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La Ribot in Happy Island - Foto © Julia Silva Castro

Intellektuell und bedeutungsschwanger

TANZ IM AUGUST
(Festival)

Besuch im
August 2019

 

Hebbel am Ufer, Berlin

Wenn eine Produktion bei Tanz im August als family friendly ausge­wiesen ist, bedeutet das nicht nur vergüns­tigte Preise für Kinder und Jugend­liche, sondern zugleich Programme, bei denen sich Heran­wach­sende angesprochen fühlen können. Solch ein Stück ist Body Concert, das die südko­rea­nische Ambigious Dance Company im HAU 1 zeigt. Der Choreograf Boram Kim hat zu elf Songs, deren Spektrum von verpoppter Barock­musik bis zum korea­ni­schen Popsong reicht, eine Revue aus unter­schied­lichsten Tanzstilen, klassi­schen wie modernen, insze­niert. Sie ist gewürzt mit Slapstick-Einlagen, Nonsense-Clownerien und einem gehörigen Maß an Schrägheit. Dazu gehört das Outfit des sieben­köp­figen Ensembles. Es stürmt im Anzug mit grünen Strümpfen, dazu mit Sonnen­brillen und Badekappen ausge­rüstet, furios über die Bühne und macht auch vor Parkett und Rang nicht Halt. Ihr rasantes Jonglieren mit genre­über­grei­fenden Tanzformen begeistert das Publikum dermaßen, dass es am Ende standing ovations gibt, die mit einer Zugabe beant­wortet werden.

Welten liegen zwischen Body Concert und der Perfor­mance Wo Co, die die japanische Choreo­grafin Kaori Seki mit ihrer Gruppe Co. Punctumun ins Hau 2 bringt. Der Boden ist mit Sand bedeckt, die Bühne meist in Dämmer­licht getaucht. Es herrscht fast vollständige Stille. Nur punktuell sind kaum wahrnehmbare Geräusche zu hören, manchmal werden auch Düfte im Raum versprüht. Vier Frauen und drei Männer in hautfar­benen Trikots schälen sich aus der Dunkelheit heraus. Ganz langsam, wie in Trance, sind ihre hoch konzen­trierten Bewegungen. Sie suchen den Körper­kontakt, formen Skulp­turen, bei denen ihre Glieder mitein­ander verschmelzen und sich wieder lösen. In einem der schönsten Momente bildet die gesamte Gruppe eine Reihe, die sich durch immer inten­sivere Berüh­rungen mehr und mehr annähert. Wo Co ist ein faszi­nie­rendes Stück über Anziehung und Distanz, das durch die zeitlu­pen­haften Aktionen einen medita­tiven Sog und gleich­zeitig eine sinnliche Atmosphäre erzeugt.

Kaori Seki mit Co. Punctumun – Foto © GO

Schon zum zweiten Mal in Folge ist der Norweger Alan Lucien Øyen bei Tanz im August einge­laden. Beim vergan­genen Festival war er mit dem Wupper­taler Tanztheater zu Gast, diesmal kommt er mit seiner eigenen Truppe Winter Guests ins HAU 1. In Story, story, die geht es Øyen um das mensch­liche Bedürfnis nach Anerkennung und die Diskrepanz zwischen Selbst­dar­stellung und Wahrheit in Zeiten sozialer Medien. Aber auch darum, dass es nur eine Gewissheit gibt: den Tod. Aus diesen beiden Strängen knüpft Øyen eine emotional aufge­ladene, nur etwas zu lange Choreo­grafie mit einmon­tierten Textpas­sagen. Mit großer darstel­le­ri­scher und tänze­ri­scher Inten­sität schlüpfen die Mitwir­kenden in ihre Rollen, in die auch eigene Erfah­rungen einge­flossen sind. Eine Szene prägt sich besonders ein. In ihr wird Pascal Marty zu einem Todes­ge­rippe geschminkt, das fortan stets präsent ist.

Zum Abschluss gibt es im HAU 2 eine Wieder­be­gegnung mit La Ribot, der spani­schen Avant­gar­de­künst­lerin, die vor zwei Jahren im Zentrum einer Werkschau stand. Sie hat mit der inklu­siven Gruppe Dançando com a Diferença aus Madeira das Stück Happy Island entwi­ckelt, in dem eine Fahrt durch die Insel, die auf einer Leinwand im Hinter­grund abläuft, als Metapher für deren Wünsche und Sehnsüchte steht. Fünf Performer beiderlei Geschlechts behaupten sich mit fanta­sie­vollen Aktionen gegen ihre Beein­träch­ti­gungen. Eine Frau tanzt im knall­roten Rüschen­kleid über die Bühne, eine andere, fast bewegungs­un­fähige, trotzt ihrer Schwäche und setzt unter großen Anstren­gungen einen Kopfschmuck auf. Später bemalt sie den Körper einer dritten, die sich durch artis­tische Gelen­kigkeit auszeichnet. In Inter­views, die einge­spielt werden, erzählen sie vom wachsenden Selbst­ver­trauen durch ihre künst­le­rische Arbeit, deren Funke auch ins Auditorium überspringt.

Intel­lek­tuelle Kopfge­burten und bedeu­tungs­schwere Konzepte hatten beim diesjäh­rigen Tanz im August Hochkon­junktur. Der Neugier des Publikums tat das keinen Abbruch, was die Auslastung von stolzen 98 Prozent belegt. Vor Entzugs­er­schei­nungen brauchen sich Berliner Tanzfans nicht zu fürchten. Denn bis zum 21. September lockt die gerade eröffnete Ausstellung Was der Körper erinnertZur Aktua­lität des Tanzerbes mit einem prall gefüllten Beipro­gramm in die Akademie der Künste.

Karin Coper

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