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EIN AMERIKANER IN ITALIEN
(Niccolò Piccinni)
Besuch am
26. Juli 2019
(Premiere)
Sommerzeit ist Festspielzeit, auch im Schloss und Gutshof Britz im Berliner Bezirk Neukölln, wo die rührige Musikschule Paul Hindemith seit 2006 an zwei Ferienwochenenden nicht so bekannte Opernkost des 18. Jahrhunderts auftischt. Dabei werden nicht die großen Meister, wie Mozart oder Haydn gespielt, sondern ihre damals berühmten, aber heute vernachlässigten Kollegen Salieri oder Cimarosa, dessen Die Italienerin in London letzte Saison zu einem großen Vergnügen geriet.
In diesem Jahr bringen die Britzer einen anderen Zeitgenossen auf die Bühne, Niccolò Piccinnis 1772 in Rom uraufgeführtes Intermezzo L’Americano. Der Komponist, geboren 1728, etablierte sich zunächst mit über 50 Opern in seiner Heimat und errang 1760 mit der Buffa La buona figliuola einen Sensationserfolg. 1776 übersiedelte er nach Paris, wo er unfreiwillig zum Kontrahenten Glucks im Opernstreit zwischen Traditionalisten und Reformern wurde. 1800 starb er in der französischen Hauptstadt.
L’Americano, der in der deutschen Bearbeitung von Bettina Bartz und Jürgen Hinz in Anlehnung an die letzte Produktion Ein Amerikaner in Italien heißt, erzählt von einem italienischen Weltenbummler, der von einer Reise besagten Amerikaner mit nach Hause bringt. Dort führt sich seine Verlobte aus Wut über die lange Abwesenheit wie eine Furie auf und versucht, mit dem Gast anzubandeln. Der jedoch hat es auf das Dienstmädchen Lisa abgesehen. Nach etlichen Streitigkeiten und Missdeutungen kommt es zur vorhersehbaren Doppelhochzeit.

Mehr als ein ständiges Beziehungs-Hin-und-Her zwischen den vier Personen gibt das Stück inhaltlich nicht her. Deshalb möbelt es Regisseur Oliver Trautwein mit vielen Gags, irrwitzigem Slapstick und zugefügten Figuren auf. Das Orchester, das als lärmende Badegäste auftritt, zwei Mafiosi, eine Indianerin, die lebendig gewordene Freiheitsstatue und ein Friseur mischen munter mit in der deftigen Inszenierung, in der man sich nur mehr Ruhepunkte gewünscht hätte. Dafür kann man sich an dem von Alexander Martynow mit Fantasie und Liebe zum Detail ausgestatteten Hotel samt vorgebautem Schwimmbad nicht satt sehen.
Mit Anika Paulick und Anna Hoffmann debütieren in Britz zwei vielversprechende Sopranistinnen, die mit stimmlichem Furor und wendigen Koloraturen ihre Rollen ausfüllen und sich dazu auf jede szenische Aktion und jedes körperliche Gerangel einlassen. Auch Volker Nietzke als Amerikaner ist erstmals dabei und steuert einen schönen lyrischen, nur nicht durchweg konstant klingenden Tenor bei. Den Italiener von Welt gibt Tobias O. Hagge, der mit seiner Arie, die er im Schwimmbecken singt, für einen komischen Höhepunkt sorgt.
Und da ist noch Andrea Chudak, ohne die der Britzer Opernsommer nur eine halbe Sache ist. Auch in ihrer kleinen Rolle als Indianerfrau ist zu erleben, was für eine famose Komödiantin sie ist. Und eine gute Sängerin dazu, die als Einlage Mozarts Rosenarie aus dem Figaro innig wiedergibt. Im direkten Vergleich zeigt sich dabei der Unterschied zu Piccinnis nicht mehr als gefälligen Melodien, die diese Tiefe nicht besitzen. Dass sie dennoch ihren Reiz haben, daran lassen Stefan R. Kelber, der mit Verve in Bademantel und ‑kappe dirigiert, und das beherzt aufspielende Kammerorchester des Festivals Schloss Britz, keinen Zweifel.
Das Publikum freut sich über den sommerlichen Spaß und feiert bei der Premiere alle Mitwirkenden.
Karin Coper