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Macht der Heilung, Macht der Zerstörung

ALCINA
(Georg Friedrich Händel)

Besuch am
16. Juni 2019
(Premiere am 14. Juni 2019)

 

Händel-Festspiele Halle, Goethe-Theater Bad Lauchstädt
Meiningen

Es könnte eine Quiz-Frage werden: Welche Händel-Oper wurde 190 Jahre lange vergessen, aber steht zur Zeit zunehmend auf den Spiel­plänen? Die Antwort ist Alcina, die zwischen 1738 und 1928 niemals aufge­führt wurde. Im Mai 2019 gerade sehr erfolg­reich von den Salzburger Pfingst­fest­spielen gebracht und jetzt im Juni ebenso erfolg­reich – aber mit einem wesentlich kleineren Budget – am histo­ri­schen Goethe-Theater in Bad Lauch­städt im Rahmen der diesjäh­rigen Händel-Festspiele Halle.

Händels Oper von 1735 spielt auf einer verzau­berten Insel, auf der die Zauberin Alcina ihre Geliebten anzieht, um sie dann in wilde Tiere oder leblose Gegen­stände zu verwandeln, wenn sie sie satthat. Nur der Ritter Ruggiero gewinnt wirklich ihr Herz und bricht schließlich ihre Zauber­mächte, weil die echter Liebe nicht stand­halten können. Denn Ruggiero liebt eigentlich die edle Bradamante, die sich in Männer­kleidern auf die Suche nach ihm gemacht hatte. Die Handlung basiert auf dem Versepos der Ritter­lichkeit von Ludovico Ariosto, Orlando Furioso, 1516 veröf­fent­licht. Regisseur Niels Badenhop – der auch für Kostüme und Choreo­grafie verant­wortlich zeichnet – hat die wunderbare Bühnen­ma­schi­nerie, Kulis­sen­schlitten und Versen­kungen des Goethe-Theaters von 1802 bestens für die barocke Lust an der opulenten Ästhetik umgesetzt. Bemalte Panoramen mit ergän­zenden Seiten­schals – à la Drott­ningholm in Stockholm oder dem Teatro Olympico in Vicenza – passen zu der manie­riert anmutenden Bewegungs­sprache der barocken Gestik. Badenhop unter­richtet histo­ri­schen Tanz an mehreren Hochschulen, und das kommt dieser Insze­nierung zugute in der eleganten, formellen Körper­sprache der vielen Tänze, die quasi als kommen­tie­rende Inter­mezzi eingefügt sind. Insgesamt ergibt sich im Ganzen eine histo­risch infor­mierte Insze­nierung, die jedoch modern und anspre­chend ist.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Die Lautten-Compagney Berlin, spezia­li­siert auf Alte Musik, unter ihrem musika­li­schen Leiter Wolfgang Katschner, zeichnet für die brillante Musik von Händel im engen, lange­streckten Graben verant­wortlich. Das Goethe-Theater ist klein – gerade mal rund 600 Zuschauer haben Platz – hat aber eine warme Akustik, die für die Musik von Händel ideal ist. Jedes Flirren der Laute oder der Akzent eines exoti­schen Schlag­werk­in­stru­ments ist bis in den Rang klar zu hören. Katschner und seine Musiker sind seit Jahren aufein­ander einge­spielt, und das trägt zu einer leiden­schaft­lichen, farben­frohen und detail­lierten Lesung der Partitur bei. Jede Stimmung eines Darstellers wird auf subtile Weise nachemp­funden, jede Verzierung ausgekostet.

Händels Musik ist eigentlich eine Anein­an­der­reihung von Arien, eine schöner als die nächste, die alle eine musika­lische Genau­igkeit und gleich­zeitige Leich­tigkeit sowie Wandlungs­fä­higkeit der Stimme ihrer Inter­preten verlangt.  In dieser Produktion ist die Alcina ein Sopran, der aber auch die nötige Tiefe aufzeigen muss – Myrsini Margariti gibt eine selbst­be­wusste Frau mit ihrer geschmei­digen und warmen Stimme, die mühelos die Kolora­turen bewältigt. Alcina ist es letzt­endlich gleich­gültig, was mit ihren Ex-Liebhabern passiert. Haupt­sache, sie sind aus dem Weg. Ob sie als Stock oder Stein, Busch oder Tier ihr Dasein fristen, ist ihr egal. Ihre Schwester Morgana ist Sopran Hanna Herfurtner, die mit ihrer klaren und funkelnden Höhe spielt und als die mensch­li­chere Schwester erscheint, obwohl sie genauso manipu­lativ ist.

Foto © Marcus Lieberenz

Ruggiero ist der Counter­tenor Nicholas Tamagna, mit ausdrucks­starkem Timbre, müheloser Höhe und großer Musika­lität, der darüber hinaus auch durch seine schau­spie­le­ri­schen Fähig­keiten glänzt. Als Bradamante ist die Altistin Julia Böhme mit eleganter und inniger Wärme zu hören. Ihr Charakter verlangt Vernunft in einer verrückten Welt, immerhin setzt sie sich großen Risiken aus, um ihren Verlobten zu suchen – und zu finden.

Tenor Andreas Post ist Oronte, der verschmähte Liebhaber von Morgana, der ihr dennoch die Treue hält. Dazu passt sein warmer und wandlungs­fä­higer Tenor. Bradamantes Vertrauter und Begleiter Melisso ist Bariton Elias Benito Arranz, der die tragende Rolle elegant und bewegend bringt. Als kleine, aber emotional wichtige Rolle gibt es die Rolle eines Kindes, Oberto, dessen Vater der Künste der Alcina verfiel und in dieser Produktion in einen Löwen verwandelt wurde. Johanna Knauth ist Oberto, die mit ihrem klaren Sopran für die Umwandlung ihres Vaters kämpft und letzt­endlich siegt. Leider wird der Darsteller des Löwen in seiner präch­tigen Maske nicht genannt, aber auch stumm versteht man seine einstige Würde und jetzige Verzweiflung.

Bei dieser Produktion treffen sich die musika­li­schen und darstel­le­ri­schen Inter­pre­ta­tionen auf einer quali­tativ ebenbür­tigen, hohen und homogenen Ebene, um so den wunder­schönen Melodien von Händel alle Ehre zu machen.

Das Publikum würdigt die Leistungen von Sänger, Tänzern und musika­li­schem Ensemble mit langan­hal­tendem Applaus. Um auf das eingangs genannte Salzburg zurück­zu­kommen – das beschei­denere, aber intimere Bad Lauch­städt liegt hier ganz klar vorn.

Zenaida des Aubris

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