O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Oper konzertant! Da kommen Werke zum Zug, die szenisch kaum eine Chance haben. Oder sie sind Vehikel für große Sängerstars, die sich in neuen Rollen ausprobieren möchten. Beides trifft zu für die Aufführungsserie von Hamlet in der Vertonung von Ambroise Thomas, die die deutsche Oper Berlin ihren Gästen zum Abschluss der Saison beschert.
Die 1868 in Paris uraufgeführte musikalische Tragöde mag zwar Shakespeare-Puristen dramaturgisch Probleme bereiten – in der Urfassung überlebt Hamlet und wird zum König ausgerufen; erst in der zweiten, die in Berlin gespielt wird, begeht der Prinz am Ende Selbstmord – doch für Stimmfans wie Interpreten ist das Stück ein Leckerbissen. Es bietet jede Menge an effektvoller Musik in der Tradition der französischen Grand opéra: darunter ist das wunderschöne Liebesduett, das leitmotivisch immer wieder kehrt, das Trinklied Hamlets und vor allem die ausufernde Wahnsinnsszene der Ophélie. Sie gehört zu den Wunschrollen vieler Koloraturdiven, und so dürfte auch Diana Damrau, die die Partie nach zwei Vorstellungen in Barcelona in Berlin gibt, der Grund gewesen sein, das Stück anzusetzen. Sie verkörpert immer noch glaubhaft das junge Mädchen und sie singt bewunderungswürdig, auch wenn kleine Härten in der Höhe einen Wechsel ins dramatischere Fach andeuten. Doch wie sie Töne an- und abschwellen lässt, Koloraturgirlanden fein spinnt und vor ihrem Wassertod zusammen mit dem makellosen Damenchor reinen Wohlklang verströmt, das ist große Sangeskunst.

Dennoch stiehlt ihr Florian Sempey als Hamlet fast die Schau. Mit langen Haaren und bekleidet mit einem Gehrock, in der Hand einen antiquarischen Klavierauszug, wirkt er wie eine übersteigerte romantische Figur des 19. Jahrhunderts. Und als solche gibt er dem Dänenprinzen fast wahnhafte Züge. In erster Linie aber beeindruckt die vokale Gestaltung. Sempey verfügt nicht nur über einen Prachtbariton, sondern setzt ihn mit einem Nuancenreichtum ein, der vom mächtig auftrumpfenden Trinklied bis zum fast tonlosen Sein oder nicht sein alle erdenklichen stimmlichen Schattierungen ausschöpft. Großes Format besitzt auch Eve-Maud Hubeaux, die die Gertrude mit imposantem Mezzosopran ausstattet und zwischen zurückgenommenem Arioso und dramatischem Ausbruch alle vokalen Register zieht. Nicolas Testé scheint zwar immer ein wenig unbeteiligt, gibt aber stimmlich einen markanten König.
Über drei Stunden währt das musikalische Glück. Großen Anteil daran hat Dirigent Yves Abel, der mit leidenschaftlichem Zugriff für nicht nachlassende Spannung sorgt. Er hat das Orchester der Deutschen Oper in blendende Form gebracht, die sich in den sinfonischen Zwischenspielen und etlichen famosen Soli, insbesondere der Blasinstrumente und Harfen, niederschlägt.
Am Ende der dritten, gut besuchten Aufführung werden alle Beteiligten ausdauernd und mit vielen Bravos gefeiert.
Die neue Saison verspricht weitere attraktive konzertante Aufführungen: Anna Netrebko wird in Adriana Lecouvreur erwartet, der neue französische Koloraturstar Sabine Devieilhe in Dinorah und Nicole Car in Thais.
Karin Coper