um ihre hellen, glocken­gleichen, hohen Stimmen zu erhalten. Frauen durften damals in den Kirchen nicht singen, aber mehr noch eroberten die Kastraten die Opern­bühnen und wurden gefeierte, hochdo­tierte, inter­na­tionale Berühmt­heiten. Noch heute umgibt den Kastraten ein mysti­scher Flair, den sich die zahlreichen Counter­tenöre als deren legitime Nachfolger zu Nutze machen. Vielschichtig und breit ist die Musik­li­te­ratur, die für diese Stimmen geschrieben wurde. Dazu zählen die wohl schönsten Arien der Barock­opern sowie sakrale Musik. Wahre Lecker­bissen daraus dürfen die Zuhörer dieses Jahr in Salzburg erleben.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Georg Friedrich Händel ist wohl der bedeu­tendste Komponist dieser Zeit, der auch als Impre­sario in London mit seinem eigenen Opernhaus fungierte. Auf dem Höhepunkt seines Wettstreits mit Nicola Antonio Porpora, einem italie­ni­schen Opern­kom­po­nisten und Gesangs­lehrer, entstand seine Oper Alcina. Wiederum handelt es sich um ein klassi­sches griechi­sches Drama auf der Basis von Orlando furioso, eine beliebte Geschichte, die oftmals vertont wurde. Die Titel­heldin ist eine Zauberin, die sowohl ihre Liebhaber in verschiedene Gestalten verwandelt als auch sich selbst, um ihrer Vergäng­lichkeit zu entgehen. Ruggiero strandet auf ihrer Insel und wird von ihr zu ihrem Geliebten verzaubert, der seine Herkunft vergisst. Seine Verlobte Bradamante versucht, ihn zurück­zu­ge­winnen, und taucht als ihr Bruder Ricciardo auf. Nach vielen Irrungen und Verwir­rungen gelingt ihr Plan, der Geliebte kehrt zurück und zerstört die böse Zauber­kraft Alcinas. Alcina wird vor den Augen des Publikums der Vergäng­lichkeit ausge­setzt und altert wirkungsvoll in Sekun­den­schnelle. Stoff genug, um über vier Stunden mit zahlreichen ausge­feilten Arien und Rezita­tiven das Publikum zu bannen, ein erlesenes Sänger­ensemble vorausgesetzt.

Foto © Matthias Horn

Cecilia Bartoli übernimmt die Rolle der Zauberin und wagt mit ihrem Mezzo­sopran die anspruchs­volle Sopran­partie. Vom Stimm­umfang bewältigt sie die Partitur, doch fehlt die Eleganz und Klarheit in manchen Spitzen­tönen, dafür drama­ti­siert sie gekonnt in Mittellage und Tiefe und verleiht der Rolle viel Charakter, auch mit ihrem schau­spie­le­ri­schen Talent. Philippe Jaroussky zählt seit vielen Jahren zu den besten Counter­te­nören und zeigt wiederum in dieser Rolle eine exakte, meister­hafte gesang­liche Leistung. Nahezu grenzenlos bewegt er sich in den Höhen, bleibt leicht und flexibel für alle melodiösen und harmo­ni­schen Verzie­rungen. Seine Kolora­turen intoniert er sicher und verteilt im Legato Wärme und Gefühle mit seiner hellen Stimme. In der großen Arie verdi prati kann man die Faszi­nation der Kastraten auf ihre Zeitge­nossen wahrlich fühlen. Sandrine Piau glänzt als liebes­be­sessene Morgana sowie Kristina Hammar­ström als liebende Bradamante und verklei­deter Ricciardo, der den Verfüh­rungen Morganas zu wider­stehen hat. Zum wahren Publi­kums­liebling mit einem sensa­tio­nellen Auftritt wird der junge Wiener Sänger­knabe Sheen Park, der als treu liebender Sohn Oberto seinen Vater Astolfo unter den verzau­berten Gestalten sucht. Eindrucksvoll und souverän tritt der Junge mit den Berühmt­heiten auf, meistert fehlerlos und ausdrucks­stark seine Arien und wird dementspre­chend mit viel Beifall belohnt wie alle Mitwirkenden.

Musika­lisch untermalt und begleitet werden die Sänger von den Musiciens du Prince Monaco. Das Ensemble wurde auf Initiative von Cecilia Bartoli 2016 in Zusam­men­arbeit mit der Opera Monte Carlo gegründet und tritt seither zumeist mit der quirligen Italie­nerin auf. Gianluca Capuano leitet derzeit das Ensemble und dirigiert auch diesen Opern­abend. So gelingt auf Origi­nal­in­stru­menten eine nahezu origi­nal­ge­treue Wiedergabe dieses barocken Meister­werkes und vermittelt hörbare Authen­ti­zität im Instru­men­ten­klang, besonders bei den Bläsern. Der Dirigent führt zurück­haltend und gelassen. Er zähmt die Ausbrüche und Tempi, an manchen Stellen hätte hier mehr zur Steigerung der Spannung beigetragen.

Damiano Michie­letto insze­niert die klassische Erzählung realis­tisch offen und trans­parent. Dazu macht er Alcinas Zauber­insel zu einer fahl ausge­leuch­teten, sterilen Hotel­halle. Hinter einem ovalen Spiegel am linken Bühnenrand – für das Bühnenbild zeichnet Paolo Fantin verant­wortlich – verschwindet sie immer wieder in ihr privates Reich. Eine drehbare Milch­glaswand trennt das Geschehen in zwei Ebenen. Vorne läuft die Handlung, hinten werden von Statisten die Welt der Verzau­be­rungen und Verzau­berten darge­stellt. Die beiden Ebenen sind durch­lässig und kommen immer wieder zusammen. Eine weitere Doppel­sei­tigkeit findet sich in den Kostümen von Agostino Cavalca. Nicht immer logisch erscheinen die Protago­nisten in moderner Kleidung als auch mittel­al­ter­lichen Kostümen.  Hinter­lässt der erste Akt noch Fragen, gewinnt die Handlung im zweiten und dritten Akt merklich an Fahrt und Spannung. Am Ende herrscht grenzenlose Begeis­terung für diese formschöne Reise in die barocke Opernwelt auf höchstem Niveau, und ein Stück Himmel hat sich aufgetan.

Helmut Pitsch

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