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Wenn eine Produktion bei Tanz im August als family friendly ausgewiesen ist, bedeutet das nicht nur vergünstigte Preise für Kinder und Jugendliche, sondern zugleich Programme, bei denen sich Heranwachsende angesprochen fühlen können. Solch ein Stück ist Body Concert, das die südkoreanische Ambigious Dance Company im HAU 1 zeigt. Der Choreograf Boram Kim hat zu elf Songs, deren Spektrum von verpoppter Barockmusik bis zum koreanischen Popsong reicht, eine Revue aus unterschiedlichsten Tanzstilen, klassischen wie modernen, inszeniert. Sie ist gewürzt mit Slapstick-Einlagen, Nonsense-Clownerien und einem gehörigen Maß an Schrägheit. Dazu gehört das Outfit des siebenköpfigen Ensembles. Es stürmt im Anzug mit grünen Strümpfen, dazu mit Sonnenbrillen und Badekappen ausgerüstet, furios über die Bühne und macht auch vor Parkett und Rang nicht Halt. Ihr rasantes Jonglieren mit genreübergreifenden Tanzformen begeistert das Publikum dermaßen, dass es am Ende standing ovations gibt, die mit einer Zugabe beantwortet werden.
Welten liegen zwischen Body Concert und der Performance Wo Co, die die japanische Choreografin Kaori Seki mit ihrer Gruppe Co. Punctumun ins Hau 2 bringt. Der Boden ist mit Sand bedeckt, die Bühne meist in Dämmerlicht getaucht. Es herrscht fast vollständige Stille. Nur punktuell sind kaum wahrnehmbare Geräusche zu hören, manchmal werden auch Düfte im Raum versprüht. Vier Frauen und drei Männer in hautfarbenen Trikots schälen sich aus der Dunkelheit heraus. Ganz langsam, wie in Trance, sind ihre hoch konzentrierten Bewegungen. Sie suchen den Körperkontakt, formen Skulpturen, bei denen ihre Glieder miteinander verschmelzen und sich wieder lösen. In einem der schönsten Momente bildet die gesamte Gruppe eine Reihe, die sich durch immer intensivere Berührungen mehr und mehr annähert. Wo Co ist ein faszinierendes Stück über Anziehung und Distanz, das durch die zeitlupenhaften Aktionen einen meditativen Sog und gleichzeitig eine sinnliche Atmosphäre erzeugt.

Schon zum zweiten Mal in Folge ist der Norweger Alan Lucien Øyen bei Tanz im August eingeladen. Beim vergangenen Festival war er mit dem Wuppertaler Tanztheater zu Gast, diesmal kommt er mit seiner eigenen Truppe Winter Guests ins HAU 1. In Story, story, die geht es Øyen um das menschliche Bedürfnis nach Anerkennung und die Diskrepanz zwischen Selbstdarstellung und Wahrheit in Zeiten sozialer Medien. Aber auch darum, dass es nur eine Gewissheit gibt: den Tod. Aus diesen beiden Strängen knüpft Øyen eine emotional aufgeladene, nur etwas zu lange Choreografie mit einmontierten Textpassagen. Mit großer darstellerischer und tänzerischer Intensität schlüpfen die Mitwirkenden in ihre Rollen, in die auch eigene Erfahrungen eingeflossen sind. Eine Szene prägt sich besonders ein. In ihr wird Pascal Marty zu einem Todesgerippe geschminkt, das fortan stets präsent ist.
Zum Abschluss gibt es im HAU 2 eine Wiederbegegnung mit La Ribot, der spanischen Avantgardekünstlerin, die vor zwei Jahren im Zentrum einer Werkschau stand. Sie hat mit der inklusiven Gruppe Dançando com a Diferença aus Madeira das Stück Happy Island entwickelt, in dem eine Fahrt durch die Insel, die auf einer Leinwand im Hintergrund abläuft, als Metapher für deren Wünsche und Sehnsüchte steht. Fünf Performer beiderlei Geschlechts behaupten sich mit fantasievollen Aktionen gegen ihre Beeinträchtigungen. Eine Frau tanzt im knallroten Rüschenkleid über die Bühne, eine andere, fast bewegungsunfähige, trotzt ihrer Schwäche und setzt unter großen Anstrengungen einen Kopfschmuck auf. Später bemalt sie den Körper einer dritten, die sich durch artistische Gelenkigkeit auszeichnet. In Interviews, die eingespielt werden, erzählen sie vom wachsenden Selbstvertrauen durch ihre künstlerische Arbeit, deren Funke auch ins Auditorium überspringt.
Intellektuelle Kopfgeburten und bedeutungsschwere Konzepte hatten beim diesjährigen Tanz im August Hochkonjunktur. Der Neugier des Publikums tat das keinen Abbruch, was die Auslastung von stolzen 98 Prozent belegt. Vor Entzugserscheinungen brauchen sich Berliner Tanzfans nicht zu fürchten. Denn bis zum 21. September lockt die gerade eröffnete Ausstellung Was der Körper erinnert – Zur Aktualität des Tanzerbes mit einem prall gefüllten Beiprogramm in die Akademie der Künste.
Karin Coper