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PIQUE DAME
(Peter Tschaikowsky)
Besuch am
7. Juli 2019
(Premiere am 5. Juli 2019)
Seit zehn Jahren leitet Marcus Bosch die Opernfestspiele seiner Heimatstadt Heidenheim an der Brenz, und in dieser Zeit hat er das längere Zeit vor sich hin dümpelnde Festival aus seinem Dämmerschlaf gerissen und zu einem interessanten Farbtupfer in der deutschen Festival-Landschaft aufwerten können. Zwei Opern-Produktionen und ein reichhaltiges Konzert- und Beiprogramm können mittlerweile gestemmt werden. Tatkräftig gefördert von der Stadt Heidenheim und einem geschickten Sponsoring, wesentlich gestützt von den idealen Spielstätten, der malerischen Schlossruine Hellenthal mit ihrer Opern-Air-Bühne und einem Kongresszentrum. Zwei benachbarte Spielstätten mit gleichen Bühnenmaßen und jeweils etwa 900 Sitzplätzen, so dass Aufführungen bei schlechtem Wetter problemlos vom Schloss ins überdachte Haus verlegt werden können. Und der Umzug gelang in diesem Jahr angesichts dunkler Gewitterwolken reibungslos bei der ersten Reprise der Neuproduktion von Peter Tschaikowskys Oper Pique Dame.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Auch wenn Boschs Zeiten als Aachener Generalmusikdirektor mittlerweile schon sieben Jahre zurückliegen, ist seine enge Verbindung zur Kaiserstadt selbst in Heidenheim noch zu spüren. Etwa durch die Mitwirkung von Marijn Simons, der neben seiner Aufgabe als Konzertmeister des Aachener Sinfonieorchesters vielfältig als Komponist und Dirigent tätig ist und in diesem Jahr die zwei Aufführungen der Tschaikowsky-Oper am 13. und 17. Juli leiten wird. Und Bosch, der nach seinem Abgang vom Nürnberger Staatstheater, abgesehen von vielen Gastspielen, bei der Norddeutschen Philharmonie Rostock und der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz neue orchestrale Heimaten gefunden hat, fühlt sich besonders wohl mit seiner Professur für das Fach Dirigieren an der Hochschule für Musik und Theater in München. Von seinen zehn Schülern haben fünf ansatzlos feste Engagements gefunden. Darunter auch die Koreanerin Yura Yang, die nach ihrem Engagement am Gelsenkirchener Musiktheater im Revier in der kommenden Saison als erste Kapellmeisterin in der Geschichte des Theaters in Aachen wirken wird.
Auch Tobias Heyder, der Regisseur der diesjährigen Hauptproduktion, ist den Aachenern nicht unbekannt. Vor drei Jahren stellte er sich dem dortigen Publikum mit einer diskussionswürdigen Inszenierung von Verdis Macbeth vor. Gleich darauf leitete er Boschs Verdi-Zyklus in Heidenheim ein, in dem chronologisch vom Oberto bis zum Falstaff alle 33 Opern des Meisters gezeigt werden sollen. Die meisten als zweite Produktion in der Kongresshalle. In diesem Jahr ist der Ernani am 18. und 20. Juli an der Reihe. 2020 allerdings wird Verdis monumentaler Don Carlo als zentrale Produktion in der Schlossruine aufgeführt.

Nicht abstellen lässt sich das Problem, dass die Spielfläche der Schlossruine nur über eine geringe Tiefe verfügt. Für Tschaikowskys Pique Dame hat Regisseur Heyder zusammen mit der Bühnenbildnerin Britta Tönne eine einfache Lösung gefunden, indem er sich für den Hintergrund mit einer von sechs Türen durchbrochenen Mauerfront begnügt, die den Solisten und vor allem dem prächtigen Chor der Tschechischen Philharmonie Brünn viele Auftrittsmöglichkeiten erlaubt, so dass die Enge kaum spürbar wird. Heyder inszeniert das derzeit hoch im Kurs stehende und in der nächsten Spielzeit auch in Aachen vorgesehene Stück geradlinig und intensiv, wobei er auf vordergründiges russisches Dekor ebenso verzichtet wie auf verkrampfte Aktualisierungen. Gewöhnungsbedürftig ist allenfalls die Darstellung der alten Gräfin als frisch agierende, rothaarige Hexe, die ein wenig eindimensional bösartig und weniger dämonisch gezeichnet wird.
Bosch am Pult der Stuttgarter Philharmoniker schlägt recht robuste Töne an, die die Sänger bisweilen arg unter Druck setzen. Das betrifft vor allem Karina Flores in der weiblichen Hauptrolle der Lisa, die kurzfristig eingesprungen ist, sich der kräftezehrenden Partie mit beeindruckender Konditionsstärke stellt, aber ihre Stimme zu überstrapazieren droht. Gelassener, aber nicht nachlässiger bewältigt der aus Bonn bekannte Tenor George Oniani die ebenso anspruchsvolle Rolle des Hermann. Zoltán Nagy als Graf Tomski sowie Tamara Gura und Michaela Maria Mayer setzen wie der überragende Brünner Chor zusätzliche Akzente.
Pedro Obiera