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JE SUIS JACQUES
(Christian von Götz)
Besuch am
25. Juni 2019
(Premiere am 21. Juni 2019)
Die Kölner Oper nahm sich viel vor, um den 200. Geburtstag des berühmtesten Komponisten der Stadt, Jacques Offenbach, gebührend zu würdigen. Mit großem Aufwand scheiterte man dabei bereits an einer platten Produktion seiner Opéra Bouffe La Grande-Duchesse de Gérolstein im Staatenhaus. Im zeitlich noch engeren Umfeld des Geburtstags erlitt man mit einer „Jubiläums-Offenbachiade“ unter dem Titel Je suis Jacques mit bescheidenen Mitteln noch größeren Schiffbruch.
Der Spielort ist bezeichnend für das Desaster: Die Außenspielstätte an der ewigen, wohl noch mindestens bis 2024 andauernden Baustelle des Opernhauses am Offenbachplatz. Ein langer, enger Schlauch, in deren Mitte eine runde, von Dieter Richter gestaltete Bartheke als Bühne reichen muss. Sechs Musiker, teilweise aus den Reihen des Gürzenich-Orchesters mit Gerrit Priessnit am Klavier an der Spitze, agieren außen, den Blicken der Zuschauer entzogen. Das erinnert eher an Kneipen-Theater als an eine ehrenvolle Würdigung des großen Musikdramatikers. Regisseur Christian von Götz zimmerte eine banale Rahmenhandlung um den Kellner Jakob zusammen, der seine Kneipe endlich schließen will. Doch nach und nach erscheinen bekannte und weniger bekannte Figuren aus Offenbachs Stücken, die den Meister sehen wollen. Und als der entpuppt sich am Ende Jakob, der Kellner.

Die Figuren, darunter der Bösewicht Lindorf, der frauenmordende Blaubart, Orpheus und die „Schöne Helena“, tragen kurze Gesänge vor, insgesamt über 20, instrumental ausgedünnt durch brave Arrangements von Ralph Soiront für sechs Musiker, die auch von den Ausschnitten nahezu völlig unbekannter Stücke wie Genoveva von Brabant, Schönröschen oder Die drei Küsse des Teufels ein schiefes Bild vermitteln. Mit Offenbach hat das nichts zu tun. Und mehr hat auch Götz‘ Text nicht zu bieten. Die Gelegenheit, die interessanten Aspekte des deutschen Franzosen und französischen Deutschen, des zum Katholizismus konvertierten Juden einzubeziehen, wurden ausgelassen. Da hat eine zeitgleiche Studenten-Produktion der Aachener Musikhochschule mit einer ähnlich gestrickten Offenbach-Revue erheblich mehr an Hintergründigkeit, aber auch an Witz und Tempo zu bieten.
Mit dieser spröden Produktion setzt die Kölner Oper jene unselige Rezeption fort, die Offenbach ins Revue-Theater oder die ganz große Oper bannte und den spezifischen Esprit seiner Ästhetik nicht begriff.
Gesungen wird ebenfalls auf mittlerem Niveau, von dem sich allenfalls der Tenor Jeongki Cho und die Sopranistin Alina Wunderlin ein wenig abheben können.
Pedro Obiera