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SIMON BOCCANEGRA
(Giuseppe Verdi)
Besuch am
15. August 2019
(Premiere)
Forza Italia“ – „Make Genova Great Again“: Gleich zu Beginn wird klargemacht, dass wir uns in der Gegenwart befinden, denn mit solchen unzähligen Twitter-Meldungen wird anfänglich immer wieder die Bühne mit Projektionen überschwemmt. Und da heute die Social-Media-Kanäle ein Hauptkommunikationsmittel sind, rennen gleich von Beginn die Bürger von Genua ständig mit Handys telefonierend oder SMS tippend sowie später mit Tablets herum. Der Strippenzieher Paolo Albiani wird zum Königsmacher und beeinflusst damit das Volk, Simon zum Dogen zu küren: Andreas Kriegenburg hat Giuseppe Verdis Simon Boccanegra bei den Salzburger Festspielen einen gewaltigen Modernisierungsschub verpasst und in der heutigen Manager- und Politikwelt angesiedelt, er zeigt ein Sittenbild unseres Politikzeitalters, weswegen auch allen von Tanja Hofmann Anzüge oder Business-Kostüme verpasst wurden. All das kann man in dem hellgrauen, nicht uneleganten Betonbunker von Harald B. Thor erleben, der an die italienische Faschismus-Ära erinnert, mit Schlitzen, durch die man das Meer ausschnittsweise sehen kann oder mit einer Palmenecke sowie einem mächtigen Zylinder, der drehbar zu einem mehrstöckigen Senatssaal wird. Offenbar will uns der Regisseur das Zeitlose der Geschichte aus dem 14. Jahrhundert vor Augen führen. Er stellt Macht über Moral. Zugegeben zählt das Libretto von Arrigo Boito neben dem Troubadour wirklich zu den verworrensten, die Giuseppe Verdi je vertont hat, mit den vielen Ungereimtheiten um Betrug, Machtgier und zu spät erkannten Familienbanden. Aber Kriegenburg trägt wenig bei, die ohnedies komplexe und schwer verständliche Geschichte des Genueser Dogen zu erhellen. Auch schafft es der Regisseur kaum, echte Gefühle oder gar Leidenschaften zu vermitteln. Und so lassen Schlüsselszenen wie jene, wo sich Vater und Tochter wiederfinden oder der musikalisch berührende Tod des Titelhelden seltsam kalt. Und er bleibt in der eigentlichen Personenführung recht statisch und lässt bald Langweile aufkommen.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Verdis zwar musikalisch wunderbar reifes, fast ohne Ohrwürmer auskommendes Werk kann nur dann aufgeführt werden, wenn man für die Titelpartie des Dogen von Genua einen entsprechenden charismatischen Sänger gefunden hat. Das ist bei Luca Salsi zweifellos der Fall: Der unglückliche, ehemalige Korsar strahlt nicht nur starke Bühnenpräsenz aus, sondern vermag auch mit seinem schönen, weichen Timbre und vielen Nuancen sowie Farben intensiv zu berühren, wie etwa in der Szene, als er seine Tochter wieder erkennt oder in seiner, zum Weinen schönen Sterbeszene. Aber auch sein feindseliger Widerpart ist mit René Pape als nobler, würdevoller Jacopo Fiesco ideal besetzt, er ist aber von der Regie mit seinem schwarzen Mantel hauptsächlich zum Herumstehen verurteilt und wird so nie ein richtiger Widerpart zum Simon. Charles Castronovo singt den Gabriele Adorno mit lodernder Leidenschaft und glühendem Schmelz sowie schönen, ungefährdeten Höhen. Marina Rebeka als Amelia Grimaldi verfügt über einen schönen, berührenden Sopran, allerdings mit leichten Schärfen in der Höhe. Eindeutig zu wenig Kraft besitzt André Heyboer auch als darstellerisch zu wenig finsterer Bösewicht Paolo. Gut gefällt Antonio Matteo als Pietro. Die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor singt in der Einstudierung von Ernst Raffelsberger imposant und sehr homogen.
Die Wiener Philharmoniker unter Valery Gergiev lassen das Dunkle der Geschichte in gedeckten Farben schwerblütig hervorkommen. Mitreißend dramatisch, aber auch einfühlsam werden viele klangliche Details und Farben der Partitur ausgekostet. Trotzdem lassen einige emotionale Schlüsselszenen seltsam kalt, und es wackelt manchmal zwischen Bühne und Graben, was vielleicht auf eine zeitlich zu kurze Probenarbeit hindeutet, wofür der Vieldirigent ja bekannt ist.
Viel Jubel im vollen Großen Festspielhaus für die musikalische Realisierung, kein Widerspruch für die Inszenierung.
Helmut Christian Mayer