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Orpheus und Robin Hood im Böhmerwald

SCHWANDA DER DUDELSACKPFEIFER
(Jaromír Weinberger)

Besuch am
15. Juni 2019
(Premiere)

 

Musik­theater im Revier Gelsen­kirchen, Großes Haus

Jaromír Weinbergers Oper Schwanda, der Dudel­sack­pfeifer gehört zu den vielen Märchen­opern des frühen 20. Jahrhun­derts, die zu ihrer Zeit Riesen­er­folge erzielten, aber nach dem Krieg nahezu in Verges­senheit gerieten. Dieses Schicksal teilt das Werk mit Engelbert Humper­dincks Königs­kindern, an dessen Reize das Gelsen­kir­chener Musik­theater im Revier im letzten Jahr erinnerte. Und auch der Schwanda erweist sich jetzt als effekt­volles, unter­halt­sames Werk mit Reper­toire­qua­li­täten. Obwohl erst 1927 urauf­ge­führt, zeigt Weinberger nicht die geringsten Ambitionen, sich den Zeichen der Zeit anzupassen. Der Böhme bleibt den großen Vorbildern Dvorák und vor allem Smetana treu, fügt ein paar herbe Klänge im Fahrwasser von Janáček ein und geizt nicht mit Polka-Klängen, die er bisweilen sympho­nisch anrührt wie Richard Strauss die Walzer im Rosen­ka­valier. Die Vertrautheit, auch der Charme der Musik nehmen durchaus für sich ein. Aller­dings sucht man vergebens nach einer eigenen kompo­si­to­ri­schen Handschrift, so dass sich der Eindruck eines epigo­nalen und stilis­tisch rückstän­digen Gemischt­wa­ren­ladens nicht ganz ausräumen lässt.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Das mindert freilich kaum den Unter­hal­tungswert des Stücks um den Musikus Schwanda, der auf seinem Dudelsack die Menschen und Fabel­wesen genauso betören kann wie der legendäre Orpheus. Glücklich ist er mit Dorota verhei­ratet, bis sich Babinsky, ein Räuber mit Robin-Hood-Gesinnung, für die Dame inter­es­siert und Schwanda davon überzeugt, in die Welt zu ziehen und mit seinem Spiel berühmt zu werden. Das versucht Schwanda auch, erleidet freilich bei der Königin Eisherz ebenso Schiff­bruch wie in der Hölle. Babinsky ist zugute­zu­halten, dass er Schwanda immer recht­zeitig aus der Patsche hilft, so dass am Ende alles glücklich ausgehen kann.

Der nieder­län­dische Regisseur und Bühnen­bildner Michiel Dijkema stellt den naiven Märchen­cha­rakter des Zweiakters ohne jeden Hang zu aktua­li­sierten Anspie­lungen in den Mittel­punkt, wobei die Bühnen­optik zusammen mit den fantas­ti­schen Kostümen von Jula Reindell für ein prall-buntes Theater­er­lebnis sorgt. Ob die kalte Bläue im Schloss der Eis-Königin oder das gemüt­liche Idyll in Schwandas Heimat: Mit sparsamen Mitteln, aber einer brillanten Licht-Regie und Farbe in Überfülle werden Erinne­rungen an die Kindertage wach. Gipfelnd im überwäl­ti­genden Szenario der Hölle, bestehend aus einer riesigen Menschen­py­ramide, an deren Spitze der Teufel thront. Allesamt grotesk und grellrot maskiert und kostü­miert. Pitto­resker geht es kaum. Dabei wirkt alles ebenso charmant wie die Musik und das ironisch gefärbte Textbuch der deutsch gesun­genen Aufführung.

Foto © Monika Forster

Dijkema setzt auch in der Perso­nen­führung auf Klarheit und deutliche Konturen. An Turbulenz mangelt es der Aufführung nicht, was sich folge­richtig im Orches­ter­graben der Neuen Philhar­monie Westfalen nieder­schlägt. Giuliano Betta, der junge stell­ver­tre­tende General­mu­sik­dreiktor des Musik­theaters im Revier, bevorzugt kräftige, leuch­tende Farben, lässt aber auch für den lockeren, an die Verkaufte Braut erinnernden Parlando-Ton einiger Szenen ein ebenso glück­liches Händchen erkennen wie für die lyrischen Momente. Ein Mix an Stimmungen und Stilen, der die mosaik­artige Struktur der Kompo­sition reflektiert.

Vokal präsen­tiert sich das Gelsen­kir­chener Ensemble diesmal nicht sonderlich homogen. Wunderbar Uwe Stickert als Babinsky mit seinem extrem hellen, mühelos anspre­chenden und ideal artiku­lie­renden Tenor. Piotr Prochera in der Titel­rolle verfügt zwar über einen starken, aber auch recht rauen Bariton, der der eher lyrisch verhal­tenen Rolle nur bedingt entge­gen­kommt. Bruchlose Kanti­lenen sind nur selten zu hören. Die verdienst­volle Petra Schmidt gibt der Königin Eisherz eine Sopran­stimme ohne Fehl und Tadel, auch wenn die Spitzentöne allmählich ebenso hart gelingen wie die von Ilia Papan­dreou als Dorota. Ein Mangel, der sich freilich nur gelegentlich einstellt, denn Papan­dreou präsen­tiert insgesamt ein überzeu­gendes Porträt des liebevoll lieben Mädchens aus der Provinz. Joachim G. Maaß bietet als sympa­thisch-böser Teufel ein komödi­an­ti­sches Kleinod als ein Satan, der sich über den Zustand der Hölle Gedanken macht. Michael Heine als Magier und der groß besetzte Opern- und Extrachor des Musik­theaters runden den positiven Eindruck ab.

Eine durchaus lohnende Begegnung mit dem lange Zeit geradezu verges­senen Kassen­knüller. Das Gelsen­kir­chener Premieren-Publikum reagiert mit begeis­tertem Beifall auf die knapp dreistündige Märchenstunde.

Pedro Obiera

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