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Foto © Will van Iersel

Vorhang auf

DIE TOTE STADT
(Erich Wolfgang Korngold)

Besuch am
16. Juni 2019
(Premiere)

 

Oper Wuppertal

Das tote Brügge – im Original Bruges-la-morte – ist ein symbo­lis­ti­scher Roman von Georges Rodenbach, der 1892 zunächst als Fortset­zungs­roman und im gleichen Jahr in Buchform erschien. Bereits ein Jahr später lag die deutsche Übersetzung vor, für Erich Wolfgang Korngold und seinen Vater die Vorlage für die Oper Die tote Stadt. Am 4. Dezember 1920 fand die Urauf­führung des zweiein­halb­stün­digen Werkes gleich­zeitig in den Stadt­theatern Hamburg und Köln statt. Da war das Wunderkind Korngold gerade mal 23 Jahre alt und hatte bereits zwei Einakter sehr erfolg­reich in Wien vorge­stellt. Seitdem gab es weltweit bis heute mehr als 550 Auffüh­rungen der Toten Stadt. Nun fügt die Oper Wuppertal eine weitere Insze­nierung einer um etwa eine halbe Stunde gestrafften Version hinzu.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Immo Karaman hält sich bei seiner Regie nicht lange mit Psycho­lo­gi­sieren auf, sondern kümmert sich um das, wofür ein Regisseur zuständig ist: Er erzählt eine Geschichte. Und weil er auch gleich für das Bühnenbild verant­wortlich zeichnet, gelingt ihm die Geschichte flott. Grundlage seiner Bühne ist ein verklei­nerter Guckkasten, der als metal­li­scher Raum die Grundlage dafür bietet, verschiedene Requi­siten blitz­schnell hinter verschie­denen Vorhängen zu wechseln. Schnell ist da mal ein Stuhl hinge­stellt, eine Bahre herein­ge­schoben, ein Blumen­strauß drapiert und schon geht es weiter zum nächsten Bild. Zusätzlich lässt sich die Rückwand verändern – herzlich willkommen in der Patho­logie, in der Maries Leiche aus der Wand herauslugt – und es darf Party gefeiert werden, aber auch ein Autounfall darge­stellt oder Mariettas Flucht glaubhaft gemacht werden. Ja, in dieser toten Stadt ist eine Menge los, während Paul seine Trauer kontras­tierend, häufig im Abseits der Handlung, pflegt. Behutsam, aber passend einge­brachte Video­pro­jek­tionen verleihen dem Geschehen zusätz­lichen Schwung. In der Licht­ge­staltung halten sich Henning Priemer und Fredy Deisenroth angenehm von drama­ti­schen Effekten fern. Für die sorgen schließlich die Sänger­dar­steller, die Fabian Posca in Kostüme gesteckt hat, die an die 1980-er Jahre erinnern und damit das Geschehen heutig machen sollen, ohne sich auf eine spezielle Zeit festzu­legen. Und es soll ja durchaus Menschen geben, die die Mode der 80-er heute wieder für sehr angesagt halten.

Susanne Serfling als Marietta – Foto © Will van Iersel

Dass Susanne Serfling in den Kleidungs­stücken nicht immer sehr vorteilhaft aussieht, ist ihr vermutlich herzlich egal. Denn sie hat sich der Mörder-Rolle von Marie respektive Marietta angenommen. Die hat nicht nur einen hohen sänge­ri­schen Anspruch, dem sie vor allem in den Höhen gerecht wird, sondern verlangt eine gehörige Portion Kondition. Der Haus- und Rollen-Debütantin gelingt es auch wirklich, fast vollständig durch­zu­halten. Auch Jack Wickson, der hier nicht, wie sonst gern üblich, den Psycho­pathen zu spielen hat, sondern sich einfach seiner Trauer und seinen Zweifeln hingeben darf, geht in seiner Rolle auf und leidet ganz wundervoll, vor allem an den schwie­rigen Stellen, an denen er nämlich nichts anderes zu tun hat, als abseits zu kauern. Bei beiden gefällt wie auch bei den übrigen Sänger­dar­stellern die hohe Textver­ständ­lichkeit, die die Übertitel beinahe gänzlich überflüssig macht. Die übrigen Rollen sind sehr glücklich, man möchte beinahe sagen: luxuriös besetzt. Ariana Lucas eröffnet glaubhaft als Haushäl­terin Brigitta. Simon Stricker gefällt besonders als Frank. Sangmin Jeon muss als Victorin und Gaston viel Mut zu seiner Perücke beweisen. Als Graf Albert ist Mark Bowman Hester sicher überbe­setzt. Anne Martha Schui­temaker und Iris Marie Sojer bieten als Juliette und Lucienne mehr als nur – kurzen – Hörgenuss. Der kurze Auftritt des Kinder­chors im Off kann schon unter die Haut gehen, und der Opernchor gefällt mit einem Kurzauf­tritt, der anspruchsvoll choreo­gra­fiert ist. Beide Chöre sind von Markus Baisch einstudiert.

Die spätro­man­tische Musik Korngolds erklingt ohnehin überbordend, verliert sich oft lautstark in den seeli­schen Tiefen. Dirigent Johannes Pell versucht hier und da, den lauteren Passagen noch zusätz­lichen Schwung zu verleihen. Darin folgt ihm das Sinfo­nie­or­chester Wuppertal gern, auch wenn es eigentlich kaum nötig ist. Aber insgesamt ein sehr schöner Vortrag, der die Idee klar vermittelt.

Das Publikum beginnt seinen Schluss­ap­plaus gleich mal mit Bravo-Rufen, bedenkt neben Darstellern und Orchestern auch das Leitungsteam mit donnerndem Beifall. Vollkommen zu Recht. Und am liebsten möchte man gerade Menschen, die sonst eher einen zurück­hal­tenden Umgang mit der Oper pflegen, diese Insze­nierung ans Herz legen. Wuppertal ist hier ein großer Wurf gelungen.

Michael S. Zerban

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