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HEROES IN LOVE
(LaBarocca)
Besuch am
29. Juni 2019
(Einmaliges Gastspiel)
Heroische Partien wurden in der italienischen Oper vom 16. bis Anfang respektive Mitte des 18. Jahrhunderts vorwiegend mit hohen Stimmen besetzt. Sie wurden meist gesungen von Kastraten, denn die verfügten über einen großen Stimmenumfang. Später, als die Unsitte der Beschneidung von Knaben verboten wurde, wurden sie auch von Frauen gesungen, von Mezzosopranistinnen und Altistinnen, und so entstanden die Hosenrollen. Countertenöre wie heute oft üblich bringen nur einen schwachen Abglanz des Geforderten wegen ihres doch geringeren Volumens. Wer aber kann heute noch diese mörderisch schweren Partien mit ihren wahnsinnigen Registersprüngen und irren Koloratur-Linien singen?

Die Gluck-Festspiele, die vom 27. Juni bis zum 14. Juli an den unterschiedlichsten Spielstätten rund um Nürnberg stattfinden, schätzen sich glücklich, durch Sonia Prina wenigstens ein paar der höllisch schweren Arien aus den frühen italienischen Opern Christoph Willibald Glucks, zwischen 1737 und 1745 entstanden und heute meist in der Gänze verschollen, aus der Versenkung heben zu können. Sie hat für das schlecht besuchte Stadttheater Fürth drei Stücke aus Sofonisba, zwei aus Semiramide riconosciuta, eines aus dem ganz frühen Demofonte und eines aus dem späteren Ezio ausgesucht. All diese Arien zeigen den eroe amante, also den liebenden, innerlich aufgewühlten Helden, der zwischen kämpferischem Elan, Entsetzen bei einem Unwetter auf dem Meer, Zornesausbrüchen, Leidenschaft und kurzzeitiger Besinnung schwankt. Das wird charakterisiert mit halsbrecherischen Intervallsprüngen, Kontrasten zwischen rasanten Tempi und ruhigerem Legato, zwischen virtuosen, äußerst schweren Verzierungen und melodischem Zauber. Die volle, dunkle, runde, in den Höhen strahlend schöne und in den Tiefen samtig weiche Stimme der Altistin aus Italien, stets sicher positioniert, scheint alle diese bravourösen Finessen mühelos zu meistern, so dass man als Zuhörer nur noch den Atem anhält, etwa bei den locker dahin laufenden Koloraturen, und sie hat ganz offensichtlich noch einen riesigen Spaß dabei. Die etwas rockig aufgemachte, äußerst attraktive Sängerin im schwarzen Hosen-Dress aber wird hervorragend gestützt von dem ausgezeichneten Ensemble LaBarocca aus Mailand unter der Leitung von Ruben Jais, das mit feinem Klang, beschwingt, sinnvoll akzentuierend, gefühlvoll begleitet und selbst auch zwei frühe, kurze Sinfonien, also Ouvertüren, zu Opern Glucks beisteuert. So wird das Bild vom frühen Opernschaffen Glucks in sich abgerundet. Die nicht allzu vielen Besucher aber können gar nicht aufhören mit Bravorufen und Beifall. Zu Recht!
Renate Freyeisen