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Foto © Uwe Hauth

Kammeroper in neuem Gewand

GLI ORAZI E I CURIAZI
(Domenico Cimarosa)

Besuch am
19. Juli 2019
(Premiere)

 

Kammeroper Schloss Rheinsberg

Über 80 Opern hat der neapo­li­ta­nische Komponist Domenico Cimarosa in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhun­derts kompo­niert. Hierzu­lande kennen wir eigentlich nur seine komödi­an­tische Heimliche Ehe, die als sein Meisterwerk gilt. Es gibt jedoch auch noch andere Werke wie die jetzt in Schloss Rheinsberg aufge­führte bedeu­tendste Opera seria von Cimarosa, Gli Orazi e i Curiazi, die 1796 im Teatro la Fenice in Venedig urauf­ge­führt wurde.

Der für uns etwas holprige Titel bezieht sich auf zwei Patri­zi­er­fa­milien, die Orazi in Rom und die Curiazi in dem nahe gelegenen Alba Longa. Beide Städte bekriegen sich seit Jahren. Die Geschichte lehnt an Shake­speares Romeo und Julia an: Die junge Orazia verliebt sich in Curiazio, und sie heiraten auch mit dem Segen des Vater Orazio, zumal sein Sohn Marco schon mit Sabina, der Schwester Curiazios, verhei­ratet ist. Eigentlich sollte diese doppelte Verbindung für Frieden sorgen. Unglück­li­cher­weise beschließen aber die Herrscher beider Städte, ein für alle Mal mittels eines Sechs­kampfs die Querelen zu beenden. Natürlich gehören Marco und Curiazio zu den Auser­wählten, die auf Leben und Tod antreten sollen. Orazia, als junge Braut, versteht gleich, dass sie sich in einer ausweg­losen Situation befinden wird – entweder ihr Mann oder ihr Bruder wird sterben. Beide junge Männer setzen die Liebe und Treue zum Vaterland vor jegliche familiäre Bezie­hungen. Curiazio wird von Marco getötet, Rom siegt über Alba. Eine verzwei­felte Orazia wird letzt­endlich von ihrem eigenen Bruder in einem Anfall von überschwäng­lichem Patrio­tismus erstochen.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Die Kammeroper Schloss Rheinsberg gilt schon seit Jahrzehnten unter der damaligen Leitung von Siegfried Mathus als Talent­schmiede für junge Sänger. Dieses Jahr gibt der neue Hausherr der Kammeroper, Georg Quander, mit diesem Werk seinen Einstand als Regisseur in Rheinsberg und weiht gleich­zeitig eine neue Freiluft­bühne am Kavaliershaus ein. Breit und nicht sehr tief, ermög­licht sie dem Zuschauer eine Intimität mit den Sängern, die anfänglich gewöh­nungs­be­dürftig ist – das Orchester spielt hinter den Sängern und probiert, sich die Gebäu­de­front akustisch zunutze zu machen. Fred Berndt baut links und rechts zwei eindrucksvoll hohe, identische Türme aus verros­tetem Stahl­blech vor Piranesi-artigen Drucken der Städte Rom und Alba. Er ist auch für die Video­pro­jek­tionen verant­wortlich, die während des zweiten Teils auf das Kavaliershaus proji­ziert werden: Wochen­schau-Ausschnitte von marschie­renden Truppen, Auszüge aus dem Stumm­film­klas­siker Napoleon von Abel Gance aus dem Jahre 1927 und eine aufflie­gende Schar an Friedens­tauben appel­lieren an ein Ende der ewigen Kriege.  Die natür­liche Grasfläche dient als Bühne, mit einem sandigen Mittel­streifen, der zugleich die Seiten trennt oder verbindet und an einer Opfer­feu­er­säule endet.

Foto © Uwe Hauth

Die Regie von Quander siedelt die Oper in der Epoche ihrer Entstehung an – nach der franzö­si­schen Revolution mit Roben und Perücken von Barbara Krott – die sich gut in das Fride­ri­zia­nische Ensemble von Rheinsberg einfügt. Drama­tur­gisch beschränkt sich die Regie auf die Auf- und Abtritte des Chores und einige, wenige drama­tische Hinweise für die Sänger. Dazu gehört das Macho­auf­treten des Tenors Wagner N. S. Moreira als Marco, der mit einem fast barito­nalen Timbre überzeugt, und die sensible Inter­pre­tation des Counter­so­prans Samuel Mariño. Seine außer­or­dent­liche Tessitura hat die Fähigkeit, sein Publikum mit einem warmen Schmelz völlig zu verzaubern. Sopran Shixuan Wei verkörpert die Rolle der hin- und herge­ris­senen Tochter und Braut Orazia voller Inbrunst und authen­ti­scher Überzeugung, wie auch melodi­scher Stimm­färbung und glasklaren Kolora­turen. Die kleineren Partien lassen aufhorchen und der Rheinsberg-Akademie zu einer guten Auswahl in diesem Jahr gratulieren.

Unver­stärkt und ohne Dach kämpft das Ensemble der Kammer­aka­demie Potsdam hinter den Sängern um Balance und Gehör. Da kann die Leitung von Markellos Chrys­sicos noch so charis­ma­tisch sein, aber die Brillanz und Energie von Cimarosas melodi­schen Erfin­dungen und seinen lebhaften Motiven will nicht ganz gelingen. Sicherlich wird die Kammeroper hierfür in den nächsten Jahren eine bessere Lösung finden. Da haben es die Sänger leichter, da sie den gesamten Vorhof nutzen können – mal sind sie von einer hinteren Balus­trade, mal von den hohen Türmen, mal sogar hinter dem Publikum zu hören. Unter­stützt werden sie vom Apollo-Chor der Staatsoper Unter den Linden, der einfühlsam in der Einstu­dierung von Artur Grywatzik das gemeine Volk beider Parteien verkörpert.

Langer und anhal­tender Applaus für alle Betei­ligten, besonders für die Solisten. Sogar die etwa zweistündige Anfahrt von Berlin wird von dem Zauber der Schloss-Kulisse wettgemacht.

Zenaida des Aubris

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